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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-07-01 · Heft 7 (1.7.1888) · p. Seite 163

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (1.7.1888)
Date
1888-07-01
Page
Seite 163 (sequence 19)
Language
German
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163 starb in Güttingen Herr Prof. Dr. Ernst Berte»», einer der hervorragendsten Orientalisten und alttestamentlichen Exegeten. Er schrieb auch eine „Geschichte der Israeliten" und ein Buch über „die sieben Gruppen mosaischer Gesetze". — Das israelitische Konsistorium des Obrr-Clfast hat durch Zirkulär allen Rabbinen und Vorbetern aufgegeben, fortan in ihren Schriftstücken sich allein der deutschen Sprache zu bedienen. — Nach dem vierzehnten Jahresberichte der israelitischen Waisenanstalt in Tranlrfurt a. AI. genossen in diesem Institute im abgelaufenen Jahre zweiunddreißig Knaben und siebenzehn Mädchen Erziehung. Für die Abteilung der Knaben gingen 20 573 Mark und für die der Mädchen 13212 Mark ein. — Das israelische Asyl in Hegenhcim hat 1886/87 13188 Frs. ausgegeben. Der Vermögensstand, Baulichkeiten nicht inbegriffen, beträgt 138832 Fr. — Es ist zugegangen „Statut der Rießer-Stiftung zu Frankfurt a. M. 1888". Diese zum Andenken an den am 22. April 1863 zu Hamburg verstorbenen Dr. Gabriel Biester gegründete Stiftung hat den Zweck israelitische Studierende durch Bewilligung von Stipendien zu fördern und kann dieselbe auch tüchtigen Männern israelitischen Glaubens, welche ihre Studien bereits vollendet haben Unterstützungen gewähren. Die neuen Statuten tragen das Datum 8. März 1888. — Der Deutsche Antisemiten-Dund hielt am 7. Mai in Berlin eine Versammlung ab. Herr Dr. Paul Förster sprach über „die Aussichten des Antisemitismus". Die „jüdische Klugheit" sagte er sei nichts anderes als Erspähung und Ausnutzung der Schwächen Anderer, die jüdische Klugheit basiere einfach und einzig und allein auf einer niedrigen moralischen Anlage. Als ob man dasselbe nicht auch von der christlichen, mohamedanischen und heidnischen Klugheit behaupten könnte. Es sprach auch an diesem Abend Herr Liebermann voll Zonnenberg, der jüngst in Stettin wegen Beleidigung des Reichsbank- Direktoriuuls mit 150 Mark bestraft wurde. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte jüngst eine Kundgebung zum Abdruck nach welcher derjenige, der die Zeichen der Zeit beobachtet, sich nicht darüber täuschen könne, daß wir unmittelbar vor der Notwendigkeit einer erneuerten scharfen Prüfung der Judenfrage stehen. Der Brennpunkt aller Uebelstände läge in der geradezu erschreckenden Verschiebung der Besitzverhältuisse, die sich seit einem halben Jahrhundert zu Gunsten des meist jüdischen Großkapitals vollzogen und eine Kumulierung des Kapitalbesitzes an einzelnen Stellen herbeigeführt habe, die allen gesunden wirtschaftlichen Grundsätzen spottet. Man sucht jetzt, nachdem der konfessionelle Standpunkt als abgebraucht erscheint, unter einer anderen Flagge die Juden zu bekämpfen. Der „feste Griff", der von Seiten des Staates gethan werden soll, um in dieser Frage zum Erfolg zu führen, kann, wie wir glauben, ein sehr gefährlicher werden und Staatsmänner werden wohl am besten thun, bei Heilungsversuchen von Uebelständen dieser Art die größte Vorsicht walten zu lassen. — Aus Brünn schreibt man uns: Am 2. Mai tagte hier eine Versammlung der Rabbinen Mährens und österr. Schlesiens, welche unter dem Vorsitze des Landes-Rabbiners. Herrn Dr. B. Placzek, eine Petition an den Reichsrat beriet. Dieselbe drückt den Wunsch aus, der Reichsrat möge den zur Vorlage in dieser Session gelangenden Entwurf des Gesetzes „zur Regelung der äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgemeinden" nach der Fassung des Herrenhauses unverändert annehmen und gipfelt in dem Schlußsätze: Die Unterzeichneten Rabbiner Mährens und Schlesiens erkennen konservative Bürgschaften in allen Bemühungen, die dahin gerichtet sind, die Forderungen der Glaubenslehre mit den gerechten Ansprüchen eines rationellen 14*

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