Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1893)
- Date
- 1893-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Dr. Moritz Grümvald wurde am 29. März 1853 als Sohn des Religionslehrers Jacob Grünwald im mährischen Städchen Ung-Ostrau geboren. Er entstammt der Familie des berühmten Rabbi Meir den Jizchak. Seine erste Erziehung und den ersten Unterricht genoß er von seinem gelehrten Vater, dem er den größten Teil seines Wissens „das Streben nach Wahrheit und echte M e n s ch e n l i e b e" verdankt. Die Gymnasialstudien absolvierte er in Wien und bezog dann die Hochschulen Wien und Leipzig, an 'welche letzterem Institute er als Schüler zu Füßen des Prof Franz Delitzsch saß An der Pariser Universität hörte er Assyriologie und hielt 1876 selbst Vorträge aus diesem Gebiete im Wiener Beth-Ha-Midrasch. Im Jahre 1877 lehrte er französische Sprache an der k. k. Staats-Oberrealschnle iit Bndweis. Doch gab er nach einem Jahre schon das Lehramt daselbst auf und besuchte von dieser Zeit an bis zum Jahre 1881 das Breslauer Rabbiner-Seminar, um seine theologischen Studien zu beenden. Im letztgenannten Jahre trat er das Amt eines Comitatsrabbiners in der kroatischen Stadt Belovar au. Dr. M. Grümvald war der erste Rabbiner dieser Gemeinde, welche ihn auch ungern scheiden sah, als er 1883 als Bezirksrabbiner nach der böhmischen Kreisstadt Pisek berufen wurde. Im Jahre 1886 wurde der schon durch seine litterarischen Arbeiten bekannte Rabbiner der Piseker Gemeinde zum Bezirksrabbiner der altehrwürdigeu Cultusgemeinde Jnngbunzlan erwählt, „die das seltene Glück hat anerkannte Persönlichkeiten, die in der jüdischen Litteratur einen Namen haben als Rabbiner zu besitzen." Dieses Glück hat nun durch die Wahl des Herrn Dr. Gcünwald gewiß seinen Höhepunkt ereicht! — Es kann hier nicht eine Thatsache übergangen werden, die dem bescheidenen Manne zur Ehre gereicht. Im Jahre 1884 erhielt nämlich Dr. Grünwald einen Ruf als Direktor des Aria College in Pvrt-Sea (England) und 18^6 einen solchen als Professor des Hebräischen und Syrischen an das Rabbiner Seminar in Rom. Doch beide Stellungen schlug er aus. Er schreibt selbst in seinem Werke: Jungbunzlauer Rabbiner „Meines Lebens Ziel ist eine urkundliche Geschichte der Juden in Böhmen zu schreiben, um den Bewohnern des Landes, in welchem ich lebe und wirke, zu zeigen, daß deren Vorfahren Religiosität und wahren Fortschritt, Menschlichkeit uno praktischen Sinn zum eigenen Heile und zu dem der Nachkommen stets verbanden und glücklich und beglückend lebten." Dr. M. Grünwald's schriftstellerischer Thätigkeit verdankt die jüdische Litteratur u. A. folgende wertvolle Schriften: 1. lieber den jüdisch-deutschen Jargon 1878 II. Aufl. 1888. 2. S. D. Luzzattv's Autobiographie, ans dem Jtal. übersetzt und mit Anmerkungen versehen. 1882. 3. Zur Geschichte der jüd. Cnltnsgemeinde Dyhernfnrth a. O. 1882. 4. Eatalog der hebr. Handschriften der kgl. Bibliothek in Modena. Uebers. ans d. Jtal. 1883. 5. Zur romanischen Dialektologie Heft I. und II. 1883. Diese wertvolle Arbeit fand Anerkennllng seitens zweier berühulter Fachmänner, der Universitäts-Professoren Dr. H. Schuchardt-Graz und Dr. Eduard Böhmer-Wien. 6. Ueber den Einfluß der Bibel auf die Bildung von Redensarten in den europ. Sprachen 1883. 7. Zur Geschichte der jüd. Gemeinden Pisek und Mirotitz 1884. 8. Jungbnnzlauer Rabbiner 1888. 9. Geschichte der Juden in Böhmen I. 1885.