Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1889)
- Date
- 1889-06-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 142 — alle anderen Bibliotheken weit überholt hat. — Fräulein Amelia K. Edwards, Vicepräsidentin und Ehrenschriftführerin des „Egypt Exploration Fond", hielt jüngst in Liverpool einen Vortrag über „Untergegangene Städte im alten Egypten". Indem sie von den Diensten sprach, welche der „Fond" dadurch leistete, daher die Ueberbleibsel, welche die Authenticität der biblischen Berichte beweisen, ans Licht ziehe, berichtete sie über den Untergang einer der im Exodus erwähnten Vorrathsstädte, welche die Kinder Jsraelserbaut hatten. Die Vorrathshüuser in denselben wurden aus drei verschieden Arten von Ziegelsteinen gebaut, von denen die geringste Sorte nur aus Lehm ohne irgend welche Beimischung einen sesten Zusanimenhang zu erzielen, bestand. Dies müssen nun die Ziegel gewesen sein, welche die hebräischen Sklaven machten und worüber sie klagten, daß man sie zwinge, Ziegel ohne Stroh herzustellen. — Herr Dr. Neubauer wurde zum Lector der rabbinischen Litteratur an der Grfordcr Universität auf weitere füns Jahre gewählt. — In einem Vortrage im Britischen Museum über die Nationalität der Hittiteu wies Herr W. Eylor ganz besonders auf die interessanten Beziehungen dieses Volkes zu der biblischen Geschichte hin. Die hittitischen Denkmäler werden wahrscheinlich sehr wichtigen Aufschluß geben über die vorisraelitische Religion, sowie über die Bewohner Kanaans vor der jüdischen Eroberung überhaupt. Die Hittiteil und Ainoriten erscheinen im alten Testamente imnier in engem Zusammenhänge, und obwohl sehr wenig über die letzteren bekannt ist, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie zusammen mit den Hittiten eine viel größere Verbreitung hatten, als gewöhnlich angenommen wird. — Zur Illustration der Bibelerzählung dient auch die Zeugenschaft der Denkmäler, besonders der Karchemischen, bezüglich der Anbetung der Ascherah. Unter dieser Bezeichnung, welche im alte» Testamente als „Hain" übersetzt wird, ist von Gelehrten seit langer Zeit eine Säule verstanden worden, und auf den Denkmälern sieht man eine senkrechte Säule in Verbindung mit dem Halbmonde. Dieser Umstand erinnert an den engen Zusammenhang im alten Testament zwischen Ascherah und Aschtoreth, der Mondgöttin. Eine solche Göttin ist auch die Göttin des großen Tempels in Hierapolis, in der Nähe von Karchemisch, und davor standen einst zwei Ascherahs von ungeheurer Höhe. — Ein Mitarbeiter der Londoner Ausgabe des „Newyork Herald" hat ein hervorragendes Mitglied der jüdischen Gemeinde in London ausgesucht und von demselben einige interessante Notizen über die Inden in London erhalten. Darnach beträgt die Gesamtzahl derselben in London und Umgebung 50,000, von denen 30,000 in Whitechapel, 10,000 in anderen Teilen des Ostendes und 10,000 im nördlichen und westlichen London leben. Unter den letzteren befinden sich die reichsten Juden Londons, viele mit 100,000 Lstrl- und mehr Vermögen. Die reichsten Juden der Welt aber, meinte der Gewährsmann des Blattes, seien die französischen Juden. Außerhalb Londons leben in England 20,000 Juden. Eine große Veränderung sei 'seit 50 Jahren eingetreten, insofern die reichen Juden aus dem Osten nach dem Westen und Norden der Stadt verzogen sind und so einen Teil ihres persönlichen Einflusses ans ihre Stammesgenossen im Ostende verloren haben. Infolge dessen haben Letztere das Bedürfnis empfunden, eine eigene Föderation zu bilden. Die Kinder der mittleren und höheren Klassen besuchen die allgemeinen Schulen, Viele gehen auf die Universitäten. In den wohlhabenden Fainilien werde der Unterricht im Hebräischen zu oft vernachlässigt. Es giebt in London im Ganzen 40 Synagogen, nämlich : 11 vereinigte Synagogen, 2 spanische und portugiesische Kongregationen, 1 Reform-Synagoge britischer Juden, 4 unabhängige orthodoxe