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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-04-01 · Heft 4 (1.4.1898) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 4 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
Seite 95 (sequence 23)
Language
German
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--rwryj,. > ' »<^«»»> — 95 - dem vorliegenden vierten Bande des Werkes ergiebt sich Löw's politisch-theologische Wirksamkeit. Nach Innen entwickelte der sel. Ober-Rabbiner eine zwischen den Gegensätzen der Parteien im liberalen Sinne vermittelnde nnd versöhnende Richtung Bei seinen Bestrebungen für religiöse Aufklärung ließ Löw von folgenden im historischen Judentum wurzelnden Prinzipien*) sich leiten: I. Ist die Gewohnheit und Lebensführung der Israeliten für die Beurteilung der religiösen Thathandlungen desselben maßgebend; da die Lehre nicht für Engel, sondern für Menschen gegeben ist II. Besser ist der Wahrheit zu irren, als sie vorsätzlich zu übertreten, und darf in dieser Richtung dem Feingefühle der Juden vertraut werden, die doch Abkömmlinge von Propheten sind, wenn sie auch selbst der Prophetengabe ermangeln. III. Man lege der Gesamtheit keine Verpflichtungen auf, welche dieselbe nicht ertragen kann. IV. Die Zeit ist ein mächtiger Faktor im religiösen Leben. Die Zeit gebietet oft äußerliche Formen und Normen zu beseitigen, um die Religion in ihrer innerlichen erlösenden Wahrheit zu retten und zu erhalten. Überdies ist's viel verdienstlicher, aus quellenmäßig entwickelten religiösen Gründen zu erlauben, als in zuweilen nicht ausreichend motivirter Weise zu verbieten. Wie nach Innen wirkte Loew nach Außen befreiend auf die ungarische Glaubensgemeinschaft, deren 800jährige Geschichte er in kurzem Umriß vorführt. Bis zur jüngsten Gegenwart durchzieht die Geschichte der Kampf um Gleichstellung der Glaubensgenossenschaft und der Confession. Hoch hielt Loew das Panier der Ehre Israels. Bor dem Forum der ungarischen Akademie der Wissenschaften erklärt Loew Trofort gegenüber, daß in Bezug auf Ehrenhaftigkeit, gottgefälligen und menschenwürdigen Wandel die Juden keiner Glaubensgemeinschaft nachstehen. Auch der um ihres Glaubens willen am Ende des 18ten Jahrhunderts in Ungarn, besonders aber in Preßburg verfolgten Sabbathäer nimmt Loew sich an; weil diese Sekte über den engen Kreis der Halacha hinaus in die Kabbala, als Inbegriff religiösphilosophischer, Sittenthat erzeugender, allgemeine Bildung voraussetzender Wissenschaft, den Blick der jüd. Glaubensgemeinschaft erweitert hatte. Doch wird dem Stifter dieser Sekte, Sabbathai Zewi die messianische Sendung mit Recht aberkannt. Der Stiftung einer Hochschule zur Ausbildung von Rabbinern redet Loew mit Begeisterung das Wort. Doch möchte der Stellung der Rabbiner der Gegenwart nicht das Priestertum, sondern das Prophetentum, nicht das Richtertum, sondern das Schriftstellertum vorbildlich sein. Die gesetzliche Ordination für's geistliche Amt ist seit der talmudischen Zeit erloschen, hingegen giebt die erprobte wissenschaftliche Befähigung für's Amt dem Amte Ansehen und Bedeutung. Das ') Bgl. S. 301 u. 362.

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