Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Sackgasse nicht, der Freiheit Bahn War deine „alte Gasse", Ach, es umfängt der alte Wahn Die irrgelenkte Masse! Wer so wie Du gedacht, gestrebt, Zerstört — des Geistes Ghetto: Dn hättest Schön'res noch gewebt, Und hattest's wohl — in petto. Wein wird an langen Lebens Rand Rücklänfig das Jahrhundert, Dem scheint das ganze Leben Tand, — Auch Du hieltst ein, verwundert! Du preßtest bang die Hand aus's Herz, Mochtest nicht fürder streiten; Du sprachst: Die Zeit heilt allen Schmerz Doch thöricht sind die Zeiten! .... O laßt die Zeiten thöricht sein! Wir mögen es nicht glauben, Daß Menschen können, schwach und klein, Der Menschheit Größe rauben! Tritt auch die Wolke vor den Stern, Er bleibt, die Wolke schwindet, Weil ein Gesetz, was nah und fern In ew'ge Bahnen bindet! Die Wolke wird wohl Regen gar, Befruchtend junge Saaten; Der Stern tritt hell und sonnenklar Hoch über neue Thaten! Wir schreiten dennoch, dennoch fort, Und Licht muß, Licht muß kommen; Wir hüten still des Geistes Hort, Uns bleibt er unbenommen! Ein Volk, das Mendelssohn erzeugt, Den jungen und den alten, Und haben sie's auch oft gebeugt, — Sie werden's nicht zerspalten!