Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 36 — Denn er muß sich sagen:7Jch gehöre einer Religion an. welche der ganzen Welt einen Gott und eine Moral gegeben, auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft hat und durch die Harmonie mit der Wissenschaft zur Wahrheit machen wird des Propheten Wort: Ich mache dich zum Lichte für die Völker, daß mein Heil dringe bis ans Ende der Erde. ' Moses sNaimonides und Moses Mendelssohn haben, ivie wir gezeigt, in ihren Werken diese Lichseiten des Judentums in herrlicher Weise dargestellt, darum werden sie die Sterns bleiben, die uns den Weg in die Zukunft des Judentums zeigen, darum werden! wir auch zu diesen Geistesheroen stets wie zu hellleuchtenden Sternen emporblicken.! Mbbinilcbe Lreigeiller Im .flMttclalUr. Bon I. S,t e r n. „Fünf Bücher Mose" heißt das mosaische Gesetz- und Geschichtsbuch, der „Pentateuch" (vom griechischen Penta =■ fünf und Teuchos — Werk) der Grundstock des sogenannten Alten Testaments. Die noch immer viel verbreitete Meinung, Moses sei der Verfasser, ist im Buche selbstnicht begründet. Nur von wenigen Abschnitten wird gesagt, daß sie von ihm herrühren, unb auch da spricht nicht Moses selbst, sondern es wird von ihm in dritter Person gesprochen. Die Bibelkritik hat denn auch längst festgestellt, daß nur wenige Stücke von Moses geschrieben sein können, sodaß nicht einmal mehr die krasse Orthodoxie die mosaische Alltorschaft des gesammten Pentateuch behaupten wagt. Will man den Titel beibehalten, so nur in dem Sinne, daß das Buch die mosaische Gesetzgebung unb die Geschichte Israels bis zum Tode Moses umfaßt, sowie das berühmte Epos des altrömischen Dichters Birgil „Acneide" «Buch des Aeneas) heißt, weil der Trojaner Aeneas dessen Held ist; desgleichen die Homerische Odyssee. In alten Zeiten dagegen galt es bei den Jllden und Christen für ausgemacht, daß Moses den ganzen Pentateuch Wort für Wort geschrieben habe, und zwar auf unmittelbare Eingebung des heiligen Geistes oder Gottes «Inspiration). Nach einer Stelle im Talmud, dem ea. 500 n. Chr. abgeschlossenen großen Werk rabbinischer Theologie, habe Moses sogar den letzten Abschnitt, der über seinen eigenen Tod und sein Begräbnis berichtet, unter Tränen niedergeschrieben, indem Gott ihm diktierte. Selbst Philo (jüdisch-alexandrinischer Philosoph) und Josephus «Geschichtschreiber) — beide im ersten Jahrhundert nach Christus — nehmen keinen Anstand, zu behaupten, daß Moses auch diesen Abschnitt im prophetischen Geiste niedergeschrieben habe. Der Glaube an die mosaische Autorschaft und den himmlischen Ursprung des ganzen Pentateuch galt im ganzen Mittelalter als Fundamental-Dogma, der^Zweifel daran als schwerste Ketzerei, sodaß im Talmud selbst Dem jeder Anteil an der ewigen Seligkeit abgesprochen wird,