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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-04-01 · Heft 4 (1.4.1896) · p. Seite 94

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 4 (1.4.1896)
Date
1896-04-01
Page
Seite 94 (sequence 22)
Language
German
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94 Gngenheimer. Derselbe wurde im Jahre 1833 zu Kriegshaber in Baiern geboren. Er studirte in Würzburg und beschäftigte sich in seiner Jugend viel mit reli.sions-philosophischen Studien, deren Ergebnis eine Arbeit über Abrahani ben David (Augsburg 1850) war. 21 Jahre alt kain Gngenheimer als Rabbiner nach Tcschen, vvn da nach Aussee, hierauf nach Stuhlweißenburg und von dort nach Kolin, woselbst er über ein Vierteljahrhundert wirkte. Er war der Schwiegersohn und Gesinnungsgenosse von Samson Raphael Hirsch. — Ans Budapest wird geschrieben: „Neumzet" veröffentlicht Briefe von Victor Hugo und Ernst Renan über den Ritualmord. Hugo schreibt: Es schmerzt mich tief, daß das ungarische Volk, welches ich so hoch schätze, sich so tief erniedrigt, daß es Verleumdimgcn Glauben schenkt. Die Verleumder begehen an der Menschlichkeit und der historischen Wahrheit eine unverzeihliche Sünde." Ernst Renan schreibt: „Von all den Verleumdungen, welche durch Haß und Fanatismus ausgrhcckt wurden, ist die Verleumdung, daß christlicher Kinder Blut das Material zu jüdischen Festen liefert, die größte Absurdität." Renan beweist dann, daß eben der jüdische Ritus absolut das Blutvergießen ansschließt, verweist darauf, daß die Christen doch auch mit derselben Anklage gepeinigt wurden und schließt mit den Worten: „Ein wahrer Christ wird diese Lehre immer bekämpfen." — In Gyvngyösmellek (Ungarn) starb vor Kurzem der Rabbiner Herr Josef Adler, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. An seiner Bahre hielt der Ortsgeistliche einen warmen Nachruf, und Glockengeläute ertönte, als er in das stille Grab gesenkt wurde. — Sechs Hörer der Landesrabbinerschule in Budapest wurden jüngst zu Rabbinern promovirt. Mit diesen beläuft sich die Zahl der stellenlosen Rabbiner auf 14, während nahezu 100 Rabbinate vakant sind. — Der in Aussicht genommene Landeskongreß der Orthodoxen wurde wieder aufgeschoben. — In einer Wiener antisemitischen Versammlinig sagte ein Redner, die Engländer seien „arische Juden." Herr Dr. Arnold Klein, Rabbiner in Zsolna, der unter dem Schriftsteller-Pseudonym Kiß Arnold bereits vorteilhaft bekannt ist. gedenkt in nächster Zeit seine Gedichte religiösen Inhalts herauszugeben. — Unter der 5 Millionen zählenden Einwohnerschaft Rumäniens können blos 443661 christliche Bewohner lesen und schreiben, tvährend es unter den 143225 Juden keinen einzigen erwachsenen Analphabeten gibt. Demnach würde dem antisemitischen Rumänien eine „Verjudung", wenigstens was Lesen und Schreiben anlangt, nicht schaden. — In Budapest hat sich unter dem Namen „Pester israelitische Status guo-Gemeinde" eine neue Cultusgemeinde gebildet. — „Der Libanon und seine Cedern" bildete den Gegenstand eines Vortrages, den Herr Prof. N. Antscherl in der Jahres Versammlung des Vereins „Esra" in Wie» hielt. Photographische Ansichten illustrierten die Ausfühungen, welche viel des Interessanten boten und die gespannte Aufmerksamkeit der Zuhörer bis zum Schlüsse fesselten. — Die Gemeinde Besztercze in Siebenbürgen hat

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