Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Familie des Jubilars, die Notabilitäten, Körperschaften, Vereine und Schulen der Stadt und Gemeinde nahmen an dem erhebenden Feste Teil, an welchem die ärztlichen Kollegen des Jubelgreises die Geistesfrische desselben bewunderten, mit welcher er alle Ansprachen in drei Sprachen präcise und wirkungsvoll zu erwidern verstand. Alle Konfessionen wetteiferten in der Liebe und Verehrung für den als Arzt und Mann der Wissenschaft hochverdienten Jubilar- — Herr Baron Nathanicl Rothschild zeigte dem Kriegsministerinm an, daß er das Schloß in Reichenau für invalide Lberofskziere widme- — Der engere litterarische Ausschuß des vor Kurzem begründeten ungarischen jüdischen Litteratur-Vereines hat den Beschluß gefaßt, ein jüdisches Jahrbuch heranszngeben- — Herr I. Wassermann ans Jassy hat zum Andenken an seine irr. Meran vnstorbcnene Schwester dem Asyl für Kurgäste daselbst eine Spende von 10.000 Francs überwiesen. — In seiner neuesten Schrift „Eine Bitte an die geehrten Leser" hat der frühere Rabbiner von Tapio-Szele Herr I. Lichtensteiu folgende Satze an die Antisemiten gerichtet. Gab und giebt cs nicht noch gegenwärtig Inden genug, die voll Neid und Mißgunst bestrebt sind, ihrem Bruder die Ehre zu rauben, das "kärgliche Brot vom Munde zu nehmen? Das sind schlechte Individuen, Inden dem Namen und dem Fleische, nicht aber dem. Geiste nach, dürstet ihr mit Recht antworten. Ich aber sage euch, gestützt auf das Nene Testament und seine klaren Lehren, daß Christen, die nicht Liebe für jedermann fühlen, deren Herz nicht ihren Nebenmeuschcu, ohne Unterschied der Klasse und Rasse, traun, brüderlich entgegenschlagt, daß Christen, die Ränke schmieden, Rache brüten, Böses üben, ihren Nebenmenschen' kränken und Verleumdung ansstreuen, daß solche Christen den Namen-Juden, den Juden nach dem Fleische ähnlich sind, Chrifttn dem Namen nach, denen Christi Wort und Christi Geist fremd ist, unwiedergeboreue und sündenbeflcckte Seesen, die jeder wahre Christ, jeder wirkliche Jünger Christi als unrein meidet, meiden muß, Schatten der Nacht, die vor dem Tageslicht verschwinden. Blicket daher nicht in die Finsternis, blicket in das Licht: „Süß ist das Licht, und den Augen lieblich, die Sonne zu sehen." — Herr Jsak Mautner in Nachod hat aus Anlaß seines 70jährigcu Geburtstages einen Betrag von 30,000 Kronen für einen Altersunterstützungssond seiner Fabrikarbeiter gespendet und überdies alle israelitischen Hnmanitätsanstalten der Cultusgemeinde Nachod mit reichlichen Spenden bedacht. Unter die Armen der Gemeinde und der Stadt wurden größere Geldbeträge verteilt. — Zwei Angehörige der Sabbatarianer- Sekte, die den Samstag als Sabbat feiert, kamen bei der Erziehungsdirektion des Kantons Basel mit dem Gesuche ein, es mochten ihre Kinder an Samstagen vom -Besuch der Schule dispensirt, d. h. es möchte das Ausbleiben von der Schule an Samstagen nicht als Schulversäumnis angesehen und zur Bestrafung gezogen werden. Dieses Gesuch wurde, wie man der „Basel. Ztg." mitteiltte, damit begründet, daß der Besuch der Schule an Samstagen mit den religiösen Grundsätzen der Sabbatarianer unvereinbar sei und daß Artikel 49 der Bundesverfassung Glaubens-