Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1887)
- Date
- 1887-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 lung ab. Das Vereinsvermögen hat seit der verhältnismäßig kurzen Zeit bereits die Höhe von 3300 Mk. erreicht, der Verein zählt jetzt 254 ordentliche und 100 außerordentliche Mitglieder und ist bereits im Stande, für das laufende Jahr ein Sterbegeld von dreihundert Mark zu gewähren, wie dies in der Generalversammlung festgesetzt wurde. — Der „Verein zur Bekleidung bedürftiger israelitischer Schulmädchen von TranKfurt a. M. hat im Jahre 1886, 112 Mädchen mit Kleidern und Schuhen versehen. — Der A- Ä. Gemeinde Rund in Berlin geht mit der Absicht um, eine Kasse für Pensionirung und Unterstützung jüdischer Lehrerinnen und Erzieherinnen zu errichten. — Nach dem zwanzigsten Jahresbericht der Gabriel Uiesjer'schen Stipendienstiftung in Mrth wurden im abgelaufenen Jahre 3500 Mk. verausgabt. — Von Herrn Wahl in Wesel wird demnächst ein Klavierauszug einer von ihm daselbst am Purimfeste zur Aufführung gebrachten Composition über hebräische Melodien erscheinen. In derselben sind die Gebete Adon Olam, Jigdal, Muaus-Zur, Ledowid Boruch, Kol Nidre und noch andere in einer schönen Weise bearbeitet. — Der geschäftsführende Vorstand des Rabbiner-Verbandes in Deutschland hat den ersten Bericht erstattet (Juni 1884—Dezember 1886). Die Einnahmen 907 Mk. 30 Pf. wurden verausgabt. Beigegeben ist ein Organisationsplan zur Einführung von Schulinspektionen für den jüdischen Religionsunterricht. — Von Berlin teilt man uils mit, daß die Buchhandlung des Herrn Ph. Neumark (C. Boas Nachf.) in den Besitz des Herrn 11r. plnl. Wilh. Kämpf (Neue Friedrichstraße 38) übergegangen ist. — Vor etwa Jahresfrist erhielt der nunmehr verstorbene jüdische Kantor Leibsohn in Ichuiitz einen Ausweisungsbefehl. Seiner ärztlicherseits als unheilbar erklärten Krankheit wegen wurde der Befehl zurückgenommen. Nun ist auch, wie die „Ostd. Pr." mitteilt, gegen die Wittwe und ihre 6 Kinder die Ausweisung angeordnet worden, was die Frau um so härter trifft, als sie eine geborene Deutsche, weder der polnischen noch der russischen Sprache mächtig ist. Auch weiß sie nicht einmal, ob und wo noch Angehörige ihres verstorbenen Mannes leben. Die sechs Kinder stehen im Alter von 9 Jahren bis 4 Monate und ist für deren Lebensunterhalt und Erziehung gesorgt, so daß die Annahme, daß die Frau oder die Kinder der öffentlichen Armenpflege anheimfallen können, völlig ausgeschlossen ist. — Aus Oberramstadt berichtet man uns: Ain Sonntag den 6. März wurde hier das Bürgermeisterschild des neugewählten Bürgermeisters Herrn SJjulj eingeweiht. Herr Pfarrer v. Wächter schilderte in glänzender Rede die Pflichten und die Ämter eines Bürgermeisters und ermahnte ihn zur Ausübung von Gerechtigkeit und Liebe gegen alle Bürger und Einwohner Oberramstadts ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. Solche Reden verfehlen in unserer Zeit auf dem Lande, wo der Antisemitismus seine Giftsaat ausstreut, ihre wohlthätige Wirkung niemals. — Am 21. Februar hielt der Prediger der Freien christlichen Gemeinde in Hannover, Herr I)r. Dölkel, daselbst einen Vortrag über den Talmud. Er sprach auch über die Beziehungen des neuen Testamentes zu demselben, indem er die große Bedeutung desselben hervorhob, zeigte es sich, daß es noch Christen giebt, die unbefangen von Vorurteilen die großen Geistesschätze des Talmud zu würdigen verstehen. — Die deutsche Pseudoorlhodoxie, die im Pilpul (gepfefferte Disputationen, wie sie früher am Sabbath von dem Pesachfeste geführt worden) schwach geworden, hat es diesmal auf seinen deutschen Bruder den „Pfeffer" abgesehen. Sie gab in Mainz die Parole aus, daß der Genuß schwarzen Messers am Pessachfeste verboten sei. Herr Rabbiner Hirsch in Frankfurt a. M. hat die