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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-09-01 · Heft 9 (1.9.1892) · p. Seite 208

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 9 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
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— 20k eines Briefes vom 1A. Januar 1891: Ich habe das bisherige nur im Sinne Maimonides ausMührt, ich halte eine auf aristotelischen Philosophieren basierende Theologie überhaupt nicht für die richtige Grundlagedes Judentums, welches eine Theologie im enaeren Sinne des Wortes bis jetzt noch nicht besitzt, wie eine solche von ftinens Bekennern auch nicht gesucht und verlangt wird. — In „Kathanael" befindet sich ein ausführlicher Aufsatz „Statistik der Judenmission" von Dr. Gustav Dalman in Leipzig, aus dem zu ersehen ist, daß es im Ganzen derartige 55 Gesellschaften giebt, die mit 899 Missionarbeitern in 127 Stationen wirken. Die Gesamteinnahmen der Gesellfihaft betragen jährlich 1.935,325 Mark. — Der Operntenor Grrini in Kreslau wurde zum Kantor an der neuen Synagoge, daselbst gewählt. — Der Rechtsanwalt und Notar Peltasohn in Ziegnitz ist zum Justizrat ernannt worden. — Im „Deutschen Hausfreund", der illustrirten Sonntagsbeilage dxr „Berliner Neuesten Nachrichten" vom 26. März d. I. ist unter der Aufschrift "die Weinstöcke von Kanaan" folgende Notiz zu lesen: In der Umgebung des Hebron sind die Weinstöcke zahlreich; bald läßt man die Reben am Boden sich hinziehen, bald unterstützt man sie durch gekreuzt aufgestellte Stäbe; einige Besitzer reinigen lieit Boden sorgfältig, andere kümmern sich gar nicht darum, Kenner versichern, daß die Trauben diese!; Landes von derselben Art seien, wie die vom Rhein. Die Beeren sind außerordentlich groß, die Trauben werden oft inehr als ein Kilogramm schwer, die ersten reifen schon im Juli und sind zu dieser Zeit Gegenstand eines lebhaften Handels nach Jerusalem. In Jerusalem giebt es einen ausgezeichneten Wein, der von den Abhängen des Hebron gesammelt wird. Der Tradition nach soll es das Thal Hebron gewesen sein, in welchem Kaleb und Josua Ibie berühmte Traube Kanaans gefunden haben. Wenn die Traube uur 2Vs Kg. wog. — und es finden sich noch jetzt oft solche — so war das einzige Mittel, sie ohne Verletzung zu transportieren, daß zwei Leute sie auf einem Stocke trugen. Wäre s den Muhamedanern der Genuß des Weines erlauhh so würde Kanaan ohne Zweifel noch das renommirte Weinland sein, welches es mehr als tausend Jahre lang unter der arbeitsamen Hand der Israeliten war- — In Posen ist im Selbstverläge des Verfassers eine Brochüre erschienen, „Der Jude — zeitgemäße Betrachtung von eine n katholischen Geistlichen der Erzdiözese Gnesen — Posen", in welcher sich der Verfasser über den Antisemitismus folgendermaßen äußert: „Wir I bezeichnen diese Hetze, denn anders können wir's nicht nennen, als nnchristlich^ unpolitisch und unklug. Der Antisemitismus ist vor allem unchristlich; er verstößt gegen das erste, fundamentale Gebot, das Gebot brr christlichen Liebe. Es. ist uns geradezu unbegreiflich, wie sich ein christlicher Geistlicher an die Spitze oder in die Reih: der Antisemiten stellen kann. „Liebet einander." so tönt es von der Kanzel herab, „verfolget die Juden" von der Rednerbühne — uhd das aus einem und demselben Mtlnde. Der Antisemitismus ist unpolitisch.! Cs ist eine geschichtliche Thatsache, daß die Bildung einer Liga gegen die Mitbürger in einem Staate stets für beide Parteien verderblich gewesen. Der Bürgerkrieg, mag er blutig oder unblutig verlaufen, ist stets eine Kalamität für das Land. Meint ihr Antisemiten, von den Juden in Schatten gestellt zu sein, so besieget sie durch den Glanz eurer Tugenden. Der Antisemitismus ist unkllig. Wenn die Juden wirklich solche gewaltige Macht besäßen, über so gewaltige Mittel verfügten, so wäre es klüger, mit ihnen Hand in Hand zu gehen, da sie nun einmal mit uns zusammenleben, als in unützem Kampfe die Kräfte zu vergeuden. Was hat Spanien, Portugal, Rußland gewonnen, als es die Juden verbannte? Anstatt zu jammern, daß die höheren Lehranstalten von

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