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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-09-01 · Heft 9 (1.9.1886) · p. Seite 214

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 9 (1.9.1886)
Date
1886-09-01
Page
Seite 214 (sequence 22)
Language
German
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rww "OK? — 214 — warum ehrliche Bestrebungen, die eine Läuterung und Erhaltung des Judentums bezwecken, daselbst keinen Anklang finden: Man will den Mantel der Reform nach de», Winde hängen, um die innere Zersetzung mit dem Leichentuch einer äußeren Einheit zu verkleistern. Auf dem Felde des Geistes giebt es keine Compromisse. Erst geifert, erst gekämpft, erst die Flagge zum Siege geführt, dann der Friede. — In Alerandricn will ein französisches Blatt demnächst eine Artikel-Serie „L’Egypte juive“ bringen. Also auch im Lande der Pharaonen die Auferstehung des Antisemitismus. — In Constantinoprl soll ein Rabbiner- Seminar gegründet werden. Auch die dortige an 45,000 Seelen zählende jüdische Gemeinde geht einer neuen Organisation entgegen. — In Kichem (Nablus), wo der Tempel der Samaritaner steht, wird ein neues jüdisches Gotteshaus aufgebaut. W i 11 eil' ung e n. Aus Prag schreibt uns Herr Krnnr Marell: Unter dem Titel „Charakteristik des Talmud" eröffnete der Herr Regierungsrath Prof. 0r. Kaempf im soeben geschlossenen Sommer-Semester an der deutschen Universität zu Prag vor einer ansehnlichen Zahl von Hörern, unter denen sich auch viele Nicht-Israeliten befanden, eine Reihe höchst interessanter und lehrreicher Vorlesungen. Die gründliche und kritische Behandlung des reichhaltigen Stoffes sowie die rühmlich anerkannte Autorität des. Vortragenden haben bei einer so wichtigen Zeitfrage, die sich um den ivahren Wert und die Bedeutung des Talmud bewegt, nicht verfehlen können, so manche Vorurteile und irrige Ansichten der Gegenwart zu beseitigen, gewisse Bedenken zu heben und aufzuklären und der Unwissenheit, Lüge und Bosheit mit den siegreichen Waffen der Wahrheit erfolgreich entgegenzutreten. Da Herr Prof. I)r. Kaempf seinen Hörern die Versicherung gab, das überaus interessante Thema, dessen richtige und würdige Lösung besonders in der Gegenwart von großer Wichtigkeit ist, durch baldige Veröffentlichung eingehend auch einem weiteren Kreise des gebildeten Publikums zugänglich zu machen, so sei es mir vergönnt an dieser Stelle nur im Wesentlichsten auf den Inhalt des bedeutsamen Gegenstandes mit kurzen Worten hinzuweisen. Der Vortragende, dem es bekanntlich eigen ist, in beredter und überzeugender Weise bei seinen gelehrten Dissertationen ans Werk zu gehen, hat im steten Hinweis auf die Quellen und durch Citationen aus der Ursprache das systematisch geordnete Thema nach den verschiedensten Richtungen hin erörtert und beleuchtet. Zunächst hob er den Begriff des Monotheismus hervor, den der Talmud auf Grundlage der biblischen Autoritäten mit den daraus notwendig resultirenden praktischen Lehren in den Vordergrund stellt. Diese Conseguenzen sind vor allem ethischer Natur und weisen speciell auf jene Humanitäts-Borschriften hin, die der Mosaismus in Bezug auf die Nicht-Israeliten, sogar den Heiden gegenüber, seit den ältesten Zeiten beobachtet hatte. Ein! besonders wichtiges culturelles Moment des Talmud ist dessen warme Empfehlung der Arbeitsamkeit und der Anregung zur Agricultur, den Handwerken rc. rc. Einer der interessantesten Punkte der genannten Vorlesungen war die Darlegung der talmudischen Anschauungen bezüglich des Pharisäismus. Der Talmud teilt nämlich die Pharisäer in sieben Klassen ein, von denen er über fünf — und zwar in scharfer, geistreicher und ironischer Weise den Stab bricht. Nur zwei Klassen läßt er gelten: die sechste nämlich, welche der

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