Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1886)
- Date
- 1886-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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285 Sammai fitzt in einer Höhle, beweint das Loos seines Volkes und in seiner Hand vereinen sich die Fäden der Verschwörung gegen den Tyrannen. Als besonders gelungen wird die Sitzung der SynhedrmmS in diesem Stücke bezeichnet. Auch die Figur Herodes, besonders seine Begegnung!mit Mariamne, wie er von Rom zurückkam, soll treffend gezeichnet sein. Mariamne war ausgezeichnet durch, majestätische Haltung. In ihr tobte der Kampf zwischen Pflicht gegen Herodes und Liebe zu ihrem Volke. Die Liebe ging über in Haß gegen Herodes und gipfelte in Verachtung, aus einem liebenden Weibe wurde sie ein Racheengel. Ergreifend wirkte die Abschiedsscene von ihren Kindern vor ihrer Hinrichtung. Dieser Bericht über die Aufführung des Stückes nach der „Zukunft" ist um so interessanter, als jüngst in England über Herodes eine Schrift erschienen, die seinen Charakter ganz anders beurteilt und ihn von der bis jetzt üblichen Auffassung zu befteien sucht. — Der 77 jährige Professor der Philosophie am College de France in Pari», Herr Adolf Krank, schreibt in ejinem Briefe an Herrn p. Klaremberg in Bukarest, der ihn aufforderte über sein Merk „Vergleichender Versuch über die Institutionen und Gesetze Rumäniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage" sich auszusprcchen, daß er mit dem! Teile, in welchem über die Juden gehandelt werde, nicht zufrieden sei. Zwei Satze aus-diesem Schreiben mögen hier Platz finden: Ich gehöre, mein Herr, und ich bin stolz darauf, jenem alten Geschlechte an, welches der Menschheit die Bibel, das Evangelium, die Apostel und sogar die Person Jesu Christi geschenkt hat. — Die Juden waren nur da moralisch und physisch schmutzig, wo man sie beschmutzt hat. — Die „Illustration" schreibt gelegentlich des Faktums, daß der Pfarrer der Notre- Dame-le-Lorrette inmitten der jüdischen Waisenkinder dem Sarge der Baronin Zamr» v. Kothsihild folgte: Dieser katholische Priester hat, indem er eine Israelitin zu Grabe geleitete, die bewundernswerteste, die beredteste Leichenrede gehalten, eine Leichenrede in Handlung. Jeder Schritt dieses Priesters hinter dem Sarge bezeichnet» ein gutes Werk derjenigen, die nicht mehr ist. Hier ist, wie ich glaube, auch eine Antwort auf das Buch Drumonts. — In Eouletta starb Herr Daro» Giacomo dkl Kastelauovo, ein hervorragender italienischer Jude, im Älter von 66 Jahren. Derselbe nahm eine hohe sociale Stellung ein, war Leibarzt des Königs von Italien und der königlichen Familie; auch vom Bey von Tunis wurde er consultirt. Der König richtete von Monza aus ein Condolenzschreiben an die Familie. Die Leiche wurde nach Pisa überführt, wo sie auf dem israelitischen Friedhofe beerdigt wurde. — In England greift der Antisemitismus in den niederen Kreisen weit um sich. Ein jüngst verbreitetes Pamphlet erblickt die Ursache des Niederganges der Industrie in England in der Einwanderung rusiischer Juden daselbst.—In Ärland macht sich zu den sonstigen Wirren auch eine Bewegung gegen die Juden bemerkbar. Ein Maueranschlag in Dublin forderte zur Vertreibung der Juden auf. — Das Holländische Kriegsministerium hat verstgt, daß wegen der jüdischen Feiertage die jüdischen Rekruten statt am 1. erst am 24. Oktober in den Dienst zu treten haben. — In Stink wurde am 15. September im Grabe eine jüdische Leiche der rechten Hand beraubt. Der Aberglaube, daß man durch Tode Lebende heilen könne, trägt die Schuld daran. — In Warschau leben nach der neuesten Volkszählung 146246 Juden. — Der Russische Philosoph Wladimir Kolonnen, bekämpft in einem Artikel über den Talmud die. Angriffe gegen denselben und spricht den Christen das Recht ab, über das Judentum zu Gericht zu fitzen. — Am 6. September, Nachmittags 3 Uhr, fand die Eröffnung des neuen Schuljahres im Hebrew Union College in Cimiuatti statt. 37 Studenten