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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. Seite 284

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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284 mannigfachen Schicksalen im Jahre 1826 endlich der großen Oxforder Bibliothek einverleibt worden. Ueber ihre Geschichte schreiben Steinschneider in der Einleitung zum „Catal. Bodleyanus“, Seite 46 Fürst „Zur Geschichte der jüdischen Bibliographie" im dritten Teile der „Bibliotheca judaica“, Seite 45, und Grätz, Band 10, Seite 347." — In Wienrr-Ueuftadt fand am 18. September die Einweihung der neuerbauteu Synagoge statt. — I» Prag fand jüngst die Einweihung des neuerrichtetenBethauses der zcechisch-jüdischen Gemeinde „OrTamid“ statt. DerVicepräses Herr Dr. Max Reiner begrüßte mit einigen warmen Worten die Anwesenden. Die eigentliche Festrede wurde von dem Rabbiner und Prediger der Weinberge bei Prag, Herrn Dr. G. Weiner, in czechischer Sprache gehalten. — In Paris starb Herr Samuel Kofenthal, einer der hervorragendsten Meister des. Schachspiels im 19. Jahrhundert, der lange Zeit hindurch für den vornehmsten Repräsentanten Frankreichs, als dessen erster Theoretiker er angesehen wurde, galt, im Alter von 65 Jahren. Rosenthal ist am 7. September 1837 zu Suwalki in Polen geboren, studirte Jura, mußte aber infolge seiner Beteiligung an dem Aufstande 1864 aus Warschau, wo er als Sekretär im Ministerium des Innern thätig war, flüchten und bildete sich zu Paris in dem berühmten „Cafe de la Rogener" zum Schachpraktiker aus. Von seinen Turnierresultaten ist außer ersten Plätzen in kleineren Pariser Lokalturnieren sein 4. Preis in Wien 1873 erwähnenswert. Größere Erfolge als auf internationalen Turnieren hatte Rosenthal als Führer von Korrespondenzpartien sowie als Schachlehrer und Journalist. Er redigierte viele Jahre lang mehrere bedeutende Schachspalten, in welchen er auch seine analytischen Untersuchungen veröffentlichte. Als Schachlehrer war er besonders in aristokratischen Kreisen sehr geschätzt und erhielt auf Ersuchen der spanischen Kolonie zu Paris den Orden Karls HI. Erst vor wenigen Jahren hat er einen Honorarprozeß gegen einen seiner-vornehmen Schüler, bei dem es sich um einen bedeutenden Betrag handelte, gewonnen. Rosenthal war Ehrenmitglied der größten Schachklubs in Europa. —• In Paris fand auf dem Friedhofe von Montmartre am 19. Oktober das Leichenbegängnis des Schwiegervaters Alfred Dreyfus', des Herrn Hadamard statt. Die Söhne und die Schwiegersöhne des Verblichenen schritten a» der Spitze des Leichenzuges. Die Grabrede hielt Großrabbiuer Zadok-Kahn. Alfred Dreyfus nahm an der Trauerfeier teil, ebenso die vielen Freunde und Verwandten der trauernden Familien. Von literarischen Personen ivaren anwesend Octave Mirbeau, Bernhard Lazare und Alfred Bruneau. J-nhalt: Jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein. — Die Juden in Babf.onien 200—500. — Dr. Max Rordau über sich selbst. — Ein Brief Moritz Lewys an seine Eltern und Geschwister zum Neujahrsfeste. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I)r. Adolf Brüllt in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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