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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-04-01 · Heft 4 (1.4.1889) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 4 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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So groß und anerkannt auch die mannigfachen und verschiedenartigen Tugenden waren, die Kaiser Wilhelm I. in sich vereinigte und wodurch ihm in der Ruhmeshalle der Geschichte neben den größten und edelsten Fürsten ein Ehrenplatz zuerkannt wird, sie werden alle überstrahlt durch die Krone der Gottesfurcht, die ihn zierte, die nicht dem Staube verfällt und mit unverlöschlichem Glanze durch die Zeiten leuchtet. Aus jener Gottesfurcht stammen alle die Tugenden, die wir an Kaiser Wilhelm preisen und bewundern, und so gilt unsere Liebe und Verehrung nicht nur dem ruhmgekrönten Helden in der Geschichte, sondern in noch höherem Maaße dem edlen Menschen, der unentwegt in seinem reichbewegten Leben im Vertrauen auf Gott ausharrte in der Erfüllung seiner Pflicht in trüben wie in glücklichen Tagen. An ihm hat sich das Wort der Schrift bewährt: Gut ist es für den 'Menschen, wenn er das Joch der Pflichten und Leiden schon in frühen Tagen trägt. Bitterere Thränen, meine lieben Schüler und Schülerinnen, hat selten ein Kind geweint wie er, schwerere Stürme haben selten einen Mann erschüttert wie ihn und härtere Lasten haben selten ein greises Haupt mehr gedrückt denn seines. Mit Kummer im Herzen sah er in seiner Kindheit schon unheilvolle Tage über sein Land hereinstürmen, deren Jammer seiner edlen Mutter das Herz gebrochen, und so zeigt sich an der Schwelle der Jugendzeit bei ihm schon ein Ernst der Lebensauffassung, wie ihn nur Leiden und Ungemach zeitigen können. Er schreibt: „Mein Fürstenstand soll mich nicht verhindern, demütig zu sein vor meinem Gotte. Bei allem Guten, das mir zu Teil wird, will ich dankbar auf Gott blicken und bei allen Uebeln, die mich treffen, will ich mich Gott unterwerfen. — Auf Gott will ich unerschütterlich vertrauen, ihm Alles anheimstellen, und mir im Glauben an seine Vorsehung immer einen getrosten Mut zu erhalten suchen." Unter Gottes Hand hat er sich stets gebeugt und an derselben sich immer von Neuem wieder aufgerichtet. Die Stürme des Lebens haben ihn wetterfest gemacht, und als es ihm beschieden wurde, der Führer seines Volkes zu werden, das unter seiner Leitung berufen war, große geschichtliche Thaten zu vollführen, als Deutschland durch seine Kriege und Siege aus der Enge in die Weite geführt, aus der Tiefe zur lichten Höhe emporgetragen wurde, ha ward sein Herz nicht hoffärtig und übermütig, denn er führte das Schwert nur, um den Frieden zu festigen. „Mein Sieg und mein Sang ist der Herr, er ward meine Hilfe" das war sein Losungswort geworden. Auf den rauschenden Höhen des Glückes, wenn feindliche Völker und Fürsten besiegt zu seinen Füßen lagen, da gab er, von Gottesfurcht erfüllt, in seiner Person ein Beispiel der Mäßigung, der Versöhnlichkeit und der Friedensliebe und derselbe Heldenkaiser, der seinem Volke mutig voranschritt, um mit den Waffen das Vaterland zu verteidigen und zu schützen, trug auch den OelzweiZ des Friedens voran und ließ sich nicht zu blutigen Eroberungskriegen hinreißen, da er nur im Frieden und in der Beglückung seines Volkes sein Glück suchte und fand, und so hat er aus der Thränensaat des Krieges unter Jubel die Lichtgarben des Friedens heimgetragen, hat uns Allen vorangeleuchtet mit seinem hohen und gottesfürchtigen Sinne und so durch Kampf uttb Entsagung, durch Demut und Bescheidenheit nicht minder wie durch Kraft und Hoheit sein Volk groß und einig gemacht. Und wie hat ihn Gottesfurcht hinausgetragen über die Leiden des Lebens, als in seinem Greisenalter Weheruf über Weheruf ertönte ob der tückischen Krankheit, von der sein geliebter, einziger, großer Sohn, unser unvergeßlicher Kaiser Friedrich III., heimgesucht wurde. Wer zählt die Seufzer die

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