Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969749--2041-2972208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 Elend geführt. Es ist aber wichtig, sich nicht dazu hinziehen zu lassen, diejenigen, welche dem Dekret Cremieu's ihren Schutz hier verdanken, die Juden, für alle Leiden, an denen Algier leidet, verantwortlich zu machen, und Israel allein als den Sündenbock der ganzen Christenheit hinzustellen: Es würde das den Schuldigen gestatten, ihr gehässiges Handwerk in Frieden fortzusetzen und dem Drucke der öffentlichen Meinung zu entgehen!" —Herr Oberrabbiner Dreifus in Brüssel ist zum Ritter des Leopoldordens ernannt worden. — In einem in der Albert Hall gehaltenen Vortrage erwähnt Herr Lucia« Wolf, daß die Königin Elisabeth von England, welche hebräische Studien sehr liebte, einen getauften Juden, Emanuel Tremellius, in Cambridge angestellt hatte, um ihr hebräische Vorlesungen zu halten. Ihr Arzt, Rodrigo Lopez, ist das Original zum Shylock, wie S. L. Lee bewiesen. Weil er sich vom spanischen Könige soll bestechen haben lassen, um die Königin zu vergiften, ward er hingerichtet. Aus dieser Ursache soll ihn Shakespeare im Kaufmann von Venedig abgezeichnet haben. Der Vorleser erklärt, daß er lange die Schuld Lopez für wahr gehalten habe, bis er durch die Geschichte Philipp Hvon Fornezon, eines Besseren belehrt worden sei. — Am 5. Mai hielt Herr Joseph Jacobs in London einen Vortrag über das Londoner Judenviertel im Jahre 1290. — Herr Dr. Griih hielt am 16. Juni in der Albert Hall einen Vortrag über „Jüdische Parallelen in Bezug auf englischjüdische Geschichte" und Herr Rabbiner S. Singer am 4. Juli über „Das Erziehungswerk der englisch-jüdischen Gemeinde". — Die englisch-jüdische Gesellschaft in London warnt vor Einwanderung der Juden nach Spanien. — lieber die Einwanderung der Juden in Spanien wird der „Köln. Ztg." aus Madrid geschrieben: Der Präsident der in Madrid unlängst gegründeten Gesellschaft zur Beförderung der Judeneinwanderung wird demnächst seine Erfahrungen in einer deutsch, spanisch und französisch verfaßten Schrift veröffentlichen, die voraussichtlich lebhafte Erregung und Widerspruch Hervorrufen wird, da sie eine Reihe von Schwindeleien aufdecken soll. Als Ergebnis der Bewegung, die in den Cortes und in der spanischen Presse ein lautes Echo gefunden, ist zu verzeichnen, daß die spanischen Schwärmer der paar Eingewanderten überdrüssig geworden sind und Alles in Bewegung setzten, um die zwölf oder fünfzehn Personen wieder aus dem Lande zu befördern. Die Juden, welche sich hatten verleiten lassen, dorthin zu reisen, waren nämlich arme Leute aus Russisch-Polen, die weder Geld noch die geringste Sprachkenntnis mitbrachten. Die Spanier wußten mit den russisch und nur sehr schlechtes Deutsch Redenden nichts anzufangen; nachdein sie wochenlang fechtend die Stadt durchzogen hatten, gelang es dem menschenfreundlichen Landschaftsmaler Christian Sieber aus Böhmen, Dank seiner ausgebreiteten Beziehungen, die beklagenswerten Leute nach Oran in Afrika zu senden, wo sie Glaubensgenossen und Hilfe finden können. — In der Nacht vom 27. zum 28. Mai fand in Limerib in Irland wieder ein Judenkrawall statt. — Herr 13r. Josef Taubes, welcher eine Zeit lang als Missionär der Londoner Judenbekehrungsgesellschaft in Newi)orlr fungirte, ist wieder zum Judentum zurückgekehrt. In einem an den Bischof von London gerichteten Schreiben betont er, daß er während seiner Missionsthätigkeit die Erfahrung gemacht hat, daß kein einziger Jude aus lleberzeugung zum Christentume übergetreten sei. In demselben Sinne spricht sich auch die von Herrn Hofprediger Stöcker redigirte „Deutsch- Evangelische Kirchenzeitung" aus. Es heißt dort: „Oft schon, wenn man den Aufwand für die Judenmission mit ihren Erfolgen vergleicht, hat man sich mit Recht gefragt, ob es sich überhaupt lohne, dieselbe fortzuführen, oder ob nicht diese Liebesopfer und Liebesarbeit an dem „halsstarrigen Volk" einer fruchtlosen