Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1893)
- Date
- 1893-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 um die Förderung der Interessen des Cantorenstandes erworben hat, wurden dem Jubilar aus nahen und ferinren Kreisen vielfache Ovationen dargebracht. — Von der Schrift: lieber den Einfluß der Psalmen auf die Entwicklung der christlichen Liturgie und Hymnologie mit steter Rücksichtnahme auf die talmudische Litteratur von W. Griinivald, Bezirksrabbiuer und Redacteur des jüdischen Centralblattes in Inngbnnzlau ist jüngst das Schlußheft erschienen. Das gesammte Werk ist durch die Buchhandlung I. Kauffmann in Frankfurt a. M. zu beziehen. — Am 11. März fand in Wien die koiistituirende Versammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Studenten" statt. Der neu zu gründende Verein soll ein geistiger Sammelpunkt der jüdischen Studentenschaft ohne Unterschied ihrer Parteistellung werden. — Man berichtet uns aus T"pw Szelle: Herr Rabbiner Lichtenstein hat die hiesige Stelle verlassen. Wie man sagt ist er zum Rector an das „Jnstitutum judaicum" in Leipzig berufen worden. — Am 5. März fand die Grundsteinlegung des polnischen Tempels in Wien statt. — Ein neuer Wuuderrabbi trat vor einiger Zeit in Fordauser bei Krakau auf. Der Mann will aus Egypten gekommen sein. Hunderte begehrten seinen Rat und glaubten ihm, daß er die Vergangenheit und Zukunft jedes Menschen kenne- — Herr Baron Albert Aotsthilb in Wien hat am Todestage seiner Gemahlin, Baronin Bettina, die Summe von fünfmalhunderttausend Gulden zur Gründung eines Spitals für Krebskranke gespendet. — Herr Dr. Haffbine, der berühmte Assistent des Doktor Pasteur in Paris, hat von der französischen und englischen Negierung den ehrenvollen Auftrag, erhalten, sich nach Calcutta zu begebe», um dort Versuche mit der von ihm entdeckten Lymphe gegen die Cholera anzustellen. Sein Aufenthalt in Indien wird ein Jahr dauern. — Am 5. März hielt Herr Dr. Victor Jacques, Secretär der Anthropologischen Gesellschaft in Brüssel, auf Einladung der „8oeiete fies Etudes juives“ in Paris einen Vortrag über „Type« juifs etudes d’anthropologic“ (Jüdische Typen, eine anthropologische Studie). Derselbe wird in den „Conferences" der Gesellschaft veröffentlich werden. — Unter Redaction von Herrn Isidore Singer erscheint in Paris zwei Mal in der Woche eine Zeitschrift „La vraie Parole“ zur Bekämpfung des Antisemit!^ mus. — Die Israelitische Allianz zählt 30,000 Mitglieder, von denen gegen 20000 in Paris leben. '/« der Mittel werden für Schulen gebraucht. — Herr Oberrabbiner Dr. Adler vereitelte jüngst die Anstellung eines talentvollen Rabbiners, weil derselbe sich in einer seiner Predigten gegen die Wiedereinführung der blutigen Tieropfer in Jerusalem aussprach. In dem letzten Heft der „Jewish Quarterly Review“ wird dem Herrn Oberrabbiner gehörig heimgeleuchtet. Der Artikel ist von dem freisinnigen und begabten Sohne des Nestors der jüdischen Advokaten, von O. Simon, geschrieben und hat den Titel: „Autorität und Dogma". — Vor einiger Zeit hielt Sir Julian Goldsmidt in London einen Vortrag in der Berkelystreet-Synagoge, in welchen! er unter viele» anderen Reformvorschlägen auch den machte, daß beim Gottesdienste die Kopfbedeckung entfernt werden möge, weil die Aufbehaltung derselben eine orientalische Sitte sei und den Sitten und Gebräuchen der Occidentalen nicht entspreche. — Herr F. H. Ehase, Licentiat der Theologie in London, führt in einer jüngst erschienenen Schrift unter dem Titel - „Das Gebet des Herrn" aus, daß die älteste christliche Kirche nach dem System der Synagoge organisiert war. „Die Brüder", welche Jesus als ihren Messias annahmen, hatten eigene Synagogen, wie die andern Sekten, in welchen sie aber den allgeineinen Tempelgottesdienst verrichteten. Die vielen Synagogen in Jerusalem waren entweder jüdische (mit hebräischer Gebetsprache) oder griechische