Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1889)
- Date
- 1889-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Horch! wie an Altares Stufen, Laut erklingt des Schofars Ton; Laß vom Zeitgeist laut ausrufen „Friede sei des Glaubens Lohn!" Unser'n Kindern laß vererben Uns Dein segenbringend Wort — Selig leben — selig sterben — Selig werden hier und dort! Die Juchsfaöeln des Werachja Kannakdan. Übersetzt von vr. Julius Landsberger, Landrabbiner in Darmstadt. Vorwort des Verfassers. Wir loben — unfern Herrn droben, — der uns zum Sprechen den Mund gemacht, — die Hand zu schreiben, was wir gedacht, — das Äug' zu sehen das aufwärts Steigende — wie das sich abwärts Neigende — und zu hören das Ohr, — was Weisheit trägt vor. — So spricht Natronajs Sohn, Brachjah genannt — als Punktator bekannt, — der diese Fabeln wie Blumen entfaltete, — schöpferisch gestaltete: — Wie könnte ich sehn, — daß sie untergehn? — Wenn ich sie nicht zur Erinnerung schriebe, — was wärs, das mir bliebe — von meiner Mühewaltung, — meiner Gleichnisse Gestaltung? — Ich wills auch nicht meiden, — zu gelten für unbescheiden, — weil ich mich fähig geglaubt, — als Schriftsteller zu erheben das Haupt, — nähme man nur an vielen Orten — Abschrift von meinen Worten. — Doch die Veranlassung — zu dieser Fabeln-Abfassung — ist das Schicksalsrad, das sich dreht — wie es der Vernünftigste nicht versteht, — diese durch den Tod bezwingend, — jenen Leben bringend,— auf Inseln und festem Land — zerreißend manch' schönes Band. — Es zermalt ganz und gar — der Frommen Schaar. — Ziehend seine Kreise — nach eignen Ratschlusses Weise, — erdrückts die Gerechten, — beglückts die Schlechten. — Sieht es die Wahrheit treulich schalten, — mit ihren Händen redlich walte», — schlägt es sie nieder, — verwundet ihr Kopf und Glieder, — löst das Fleisch ihr ab, — reift den Leib fürs Grab — entreißt die Krone ihrer Stirn — als wär' sie eine feile Dirn' — und sie wandelt schmachbeladen, — auf einsamen Pfaden. — Doch der Lüge zeigt sich's hold, — reicht ihr gnädig das Scepter von Gold, — bringt ihr Ehrenbezeigung — als Zeichen der Neigung, — verleiht ihr Schutz und bunten Putz, — läßt um sie die Freunde sich sammeln — und ihren Feinden den Weg verrammeln. — So steigen Verräther — gedeihen Missethäter, — welche vertilgen der Armen viel — mit Stumpf und Stiel. — Wer sich an sie nicht schmiegt, — der wird bekriegt, — fühlt die scharfe Schneide — gezogen aus ihrer Lippenscheide. — Sie schießen ohne Weilen — auf ihn mit Zungenpfeilen, — um ihn gleich zu machen — dem Kote in den Lachen. — Es gibt nur wen'ge wackre Gesellen, — die sich dem Treiben entgegenstellen, — weil nur den Frevlern wird Hilfe gebracht, — und man die Verständigen verlacht, — weil man die Gerechten zuni Aechzen zwingt — und den Bitterbösen Süßes bringt, — weil man erhebt die Niederträchtigen — und