Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1888)
- Date
- 1888-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Messias erstanden. Es ist ein Banernbursche Namens Johann Gsernak, der angethan mit einer Reverende aus Zuckerpapier und mit allerlei Firlefanz behängen, in seiner Stube vor einem Tische sitzt, auf dem zwei Kerzen brennen und eine Anzahl heiliger Bilder hernmliegen. Wer in das Haus des „Messias" gelangte, näherte sich, auf den Knieen rutschend, dem sonderbaren Heiligen und war glücklich, demselben die Füße küssen zu dürfen, uni welche Gunst sich besonders die Weiber von Tarczal und Umgebung eifrigst bemühten. Der Stuhlrichter ließ den „Messias" durch einen Gensdarmen abholen, was in der Bevölkerung großen Jammer erzeugte. — Beim Abriß eines Hauses in Preljbnrg wurde eine Leiche aufgefunden. 'Man vermutet daß dadurch in die Affaire Abraham Oppenheimer, eines Juwelenhändlers Licht fällt, der vor über siebenzig Jahren mit seinem Juwelenkasten verschwunden ist. Sein Sohn Theodor Uffenheimcr in Wien starb bei dieser Nachricht im Alter von 85 Jahren. Derselbe vermachte eine größere Summe zu wohlthätigen Zwecken. — In prehburg wurde der angebliche Gattenmörder Schulhof zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. — Aus Budapest berichtet man: Ein jüdisches Bild erregte in der Herbstausstellung des Budapester Künstlerhauses Aufsehen und Bewunderung. Das Bild heißt „Todtenwache" und stammt von der Künstlerhand des jüdischen Malers Ignatz Deutsch in Frankfurt a. M. Ein Stück jüdischen Lebens ist darauf mit einfach ergreifender Wahrheit geschildert. Die erste Morgendämmerung fällt in das Todtenzimmer, wo auf dem Fußboden in der Ecke rechts, mit einem schwarzen Tuche verhüllt, der Tobte ausgestreckt liegt. Am Tisch vor dem Fenster sind die Wächter gruppirt. Der eine steht, das Morgengebet verrichtend, die Thephilin am Arm und Stirne, die beiden anderen blättern in Gebetbüchern und suchen die Psalmkapitel hervor. Man sieht den Mienen der Wächter die Abhärtung an, welche ihr trauriger Beruf mit sich bringt, trotzdem liegt über diesem ganzen Bilde ein Zug von heiliger Trauer und Pietät. — Die, israelitischen Bürger in Krakau haben eine Volksküche errichtet, in welcher der armen Schuljugend ohne Unterschied der Confessio» täglich Fleisch, Brot und Suppe verabfolgt wird. Vorläufig wurden über vierhundert Kinder zum Mittagessen anfgenommeu. — Zum Andenken au den hohen Besuch des Oesterreichischen Kronprinzeupaares in der „alten Synagoge" zu Krakau wurde daselbst ein Marmorstein errichtet, auf dem folgende Zuschrift in hebräischer Sprache mit goldenenen Lettern prangt: „Zum ewigen Andenken"! „Dieser Stein und die in ihm eingegrabenen Worte sollen den kommenden Geschlechtern bezeugen und berichten, daß Se. kaiserliche Hoheit, unser allerliebster Kronprinz Erzherzog Rudolf, itt Begleitung seiner erlauchten Gemalin, der Erzherogin Stephanie, diese heilige Stätte, Donnerstag, de» achten des Monats Tamns 5647 betreten haben." — In Sjanie in Galizien hat ein Wunderrabbi durch seine Reden und Rathschläge die ganze Bevölkerung in Bewegung gesetzt und viel Geld eingeheimst. Durch einen jüdischen Bewohner des Ortes winde der Schwindler entlarvt, es war diesmal nicht einmal ein jüdischer Betrüger, sondern ein Christ aus Czernowitz, der auf seine Kunst tüchtig eingelernt, die Menge getäuscht hat. — Jil Htanislnu wurde an Stelle des verstorbenen Rabbiners Horowil: dessen Sohn provisorisch zum Rabbiner erwählt. — Am 10. Deeember veranstaltete der akademische Verein „Kndimah" in Wie» eine Makkabäerfeier. — Am 4. Deeember hielt in Prag im „Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" Herr I)r. Arnold Kolenbacher einen Vortrag über die „Allianz". — Herr Baroil Albert und seine Gemaliu Bettina v. Kothsitsild in Wien wurden für hoffähig erklärt. — Die jüdische Gemeinde in Kaschau ließ