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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-02-01 · Heft 2 (1.2.1905) · p. Seite 28

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 2 (1.2.1905)
Date
1905-02-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Darum, glaube ich, ist es Pflicht, bei jeder paffenden Gelegenheit, sei es auf der Kanzel, in der Schule oder in öffentlichen Vorträgen jene Punkte hervorzuheben, welche die Superiorität der jüdischen Religion— wohl verstanden der jüdischen Religion nicht der Juden selbst — beweisen. Ich habe es mir heute zur Aufgabe gemacht, j Ihnen, h. A., an zwei jüdischen Geistesheroen aus dem 12. und 18. Jahrhundert, an j Moses Maimonides und Moses Mendelssohn jene Lichtseiten des Judentums zu zeigen, l die dafür bürgen, daß das Judentum trotz aller Anfeindungen, trotz aller Geringi schätzung und trotz aller Jnfcrioritätserklärungen eine große Zukunft hat. . i * * * j H. A.! Wenn Goethe den berühmten englischen Historiker und Popular-Philosophen Thomas Carlyle „eine moralische Macht ersten Ranges" nennt, so kann diese Bezeichnung gewiß auch auf die beiden Geistesheroen Maimonides und Mendelssohn angewendet werden; denn was diese beiden Geisteshelden groß und bewunderungswürdig erscheinen läßt, das sind nicht bloß ihre Anschauungen, sondern vor allem ihre felsenfesten sittlichen Charaktere; und wenn Harnack in seinem bereits'zitierten Werke bemerkt: „Worte tun es nicht, sondern die Kraft der Persönlichkeit, die hinter ihnen steht" (®. 31), so müssen , wir sagen, daß* jeder, der sich mit Maimonides und Mendelssohn näher beschäftigt,! nicht bloß die Kraft dieser Persönlichkeiten in seinem Innern nachfühlt, sondern ^auch erkennt, daß diese beibeu Geistesheroen Anschauungen ausgesprochen haben, die von unermeßlicher Bedeutung für die Zukunft des Judentums sind. Es kann heute nicht meine Aufgabe sein, Ihnen ein ausführliches Lebensbild von Maimonides oder Mendelssohn! zu entwerfen; dazu würde die Zeit nicht ausreichen : ich verweise Sie bloß auf die I Werke von Graetz, Geiger und Kayserling. Auch das kann heute nicht meine Aufgabe sein, den Einfluß nachzuweisen, den Maimonides auf Mendelssohn ausgeübt hat, obwohl sich manches von selbst aus unserer heutigen Betrachtung ergeben wird. Wir wollen! uns strenge an den Wortlaut unseres Themas halten und, wie bereits erwähnt, unter Führung der beiden Geisteshelden jene Lichtseiten kennen lernen, welche für die Zukunft! des Judentums von größter Bedeutung sind. Zwei Werke wollen wir hier ganz besonders! ins Auge fassen, und zwar das religionsphilosophische Werk des Maimonides, das ur-! sprünglich arabisch geschrieben ist und später ins hebräische, lateinische und in zahlreiche i moderne Sprachen übersetzt würde. Es führt in der hebräischen Übersetzung den Titel '! „Kore nebuchim- „Führer der Verirrten". Dieses Werk wurde im Jahre 1190 nach 10 jähriger Arbeit von Maimonides vollendet. Von Mendelssohn wollen wir wiederum ins Auge fassen, jenes Werk, das ungefähr 600 Jahre später als das des Maimonides im Jahre 1783 erschien, betitelt: „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum", ein Werk, von dem Mirabeau bemerkt: le Jerusalem de Mendelssohn merite d’etre traduit dans toufces les langues de TEurope *, der „Jerusalem verdient in alle europäischen! Sprachen übersetzt zu werden." - Fassen wir nun die beiden Geistesheroen Maimonides und Mendelssohn ins Auge,! so müssen wir sagen: Weder der eine noch der andere können als Reformatoren bezeichnet werden; sie wollten nicht reformieren und haben auch nicht reformiert, sie zeigten aber beide, daß jüdische Religion und Wissenschaft nicht feindliche Gegensätze j find, sondern im schönsten Einklänge mit einander! stehen; beide Männer haben nicht

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