Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 citirt. Zu dem Dr. Kohnt befremdenden Ausspruche, daß unser großer Lehrer Moses in seiner oberen Hälfte Gott, in der unteren aber Mensch (Mann) genannt wurde, verweisen wir auf unsere Schrift „Ueber das Verhältnis der Kirchenväter zur talmudisch-midraschischen Litteratur" § 7. Kohuts Arbeit will zum Ankauf dieser Handschrift, die im Besitze Deinhards ist, anregrn. Es ist jedenfalls zu wünschen, daß Kohut selbst die Herausgabe besorge, da er durch die gegenwärtige Arbeit bewiesen, daß er hierzu berufen ist. Hlerandrow Samuel. Agadatli pacli haschemen (die Sage vom Oelkrüglein) 16 Octavseiten (hebräisch.) Diese dem greisen Gelehrten Eh. S. Slonimski zum herannahenden 82. Geburtstage (24. Adar) gewidmete Schrift bringt den Nachweis aus älteren und jüngeren Quellenschriften, daß das Oelkrüglein, das am Channkafeste mit seinem Inhalte auf 8 Tage hingereicht habe, allegorisch zu fassen sei) da im talmudisch-midraschischen Schrifttum Oel für Thora, Wissenschaft stets gebraucht wurde. Schon die Thatsache, daß weder die Bücher der Makkabäer noch Flovius Josephus dieses Wunder erwähnen, sollte mißtrauisch machen. Alexandrow Hat es unteriiomme», die von Slonimski zu widerholtem Male in der hebräischen Zeitschrift „Hazefirah" geäußerte und begründete Ansicht vollständig festznstellen. Zimmels, Leo Hebräus 1) Ein jüdischer Philosoph der Renaissance, seine Werke und sein Leben. Breslau 1886. 120 Seiten in 8° 2) Leone Hebreo. Neue Studien. Heft I. Separat. Abdruck aus „Neuzeit." Wien 1892. 56 Seiten in 8". Beide Arbeiten zeigen eine umfassende Beherrschung des schwierigen und schwer zugänglichen Stoffes; wir hätten nur gewünscht, daß der Titel bei beiden Schriften gleichlautend, entweder lateinisch oder italienisch gewesen wäre, und noch erwünschter wäre es, da es, wie der Verfasser selbst sagt, in vielen Familien Leones Hebräi, wenn auch nicht von der Bedeutung des Leo Abrabanel, gewesen, auch den Familiennamen, hinzuzufügen, da es durch die Forschungen des berühmten Bibliothekars Bernadino Pcyron aus Turin nunmehr festgestellt ist» daß der Verfasser des früher dem Leo Abrabanel zugeschriebenen Stückes Drusilla, Leone Ebreo de Sommi ein Zeitgenosse unseres Leo gewesen. Wir wünschen recht bald eine Fortsetzung der gediegenen Studien des Herrn Dr. B. Zimmels zu sehen. Salzer Ansalm, Dr. Die Sinnbilder und Beiworte Mariens in der deutschen Litteratur und lateinischen Hymnenpoesic des Mittelalters. Mit Berücksichtigung der patristischen Litteratur. Eine literarhistorische Studie. Separatabdrücke aus dem Programm des K. K. Ober-Gymnasiums zu Seitenstetten. 1892. Seite 371—445. Eine außerordentliche gründliche Studie, die auch für den jüdischen Gelehrten von hohem Interesse ist; denn nicht nur werden sämtliche Epitheta ornantia die der hl. Maria beigelegt werden der Knesijah (Gesamtheit Israels) beigelegt, nicht nur daß das alte Testament das ganze Arsenal aufbietet, um Maria zu schmücken, wir sehen auch daß das gute jüdische Wort Marjam durch Eliminirung des Schluß m zu Marja-Maria geworden, midraschisch gedeutet wird, und maor jam- Licht (Leuchte) des Meeres. Daß die Kirchenväter nicht nur Midraschin verstanden d. h. von jüdischen Lehrern übernommen, sondern auch welche gemacht, die in späterer Zeit sogar von jüdischen Rabbinen als authentisch ausgenommen wurden, ist eine nicht wegznleugnende Thatsache, die ich in meinen Schriften: „Ueber den Einfluß der Psalmen auf die christliche Liturgie" und über das Verhältnis der Kirchenväter zur talmudisch-midraschischen Litteratur" nachzuweisen versucht habe.