Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 288 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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geschehen ist — indeß nach betitelten Bulletins haben die unverwüstlichen Schurken sich längst erholt und lachen mich aus und sich ins Fäustchen — so hält' ich ihn besucht. Einer meiner Philister hat gesagt: Liszt spielt nicht zum Herzen! Dem Hab' ich mit der Bemerkung gebient: baß hier die Leute mir wie jener Bauer Vorkommen, der durch die Brille lesen lernen wollte. Für ihre 2 fl. soll ihnen der Künstler ein Herz in den Leib hineinspielen! Das Wort ist, wie ich höre, herumgewandert und hat in den vornehmen Zirkeln unter den Bewunderern Liszts Beifall und Zustimmung gefunden. Sed de hoc hactenus. — In Serlin starb am 21. Oktober der Bankier Herr Paul Kuczynski. Innige Freundschaft verband ihn schon in jungen Jahren mit Schriftstellern, mit Künstlern, die später zu Namen und Ansehen gelangten. In jenen Tagen, da erst eine sehr kleine Gemeinde von Kunstfreunden treu zu Richard Wagner stand, da trat Kuczynski eifrig für die neue Richtung in der Musik ein. Auf dem Gebiete der Musik war Kuczinski mit großem Erfolge schöpferisch thätig. Bon Hans Bülow zunächst ausgebildet, der mit lebhafter Sympathie an seinem Schüler hing, von Friedrich Kiel in die Kompositionslehre eingefürt, hat er eine Reihe von Tondichtungen geschaffen, die in den vornehmsten Konzertsälen sich lebhaften Beifall errangen. In der Singakademie hat seine „Ariadne", seine „Bergpredigt" das Interesse gefesselt. Bor einem Jahre noch als er selbst bereits schwer leidend aus der persönlichen Teilnahme am Geschäftsleben sich zurückgezogen hatte, ließ er in der Philharmonie eine ernste Tondichtung großen Stils: „Die Fahrt zum Lichte" aufführen, die ihm lebhaften Erfolg brachte. Künstlern, den jungen Musikern besonders, ist Kuczynski stets ein feinfühliger Förderer gewesen. Sein Haus war ein Tempel, dem Kultus der Tonkunst geweiht. In der Vollreife der Jahre ist Kuczynski abberufen worden; er war erst zweiundfünfzig Jahre alt. — Herrn Intendant Glaar in Frankfurt a. W. wurde der österreichisch-kaiserliche Orden der eisernen Krone dritter Klasse verliehen — Zurück zur Bühne geht der erste Kantor der Reuen Synagoge in Hreslau Herr S. Eerini-Steifmann. — Der seit einiger Zeit in Main; ansässige Maler-Radirer Gregor Schweitzer, ein junger aufstrebender Künstler, hat den alten baumbeschatteten israelitischen Friedhof in einer Radirung wiedergegeben. — Inhalt: Der Talmud und seine Verdammung. — Israels Zuversicht. Rede, gehalten von Rabbiner Dr. M. Grunwald in Hamburg. — Ein Brief des Paters Hyacinthe Loyson an den Großrabbiner von Rom. — Pfarrer und Rabbiner. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — Theater, Musik und bildende Kunst. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidensteiu), sämtlich in Frankfurt am Main.