Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1890)
- Date
- 1890-10-01
- Page
- Seite 234 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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234 über Henriette Herz und ihren Gatten. Humorvoll schildert Schadow, wie Tassaert die Büste Mendelssohns modellirte, und wie dieser, klein von Gestalt, zu diesem Zweck auf den T sch gesetzt wurde. Schadow hatte als Lehrling den Ton geknetet und Alles wohl vorbereitet. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Magdeburg hat einen Verwaltungsbericht veröffentlicht. 1852 zählte die Gemeinde nur 183 Mitglieder, welche 2345 Thaler zahlten. Im Jahre 1889 zählt die Gemeinde 6J3 beitragende Mitglieder, die 19122 Mark Steuer zahlen. 1852 gab die G< meinde jährlich 1616 Thaler aus, 1889 14400 Mark. Diese Zahlen geben ein sprechendes Bild von dem Wachse» der Gemeinde. — Im letzten Sommerhalbjahre wurden die 257 Gynmasien und 70 Progymnasien in Preußen von 94079 Schülern besucht. Darunter waren 9,4 Procent Juden, während von bei männlichen Gesammtbevölkerung die Juden nur 1,3 Procent ausmachen. Auf 10000 männliche Einwohner kommen bei den Christen 62,2, bei den Juden 489,3 Gymnasialschüler. — Nach der Statistik vom Jahre 1881 kommen in Preußen auf je 100090 Juden 87 Zuchthäusler, bei den Protestanten 98 und bei den Katholiken 119. — Das Pflegamt des Israelitischen Gemeindehospitals in Frankfurt a. M. veröffentlicht einen Bericht über seine Thätigkeit während des Zeitraumes vom 1. April 1887 bis 1. April 1890. Ambulatorisch behandelt wurden in dieser Zeit 3181, in ihrer Behausung 760, in der Anstalt 1108 Kranke mit 25991 Verpflegungstagen. Die israelitische Gemeinde leistete Zuschüsse in der Höhe von Mk. 64,806. — Man berichtet uns aus Franksurt a. M.: Bei dem 32jährsgen Stiftungsfeste des Zoologischen Gartens daselbst wurde ein Marsch „Mit fliegenden Fahnen" componiert von dem 16 Jahre alten Adolf Strauß, der noch die Prima einer Realschule besucht, von der Kapelle des 81. Jnfanteric-Regim mts unter großem Beifall vorgetragen. — Herr Moritz Kohr in Breslau, der >er jüdischen Gemeinde in Kosen schon früher 100000 Mk. zum Zwecke der Errichtung eines Kranken- und Siechenhauses übermachte, hat jüngst neuerdings fernere 200000 Mark zu deniselben Zwecke der Gemeinde Posen zu geben sich verpflichtet. — In Glriwitz kam ein Schwank „Eine Heirathsvermittlung" von G Krrg, eine Breslauerin, zur Aufführung. Das Stück hatte Erfolg. — Die Juden in Mergentheim haben dadurch, daß sie ihren Rabbiner, der am Sabbath eme Cigarre geraucht haben soll, angeklagt haben, das Judentum dem Hohne und der Lächerlichkeit preisgegeben. Biele Blätter haben diesen Stoff ergriffen, um spHttische und gehässige Artikel gegen Juden und Judentum zu schreiben. — In Kerlin hat sich ein antisemitischer deutscher Turnverein gebildet. — In Kutzbach würde der Antisemit Köhler in den Hessischen Landtag gewählt. — In Dalheim wurde in der Synagoge durch ruchlose Hand die heilige Lade erbrochen und eine Thorarolle zerrissen, beschmutzt und mit Füßen zertreten, auf dem Boden aufgefunden. Bänke waren zertrümmert, Gebetbücher und zum Gottesdienste gebräuchliche Gegenstände in schändlichster Weise entheiligt auf der Erde zerstreut. — Der Reichstags-Abgeordnete Kickert hat einen den Antisemitismus bekämpfenden Artikel über die Judenverfolgung zu Ende des 19. Jahrhunderts in der ^Nation" veröffentlicht, welcher mit den Worten schließt: Die Gegenwehr zu verabsäumen wäre ein großer Fehler. Die ist in erster Sache eine Ehrenpflicht! der Christen. Sie sollen Protest erheben gegen die Vergiftung des öffentlichen Lebens durch eine unter nationaler Firma betriebene undeutsche christliche Hetze gegen eine große Anzahl gleichberechtigter deutscher Staatsbürger. — Am 7. Augüst starb in Lemberg Herr Dr. Philipp Mansch im 57. Lebensjahre, der verdiente Begründer des jüdischen Culturvereins „Schomer Israel"