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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-03-01 · Heft 3 (1.3.1892) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 3 (1.3.1892)
Date
1892-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 Handels- und Industrie-Vereins in Eaganrok Herr Iaques Poliakoff, wurde vom Czaren in Anerkennung seiner Verdienste um den Handel und die Industrie des Landes mit dem Großcordon des Stanislaus-Ordens I. Klasse decorirt. — Unter den jüngst aus Petersburg Ausgewiesenen ist der unschuldige und liebenswürdige Poet und Journalist Frng, der lange ein Liebling des russischen Publikums war. Das kan: daher, weil Frug Jude ist. — Die Offiziere des 19. Kaiserjäger-Regiments sn Petersburg mit ihrem Oberst an der Spitze, bereiteten vor kurzer Zet ihrem Kameraden, dem Staatsrat Dr. Alexander Finkelstein, welcher 21 Jahre als Regimentsarzt bei dieser vornehme» Truppe gedient hatte, eipe öffentliche Abschiedsfeier. Die zu Ehren des Gefeierte» veranstaltete Soiree und die kostbaren, ihm überreichten Geschenke zeugen von der hohen Achtung, in welcher er im Offizierscorps stand. — Heber die russischen Wucherer schreibt ein in Ssamara erscheinendes Lokalblatt: „Glaubt nur, alle Juden in Polen znsammengenomnsen sind Engel verglichen mit den Kulaki (Dorfwncherern), welche nicht einmal den Beschränkungen unterliegen, welchen die Juden unterworfen sind, sondern unter hem Schutze des Gesetzes nach Belieben dem Volke das Fell über die Ohren ziehen können. Sie nehmen den Bauern zuerst das Vieh und seine Geräthe und dann sein Land, worauf derselbe vollständig in den Zustand eines Sklaven versinkt." — In einer seiner Predigten während der vergangenen hohen Feiertage hat der Chacham der berühmten Karaitengemeinde von Dschufut Kateh in der Krim seine Gemeinde aufgefordert, stets eingedenk zu sein der Worte des Propheten: daß Karäite» und Rabbaniten nur einen einzigen Stammvater haben und mögen daher Erstere sich jetzt beeilen, den so hart vom Unglücke betroffenen Juden des russischen Deiches, Hilfe und Trost zu bringen. Zugleich ermahnte er seine Gemeinde nie zu vergessen, daß die Herrscher des russischen Reiches stets den Karaiten wohlgesinnt waren und auch der Czar Alexander HI. mache hierin keine Ausnahme da er auch diese jüdische Secte unter seinen besonderen Schutz genommen habd» so daß alle ihre Mitglieder fortwährend ruhig, glücklich und zufrieden im russischen Reiche leben können und keine Verfolgungen zu befürchten habe». — Ein Exemplar der Gutenberg-Kibel, dieses Meisterwerkes der Buchdruckerkunst aus dem 15. Jahrhundert, wurde in New-Jork um den riesigen Preis von 14,800 Döllars verkauft. Dieses Werk gilt bekanntlich als das erste, im Jahre 1450 von beweglichen Lettern gedruckte. Der gute Zustand des fragliche» Exemplars, seine; anerkannte Seltenheit, die verschiedenen Vermutungen über seinen Preis, das Gerücht, daß es nach England kommen solle, gaben dem Verkauf ein erhöhtes Interesse. Ursprünglich von einem Amerikaner in Europa gekauft, galt es-schon im Jahre 1884, 6000 Dollars und wurde nun nach einer hitzigen Versteigerung von Herrn Elsworth, einen: Kohlenhändler in Chicago, um den obengenannten Preis irrstanden. — Gegen die Angriffe auf die Juden von Seiten der antisemitischen Presse in Serbien hat sowohl Herr Kistirs als auch General Protirs sich entschieden mißbilligend ausgesprochen. Letzterer sagte zu Herrn Oberrabbiner Dr. Dernfeld, der von ihm in Audienz empfangen wurde: „Ich kann bezeugen, daß die Juden in jeder Beziehung die besten Serben sind und im Patriotismus Keinem nachstehen. Die Juden Serbien's haben es bewiese», daß sie wahre Patrioten sind. Das Einzige, was uns von denselben trennt, ist die Religion; ich würde sie aber nicht so hoch achten, als ich es jetzt thue, wenn sie der Religion ihrer Väter nicht treu bleiben würden " - Ueber 400 christliche junge Leute aus den , besten Familien Rumäniens haben in öffentlichen Blättern erklärt, daß sie es nicht als ein Zeichen von Civilisation betrachten, einer Be-

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