Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-06-01 · Heft 6 (1.6.1889) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 6 (1.6.1889)
Date
1889-06-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969775--2603-2972792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

134 Geläutert wirst du selig stehen Dann an der Allmacht ew'gen Thron! Sie wird für dich um Segen flehen, Und deiner Tugend wird ihr Lohn! Monatsfchau. Am 24. April starb zu Gffenbach a. M. Herr Dr. Salomon Formstecher. Er wurde am 27. Juli 1808 in Offenbach geboren, woselbst er seit detn 1. Okt. 1832 als Rabbiner segensreich gewirkt hat. Er gehörte zu den Männern, welche von dem Geiste Mendelssohns und seiner Schüler angeweht, an der Verjüngung und Neubelebung des Judentums eifrig und erfolgreich gearbeitet haben. Die Frische seiner Ueberzeugung wurde durch sein Alter nicht gebrochen und sein lichtes Geistesauge nicht getrübt. Er war ein Kämpfer für Licht und Wahrheit und in der Ruhmeshalle der Edlen dieses Jahrhunderts wird sein Bild in unverwelklichem Glanze fortstrahlen. Schon im Jahre 1833 erschienen von ihm: Zwölf Predigten gehalten in der israelitischen Synagoge zu Offenbach, in welchen er» was für damals viel sagen will, sich als ein Mann zeigt, welcher sich seiner Aufgabe als Rabbiner, der im Geiste einer neuen Zeit wirkte, voll und ganz bewußt war und das Judentum und dessen lichtvollen Gehalt im Geiste der Propheten verkündete. Nebst diesen Reden, die vielfach anregend wirkten, erschienen in späteren Jahren auch in Steins Volkslehrer und sonst noch viele andere gehaltvolle Predigten von ihm. Zur Hebung einer geläuterten Andacht und des religiösen Sinnes sind von ihm ein Israelitisches Andachtsbüchlein (Offenbach 1836) und eine Mosaische Religionslehre (Gießen 1860) erschienen, nachdem er schon im Jahre 1841 ein ausgezeichnetes, viel zu wenig gewürdigtes Werk: „Die Religion des Geistes", eine wissenschaftliche Darlegung des Judentums nach seinem Charakter, Entwickelungsgauge und Berufe in der Menschheit (Frankfurt a. M. 1841) vorausgeschickt hatte, eine Frucht tiefen Forschens auf dem Gebiete der Theologie und Philosophie. Im Jahre 1850 redigirte er in Gemeinschaft mit Leopold Stein den „Freitagabend" und 1861 mit Klein „Die israelitische Wochenschrift". Am 28. April wurde der Heimgegangene auf seinen Wunsch in Stille bestattet. Am Grabe sprachen Herr Cantor Vogel und Herr Ernst Kosenberg aus Frankfurt a. M.; letzterer gab im Aufträge der Loge zum „Adler" dem scheidenden Bruder die drei Rosen zum Zeichen der Verehrung, der Dankbarkeit und des Lobes in das Grab mit. — Der Redakteur der Zeitung „Luxemburger Wort", Herr Wetter, welcher den Talmud verlästert hatte, wurde am 2. April wegenBeschimpfung der jüdischen Religion zu 400 Mark Geldstrafe und zür Tragung sämmtlicher Kosten verurteilt. Die Anklageschrift des Staatsanwalts in Luxemburg, gehalten in der Sitzung des Zuchtpolizeigerichtes am 12. März 1889, verdient die weiteste Verbreitung. — In Leipzig wurde am 1. April der Versuch gemacht, antisemitische Flugblätter in die Eisenbahnwagen einzulegen. — Herr Hofprediger Stoecker wurde veranlaßt sich vom Schauplatze seiner politischen Thätigkeit zurückzuziehen. Früher bezeichnete man sein Wirken als das „Wachrufen des christlichen Geistes in den Massen". — Im Jahre 1892 werden hundert Jahre verflossen sein, seitdem in Derlin der Verein „Gesellschaft der Freunde" ins Leben gerufen wurde. Der Verein besitzt ein Vermögen von J 'iw. yrmmmmmmmm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.