Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland fünf und fünfzig Vereine, die nahezu 6lM Mitglieder zählen. Man schreibt uns aus Würzburg: Im „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur, der seine Thätigkeit wieder aufnahm, hielt Herr Dr. M. Brannschwciger den ersten Vortrag über „die Juden in Deutschland während des ersten und zweiten Kreuzzuges, besonders in Würzburg" vor einem großen, gewählten Publikum von Damen und Herren. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall Ein Oberst a. D. (Christ) äußerte sich besonders rühmlichst über die Ausführung der Toleranz, die der Vortragende den Päpsten und der Geistlichkeit im Allgemeinen zollte. — Am 6. November starb in Berlin Herr Adolf Pincussoh«, der außer in der Stadt auch in der jüdischen Reformgemeinde und in vielen Humanitären Vereinen eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. — I» Hamburg starb Herr Dr. .für. Jsaac Wolfsohu. Herr Senator Dr. Hertz, der Chef des Justizwesens sagte von ihm in der Rede, die er an seiner Bahre gehalten: der Mann, den wir heute hinaustragen sollen, war einerber bedeut'ensten Geister, der verdientesten Bürger unserer Stadt, einer der Besten und Edelsten unseres Volkes und unserer Zeit. Ich wüßte keine Tugend, die ihm gefehlt hätte, keinen Fehler, der an ilun merkbar hervorgetreten wäre. Er war tüchtig und bescheiden, arbeitseifrig und uneigennützig, gefühlvoll und standhaft, sparsam und wohlthätig, bedürfnislos und freigebig, ein zärtlicher Gatte und Vater, ein treuer Freund, ein liebenswürdiger Gesellschafter. Wahrhaftigkeit und Wohlwollen bildeten den Grundzug seines Charakters, dessen wohlthuende Wärme Jeder empfand, der ihm nahe kam. Er gehörte zu den seltenen Menschen, die in einem thätigen Leben nicht nur im Handeln unsträflich, sondern rein in Gedanken bleiben, denen das Gemeine und Schlechte als ein Fremdes und Unverstandenes gegenübersteht. Welcher Religion hat er angehört? Ich weiß nur, daß er zu der Gemeinde derer gehörte, die sich hüten, daß sie in keine Sünde willigen und die den Nächsten lieben wie sich selbst; und daß jede Kirche, die auf diesem Gebote aufgebaut ist, ihn mit Freuden zu den Ihrigen rechnen würde. — In Breslau würde der Grabstein des sel. Herrn Dr. David Rosin errichtet.' Die Rede hielt Herr Candidat Dr. Meyer, anknüpfend an die Talmudstelle: deine Welt sahst du schon bei Lebzeiten, deine Hoffnung überdauert Zeiten und Geschlechter und deine Zukunft — die ewige Seligkeit. — Am 4. December hielt Herr Dr, Adolf Brüll im freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M. einen Vortrag über „Religiöse Zeitströmungen" in welchem er die Mischehe-Frage wissenschaftlich behandelte. — Im Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Mannheim sprach jüngst vor einem zahlreichen Publikum Herr Dr. med. Felsenfenthal über „Die Hygiene in der mosaischen Gesetzgebung". — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Köln hielt Herr Rabbiner Dr. Lazarus einen Vortrag über „Afrika und die Zehnstämmesagen" und in Berlin Herr Dr