Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 Gelegentlich des 50jährigen Jubiläums des Depeschen-Bureaus Reuter wird der ^Kasseler Allg. Zt'g." geschrieben: „Für Kassel hat dieses Jubiläum insofern Interesse, als Reuter von hier stammt und seine Familie zu den altangesehenen israelitischen Familien Kassels gehört. Sein Vater hieß Samuel Josaphat, war Rabbiner in Witzenhausen und siedelte zum Beginn des vorigen Jahrhunderts nach Kassel über. Er hinterließ drei Söhne. Julius Reuter, mit seinem ursprünglichen Namen ' Israel Josaphat, als dritter Sohn des ehemaligen Witzenhauser Rabbiners, int Jahre 1816 in Kassel geboren, betrieb ein kaufmännisches Geschäft, ohne dabei seine Rechnung zu finden nnd ging, aller Existenzmittel bar, im Jahre 1851 nach London, wo der intelligente Mann durch die Errichtung des ersten telegraphischen Nachrichtendienstes seine finanzielle Position und seinen Weltruf begründete." — Ein interessanter historischer Fund, der einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Geschichte der Juden in Straßburg liefert, wurde jüngst gemacht. Man fand uämlich beim Umbau eines zum Komplex des Bürgerspitals gehörigen Gebäudes ein Bruchstück eines jüdischen Grabsteines, derart, daß nur noch die rechten Hälften der Zeilen zu lesen sind Der Generalsekretär der Zivilhospizien, Di-. Knittel, teilte diesen Fund gleich dem Dr. Gustav Levi, Präsident dH israelitischen Konsistoriums und Chefarzt im Bürgerspital, mit. der sofort veranlaßte, daß Herr I. Glaser eine Prüfung der Inschrift vornahm. Es gelang Letzterem nunmehr, folgenden Wortlaut zu konstatieren: „Gestorben. .. Beerdigt den 24.Jt I . . 85 . . . Seine Seele sei ausgenommen in ... des ewigen Lebens mit ..." Es ist also das Jahr (50)85 jüdischer Zeitrechnung ist 1325. Da der Grabstein ein Jahr später errichtet wurde, so hat er ein Alter von 575 Jahren. Im Jahre 1346 lag der Friedhof der Juden an derselben Stelle, wo jetzt das Statthalterpylais sich befindet (vergleiche Glaser, Geschichte der Juden in Straßburg, Seite 15, Anmerkung 1); folglich stammt der Stein vom damaligen jüdischen Friedhöfe und ist nach der traurigen Katastrophe des Jahres 1349 (vergleiche ebendaselbst Seite 16) gleich vielen anderen beim Bau städtischer Gebäude verwandt worden. Bekanntlich wurde auch im Jahre 1882 beim Niederreißen des Judenthores ein Grabstein gefunden mit der Jahreszahl (4)983 — 1223. (Vergleiche ebendaselbst Seite 8, Anmerkung 3). Dr. Knittel wird wahrscheinlich dieses Denkmal dem städtischen Museum übergeben. Auch in Kegensburg finden sich viele solcher Steine von dem im Jahre 1519 demolirten Friedhof, die in Häuser Kirchen u. s. w, eingemauert sind. So weit sie wieder zu Tage gefördert wurden, befinden sie sich im Museum. Inhalt: Die Forderungen des modernen Judentums — Dr. Theodor Herzl über sich selbst. — Ueber die Poesie der Psalmen. — Aus Schloß Cronberg. — Darwin — Zola — Ibsen — Nietzsche. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Komniission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aussarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.