Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969919-2969921--1560-2976164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
neue jüdische Hospital, für dessen Aufbau der Philantrop Herr Israel Vrodsky 150000 Rubel spendete, seiner Bestimmung übergeben. Das Prachtgebäude enthält Betten für 100 Kranke. Auch Nichtjuden können in diesem Institute Aufnahme finden. — Mehrere jüdische Lehrer in Uuljland erhielten vom Kaiser zum Zeichen der Anerkennung ihres Eifers im Berufe den Rang als Ehrenbürger, womit verschiedene wertvolle Privilegien verknüpft sind. Einem der Lehrer wurde sogar die erbliche Ehrepbürgerschaft zu Teil. Dagegen werden die Lehrerseminarien und Rabbinerschulen aufgehoben und die Gebäude in Kasernen umgewandelt und zu sonstigen staatlichen Zwecken verwendet. — Herr Baron uo» JOitte hat den Präses der heiligen Bruderschaft in (Oßtfln, Herrn Hecker, aufgefordert, ihm die Statuten zu überreichen zu dem Zwecke unter den Christen eine ähnliche Vereinigung in's Leben zu rufen, damit nicht wie bislang bei Begräbnissen durch aus kaufmännischen Motiven handelnde Gesellschaften Ausbeutungen der armen Leidtragenden stattfiiideii' sollen. — In?t. fletersbiirg wurde in allen Schulen jüdischer Religionsunterricht eingeführt. Der Direktor eines von 40 Juden.besuchten Gymnasiums widersetzt sich der neuen Maßregel, hoffentlich ohne Erfolg. — Ein Akt von religiösem Fanatismus seitens einiger Juden erregte in Warschau, wie man der „Mosk. Deutschen Ztg." berichtet, großes Aufsehen und hat bereits das Einschreiten der Behörde zur Folge gehabt. Ein katholischer Tischlergeselle unterhielt ein Liebesverhältnis mit einer jungen Jüdin. Da der Unterschied in der Religion das einzige Hindernis zu einer ehelichen Verbindung bildete, so entschloß sich das Mädchen, das Haus ihrer streng orthodoxen Eltern, die natürlich einen solchen Schritt nicht nur nicht billigten, sondern sich demselben mit aller Gewalt widersetzten, zu verlasse», uin in einem Kloster in den Lehren der katholischen Kirche unterwiesen zu werden. Nach einigen Monaten wurde sie mit großen Ceremonien in den Schooß der Kirche ausgenommen. Die junge Proselytin wollte nun nicht länger in den Mauern des Klosters bleiben und verließ dasselbe einige Tage nach der Taufe, nur, wie sie angab, nach dem Innern des Reiches zu verziehe». In der That aber war sie zu den Eltern zurückgekehrt, und zwar aus Verzweiflung darüber, daß der treulose Geliebte sie verlassen hatte. Um nun die Abtrünnige, die reumütig zur Religion ihrer Väter zurückkehren wollte, von dem Makel, den sie nach Ansicht der Ihrigen durch die Taufe auf sich geladen, zu befreien, mußte das arme Mädchen vor versammelter Judenschaft ihr Vergehen und ihre Reue eingestchen. Im Büßergewand stand sie da, mit einer Kerze in jeder Hand, und ließ sich geduldig von jedem- Anwesenden ins Gesicht speien. Die fanatischen Juden schrieen dabei allerlei Verwünschungsformeln, andere beteten laut und tanzten wie besessen auf und ab. Kurzum, es war ein Höllenspektakel, der schließlich die Aufmerksamkeit christlicher Nachbarn auf sich zog, die die Behörde benachrichtigten. Es wurde ein Protokoll ausgenommen nnd die größten Eiferer fürs Gesetz werden zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden. — Dem „Odesskij Listok" berichtet man aus Zcbaltopü von einer Zusammenrottung gegen die Juden, die zwar glücklicherweise rechtzeitig gedämpft wurde und sich daher nur ^>uf die Plünderung eines Kausiadens beschränkte. Den Anlaß dazu gab ein Dtreit zwischen Arbeitern. — Vom 13. Januar 1886 ab sollen strenge Maßregeln gegen die Juden in Rußland verfügt werden, von denen solche, die Doktortitcl, Offiziersrang oder amtliche Stellungen besitzen, ausgenommen werden sollen. — „Das^Nest der Frommen" so nennt sich eine neue Religionssekte in lluljland, deren Hauptsitz in Bender ist. Die Mitglieder derselben bringen solange in einem Grabe, das mit einem Holzdeckel geschlossen ist, zu, bis sie mit Gott