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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-10-01 · Heft 10 (1.10.1888) · p. Seite 236

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (1.10.1888)
Date
1888-10-01
Page
Seite 236 (sequence 20)
Language
German
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236 solche Demonstration, daß die bereits begonnene Rede unterbrochen werden mußte. Der akademische Senat ordnete eine strenge Untersuchung an. — In einer Sitzung des städtischen Gemeinderates in Wien, welche am 3. Juli unter Vorsitz des Herrn vr. Prir stattfand, stellten einige Herren den Antrag, daß bei Vergebung städtischer Arbeiten, bei Anstellung'öffentlicher Beamten, Lehrer u. s. w. die Juden ausgeschlossen werden sollten. Ueber diesen die Versammlung schändenden Antrag ging man niit großer Majorität zur Tagesordnung über. — In dem unter dem Protektorate des Erzbischofs stehenden Armenverein Prags wurde der Antrag eingebracht, Juden und Altkatholiken seien von der Lieferung von Viktualien für Vereinszwecke auszuschließeu Der Antrag wurde aber verworfen unter Hinweis darauf, daß der verstorbene Erzbischof Schwarzenberg die Nächstenliebe gegenüber allen Konfessionen gepredigt und selbst dem israelitischen Nächstenliebe-Verein als Mitglied angehört habe, und daß Juden sich stets an Wohlthätigkeitsakten hervorragend beteiligen. — In Prag wurden am 5. August antisemitische Plakate konfisziert. An demselben Tage fanden in Klutlau sehr bedenkliche Judenexzesse statt. Ursache war, daß ein Heiligenbild beschmutzt aufgefunden wurde. — Man schreibt uns aus Galizien: In Czernowih wurde im Rate der Stadt wegen Anlegung von Sabbatdrähten verhandelt. Es kam zu einem Vertrage mit der Telephon-Gesellschaft, die Stadt mit Drähten zu umziehen, wofür die jüdische Gemeinde 500 fl. ö. W. sogleich und 160 fl. jährlich zu erlegen hat. — Auch der Rabbiner von Krakau hat eine Sabbatdrahtleitung unter Zuhilfenahme der Telegraphenstangen zu Stande gebracht. — Herr P. H. Wettstein berichtet im „Hamagid" (Nr. 20), daß in Podgor;e auf Anordnung des Rabbi von Ridnik ein Fisch auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt werden mußte, weil derselbe, als man ihn für den Sabbat zurecht machen wollte, nach der Angabe der Hausfrau „Ach wei mir" geschrien haben soll. So geschehen zu Podgorze am 27. April 1888. Wir sehen, das galizische Judentum treibt schöne Blüten. — In Ueusandec ist ein großer Talmudist, genannt Lebrsch Herzog, unter die Missionäre gegangen. Er bereist gegenwärtig Galizien. — Die sächsische lutherische Judenmission hat in Czernomih eine Missionsstation errichtet. Der cand. theol. Stephan Posiert soll im September als Missionär dort zu wirken beginnen. — Herr Leon Schloßberg in Paris hat eine Uebersetzung eines Manuskriptes aus der Nationalbibliothek herausgegeben. Dasselbe enthält einen äußerst interessanten Brief eines Bischofs an einen Kollegen, in welchem er triftige und zahlreiche Gründe aufweist, die es ihm unmöglich machten, an die Echtheit Jesu zu glauben. Der Bischof soll später zum Judentum übergetreten sein. — In Persaisies wurde in der Synagoge eine Orgel durch Herrn Rabbiner Levy aus Paris eingeweiht. — Der französische Präfekt Herr Cohn, Sohn des unvergeßlichen Albert Cohn in Paris, wurde zum Direktor im Ministerium des Inneren ernannt. — Den großen Preis für Musik in Paris erhielten die beiden Herren Erlanger und Pulras, welche sehr achtbaren israelitischen Familien entstammen. — Der bekannte Feuilletonist des Pariser Figaro, Herr Albert Mols, deutsch-jüdischer Abkunft aus Köln gebürtig, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Bei der nächstjährigen Pariser Ausstellung soll in der Rubrik „Geschichte der menschlichen Wohnungen" die ursprüngliche Zivilisation der alten Hebräer eine besondere Berücksichtigung erfahren. — In Paris starb der bekannte Musiker, Herr Äsalr Strauß, im achtunddreißigsten Lebensjahre. — In der jüdischen Gemeinde in Pari» wird eine neue humanitäre Anstalt, ein Rettungshaus für Knaben in's Leben gerufen. Es sind bereits 400000 Francs zu diesem Zwecke gezeichnet. — Der Rechenschafts-

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