Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1886)
- Date
- 1886-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Emde« statt. Herr Lehrer Israel sprach über „Zur Fm ge des synagogalen Gesanges". Hierauf referierte Herr Lehrer Kosenttzal über die Frage „WaS soll und was kann die jüdische Schule für Hebung des Gottesdienstes thun?" — Herr i,Bezirksrabbiner Dr. I. Mayer in Kweibrückm versandte zum. Zwecke der Verlesung in den Synagogen seines Bezirkes vor dem Versöhnungstage einen „Bunbricf" mit der Aufschrift „Etwas über häuslichen Gottesdienst". — Herr Oberäantor Moritz Kosrutzaupt in Mraberg feierte am 28. Oktober sein 25jähnges Jubiläum. Er ist gegenwärtig mft einem größeren Orchester-Werke beschäftigt und wird auch den zweiten Teil seiner Synagogengesänge „Schire-Ohel-Jakob" betitelt herausgeben. — Herr Professor Rudolf von Ätzering in Göttingen hat in Nr. 16 der „Gegenwart" in einem Artikel „über die Wahrheit" am Schlüße folgende Sätze niedergeschrieben: „Mit der Lüge läßt auch die mosaische Schöpfungsgeschichte den Adam beginnen und die Erzväter setzen das Lügen munter fort und fügen noch, das Betrügen hinzu. Abraham lügt, daß sein Weib seine Schwester sei (1. M. XII. 13. XX. 2), ebenso Isaak (XXVI. 7). Jacob Betrügt unter Anleitung der Mutter seinen Bruder um den Segen (XVII. 9. 14), wird dann von Laba» betrogen, der ihm die falsche Tochter unterschiebt, und dem er seinerseits wieder den Streich mit den Lämmern spielt. Der Verehrung der Juden vor ihren Stammvätern hat dies keinen Abbruch gethan, woraus sich ergiebt, daß sie dys Lügen und Betrügen mit gänzlich änderest Augen angesehen haben, als wir — ic. —" Es ist lächerlich für einen Gelehrteti, die Genesis mit solchen Augen zu lesen und daraus noch solche Schlußfolgerungen zu ziehen! — Ueber den Hofbankier Sohn brachte der „Pester Loyd" einen interessanten Artikel. Derselbe war ursprünglich Bankier des Herzogs von Dessau. Im Jahre 1848 streckte er dem damaligen Prinzen von Preußen 100000 Thaler vor. Er ist seitdem Hofbankier und Verwalter der Schatulle Sr. Majestät des Kaisers. Unter seiner Leitung gedieh die Kaiserliche Schatulle in ganz merkwürdiger Weise und schon häufig hat der Kaiser an Herrn Cohn sehr belobende Handbillets geschickt. Der Hofbankier nimmt für seine Mühewaltung kein Honorar> er dient dem Kaiser aus freien Stücken, aus patriotischer Begeisterung und aus ganz specifischer Hingebung an dessen Person und Familie. Wenn es sich um einen finanziellen Schritt handelt, hört man den Kaiser oft sagen „da muß ich Cohn fragen". Das Dienstlokal des Hofbankiers im ehemaligen i Palais des Prinzen FrieWtz, das der Kaiser gekauft, ist mit dem Königlichen Palaste verbunden. Herr E»hn sucht seinen Stolz darin, für sich und seine Famisie aus diesem Verhältnisse zum Hofe keinerlei Benefizien erzielen zu wollen. — Am 18. September waren es 30 Jahre, seitdem Herr Oberrabbiner Or. Samuel Spitzer im Tempel zu Esteg das erste Mal gepredigt. Dem verdienten Seelsorger wurden aus diesem Anlaste viele Ovationen dargebracht. — In Kagy-Szalonla wurde am 23. September durch Herrn Oberrabbiner vr. Kosenbrrg-Arad eine neuje Synagoge eingeweiht. — In Budapest starb Herr Simon Kohut im Alter von 103 Jahren. — Am 14. Oktober starb in Wie» der Direktor der österreichischen Creditanstalten, Herr Eduard Wiener Kitter von Welten, ein Schwiegersohn des sel. W. H. Goldfchmidt aus Zrankfurt a. M. Er war ein thättges Mitglied des Vorstandes der israelitischen Allianz in Wien. An seinem Grabe sprach Herr Rabbiner vr. 88demaau. — Am 18. Oktober wurde Herr Hermann Ltrrnbrrg in Wie», der über die Geschichte der Juden in Polen Studien veröffentlicht! hat, zur letzten Ruhe gelrstet. — Der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien hat den fünfundzwanzigsten Jahresbericht ausgegeben. In demselben 24*