Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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. - - .-> r- TJ:-»■ .’1 "f — 146 — aber wir können in der entsprechenden Ausgestaltung des bereits bestehenden Gottesdienstes am Sonntag kein Aufgeben des Sabbat erblicken. Wenigstens in einet der Gemeindesynagogen sollte versuchsweise dem Anträge von 5800 Gemeindemitgliedern entsprochen werden. Wir verlangen Toleranz auch für uns! Wenn eine gleich große Anzahl Gemeindemitglieder in einer Synagoge eine größere Berücksichtigung der deutschen Sprache bei den gottesdienstlichen Verrichtungen wünscht, so soll die Gemeindeverwaltung diesem Wunsche entgegenkommen. Es wird Niemanden verwehrt, sich ebenso wie bisher in größtem Umfange der hebräischen Sprache beim Gottesdienst zu bedienen. Die Synagogen hierzu' sind vorhanden und reichen aus; steigt das Bedürfnis, so können sie vermehrt werden. Deshalb aber muß auch der großen Anzahl von Gemeindemitgliedern, die zu ihrer Erbauung eine Erweiterung der deutschen Gebete verlangt, die Möglichkeit gegeben werden, in ihrer Muttersprache zu ihrem Gotte zu beten. Die gleiche Toleranz verlangen wir bei der Einrichtung ausreichenden Religionsunterrichts für die Heranwachsende Jugend. Dieser Unterricht muß in harmonischem Zusammenwirken von Schule und Haus unseren Kindern Liebe zum wahren Wesen des Judentums einpflanzen. Wir verlangen Toleranz für alle Gemeindemitglieder! Eine jede Richtung unserer Glaubensgenossen muß Platz haben unter dem großen, schützenden Dach der Gemeinde. Wie wir die nach rechts abgesplitterte Separatgemeinde mit der Hauptgemeinde gern vereinigen möchten, so wünschen wir auch, daß die Reformgemeinde sich nicht von uns abgliedere. Sie alle beten mit uns zu dem einen Gotte Israels. Sie alle gehören zu unserer Glaubensgemeinschaft. Wir verlangen Toleranz von unserer Gemeindeverwaltung und für unsere Gemeindeverwaltung, von unseren Beamten und für dieselben. Die Verwaltung soll allen Gemeindemitgliedern gerecht werden. Sie arbeitet am besten für die ganze Gemeinde, wenn sie über den Parteien steht. Alle unsere Beamten wollen wir gleichmäßig behandelt sehen, die oberen wie die unteren; diejenigen, die strenggläubig sind, und diejenigen, die freier denken. Nach Leistungen und Fähigkeiten sollen sie angestellt, nach Leistungen und Fähigkeiten, nicht aber nach ihrer Angehörigkeit zu einer Parteirichtung, sollen sie behandelt werden. Wir verlangen Toleranz von und für Jedermann. Wer gleichen Strebens ist, wer mit uns eine ruhige, gleichmäßige Fortentwickelung der jüdischen Gemeinde und ihrer Verwaltung wünscht, der schließe sich uns an und suche in festem Zusammenhalten mit uns das ersehnte Ziel zu