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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 187

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 187 (sequence 45)
Language
German
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fand nicht die Hälfte der Herbeigeströmten Zutritt. Tausende standen auf der Straße^ bis um 12 Uhr der endlose Leichenzug sich nach dem Salem Fields Friedhof in Bewegung setzte. Obgleich die Familie gebeten hatte, daß keine Blumcnsp^lden , gesandt werden sollten, waren der Altar und die Stufen desselben mit Bergen von Lilien, weißen Rosen und Maiglöckchen bedeckt. Der einfache Sarg verschwand, förmlich unter Rosen und Haidekraul. Unter den Klängen eines Beethoven'schen ^Trauermarsches wurden die sterblichen Überreste des berühmten Rabbiners in die! Synagoge getragen und vor dem Altar niedergeseht. Der Kantor, Di'. Sprager, stimmte den 91. Psalm an, und Rabbi F. de Sola Mendes sprach ein kurzes Gebet, worauf Di-. Silverman, der langjährige Assistent und Mitarbeiter des Heimgegangenen, demselben einen tiefempfundenen Nachruf widmete. Kaum ein Auge blieb trocken bei dem begeisternden Tribut, den der Leichenredner den Verdiensten und Tugenden des Verstorbenen zollte. „Di-. Gottheil war mehr als ein Seelsorger, er war ein Prophet," sagte Di-. Silverman u. A. „Göttliche Inspiration kam zu Zeiten über ihn, und er kannte nur ein Ziel: die Wohlfahrt seiner Glaubensgenossen und der ganzen Menschheit. Er hatte das Zeug zum Märtyrer in sich und hätte zu jeder Zeit sein Leben für seine hohen Ideale hingegeben. Erkannte die jüdische Geschichte und Literatur vielleicht besser als irgend einer seiner Zeitgenossen, betrachtete die Bibel jedoch nicht als abgeschlossenes und versiegeltes Buch, sondern glaubte, daß jedes Jahrhundert weitere Kapitel zu derselben liefere. Di'. Gottheit war ein Reformator, des Glaubens, des Rituals, des Zeremonienwesens und der Menschen. Ihm ging Menschenwohl über die Religion, in welcher er nicht den Endzweck, sondern nur ein Mittel zur Erreichung desselben sah. Er war ein Mann des Fortschritts, der Toleranz und Philanthrop im besten Sinne des Wortes. Ein merkwürdiges Zusammentreffen ist es, daß nur gerade am 30. Jahrestage seiner Einschiffung nach Amerika weinend an seinem Sarge stehen müssen. Nach Di'. Silverman widmete Dr. Robert Collyer, der Pastor der unitarischen Messias-Kirche, dem Verewigten warme Worte des Lobes, und um die Mittagsstunde erst erreichte die ergreifende Feier ihr Ende. Über 50 Wagen gaben dem Toten das Geleit zur letzten Ruhestätte. Als Bahrtuchträger fungierten: Rev. Dr. de Sola Mendes, E. I. Myers, M. H. Moses, Louis Stern, Louis Marshall, Emanuel Lehman, Rev. Dr. Maurice H. Harris, Rev. Dr. Rudolph Grvßman, 9! Taylor Phillips, James Seligman, Jsaac Eppiuger, S. M. Schäfer, Henry Budge, Albert F. Hochstadter und D. M. Jastrow. Am Grabe sprach Rabbi Dl'. Leon Harrisou von St. Louis, ein lebenslanger Freund des zum letzten Schlafe Gebetteten. — In New-Zork starb einer der hervorragendsten Hebraisten Moses Hakoheu Reichersohn. Geboren in Wilna am 5. Oktober 1827, hatte er im Chedcr mit dem bedeutendsten der neuhebräischev Dichter, mit Jehuda Loeb Gordon, Freundschaft geschlossen, die bis zu des letzteren Tode dauerte und von der zahlreiche Briefe in dessen Briessammlung Zeugnis ablegeu. Reichersohn gab 1860 die Fabeln des russischen Dichter Kryloff in

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