Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Vereins vorangeschickt ist. Ende 1889 belief sich die Zahl der aktiven Mitglieder auf 292 gegen 278 im Vorjahre. Die Anzahl der Ehrenmitglieder hob sich auf 929. Aus dein Reservefonds wurden 1950 Mark in 30 Fällen verabreicht; die Summe der Jahresuntersttitzungen betrug l0,325 Mark. Das VereiNsvermögen belief sich auf 164,065 Mark. An Geschenke» giengcn ein 5587 Mk, dazu kommt ein Legat in der Höhe von 5000 Mark.; die Jahresbeiträge, Einkaufsgelder u. s. w. betrugen 8253 Mark, die Zinsen 6400 Mk. Zu berichtige» ist S. 4, daß Herr Rabbiner Or. Hirsch nicht mehr am Leben ist zVergl. über ihn Monatsblätter Jahrg 9. S. 265). — In Strnßburg ist eine Pensionskasse der reichsländischen Rabbiner und Kultusbeamten ins Leben gerufen worden. — Im deutschen Reichstage nehmen fünf Antisemiten Plätze ein: Höckel, Hirbermann von Sonnenberg, Werner, Zimmermann und Kickenbach. — Es ist bezeichnend, daß nach dem Rücktritte der beiden Staatsmänner fisjn _ und Zismarck, Istorzy und Stöcker die Judenhetze in Ungarn und Preußen wieder eingeleitet haben. Herr Stöcker hat es diesmal sogar mit Vorwissen und in Uebcrcinstimmung mit der konservative» Partei gethan. Die bekannten Verhandlungen vom 20. und 21. März im Preußischen Abgeordnetenhause zu Zerlin gipfelten in dem Wunsche der Errichtung besonderer höherer Lehranstalten für die Juden unter Hinweis auf die Ueberlastung der höheren Anstalten mit jüdischen Schülern und Schülerinnen. Auch Herr Cremer ließ den Anlaß nicht vorübergehen, eine Rede gegen die Juden zu halten. Charakteristisch ist es, daß selbst bei der äußersten Rechten im Judentum besondere jüdische Schulen keine Sympathieen finden. K. Hillel Kesch, ein Chassidim»Rebbe, hat bei der Gründung der Alliance-Schule in Kolomea, die dort jetzt eine Notwendigkeit ist, wie vor hundert Jahren das Philanthropin in Frankfurt a. M., sich damit einverstanden erklärt, jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, daß Lehrer, die profane Gegenstände unterrichten, Christen und nicht Juden sein sollen, denn so kalkuliert der fremme Rabbiner — Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprachen, Geographie, Naturgeschichte sollen keinen konfessionellen Charakter haben. — Aus Kerlin berichtet man: Von der Toleranz und dem Gerechtigkeitssinn unseres Kaisers macht in militärischen Kreisen eine jüngst gefallene Acußernng Allerhöchstdeöselben: „Ich kenne keine Juden in meiner Armee. Ich kenne nur Soldaten!" viel von sich reden. — In diesem Jahre sind 100 Jahre seit der Geburt S. £. Happaports, des Bahnbrechers auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur verflossen; die israelitische Gemeinde in Krag wäre zunächst berufen, eine Anregung zu geben, auf welche Weise das Andenken an diese» bedeutenden Mann für die Gegenwart belebt tverde. — Nach frtnffoor wurde Herr Dr. Kohlbach als Rabbiner der ^tutu-j-guo-Gemeinde berufen. — In Koßtolany wurde Herr $. Victor Sufimann zum Rabbiner erwählt. — Ji) Dunasildvar starb 112 Jahre alt Herr Philipp Krrgl. Es war der Großvater der Schauspielerin Kornelli Hrrgi und der geachtetste Mann des Ortes. — Am 18. März wurde in Wien Herr l>r. Emil Wahle zu Grabe getragen. Er hat wertvolle historische Arbeiten hinterlassen. —In Groß-Kanicha stapb am 6. März der verdiente Präsident der jüdischen Gemeinde Herr §. H. (ßutmnnn Edler de Gelse. Herr Oberrabbiner l>r. Kkumann entwarf in seiner Trauerrede ein glanzvolles Bild von dem segensreichen Wirken des Entschlafenen. —- In Zielih starb Herr Salomon Eugendhat, der Mitbegründer der dortigen jüdischen Gemeinde, an deren Verwaltung er nahezu ein halbes Jahrhundert teilgeiionimen. Am Sarge im Tempel widmete ihm Herr Rabbiner Dr. Horoivih Worte ehrenden Nachrufes und im Friedhofe