Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1887)
- Date
- 1887-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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amten zu vereitle«. — Aus Vistrih schreibt uns Herr Gerlon Irmtffer: Keine Gegend unsres schönen Vaterlandes zeigt eine solche Abstufung von Kultur und Bildung als einige Komitate jenseits des Königssteiges, wo bekanntlich der Nationalitätenkampf seine Höhe erreicht hat. Während alle Seiten Siebenbürgens von einem walachischen, allenfalls nicht sehr human gestimmten Volksstamme bewohnt sind, wohnt im Herzen desselben der Sachse und der Ungar. Dieselben Nuancen lassen sich auch an den Juden Siebensbürgens unterscheiden, und so würde es Niemand Wunder nehmen, daß der benachbarte Borgon, Nodner und gar Marmorscher Jude ein trostloses Bild der Rohheit darbietet, und rm Gegensätze zu seinen ungarischen oder deutschen Glaubensgenossen den größten Jndifferentismus gegen jede intellektuelle oder ästhetische Bildung zur Schau trägt. Eine kleine Anzahl intelligenter jüdischer Männer in einer jeden größer» Gemeinde scheint gleichsam von der Vorsehung nach diesem Winkel der Erde versetzt worden zu sein, um den brachliegenden Gemütsboden anzubauen. In einem solchen Zustande geistiger Kultur befindet sich auch die israel. Gemeinde zu Bistritz, welche von Juden aus der Bnkovina, aus Galizien, Rumänien und Ungarn zusammengesetzt ist. Die jüdischen Einwohner in Bistritz sind reich und was sich nicht abstreiten läßt, auch wohlthätig. Denn wo es sich um städtische oder vaterländische Zwecke handelt, spenden sie schöne Snmnien und bleiben in dieser Beziehung gegen ihre nichtjüdischen Brüder in keiner Weise zurück. Die hiesigen Juden stehen bei der Behörde auch in großem Ansehen und von Tag zu Tag niacht dieses Verhältnis große Fortschritte. Nicht so Erfreuliches aber ist von den internen Gemeindeangelegenheiten zu berichten. Noch giebt es Individuen von der alten Frömmlersippschaft, die Trotz säen und Unheil ernten, noch hemmen alte Mißbräuche jede bessere Regung und führen unliebsame Zerwürfnisse herbei. Die beiden wichtigsten Faktoren, die das Wohl einer Gemeinde sowie das eines ganzen Volkes bedingen, Tempel und Schule, erfreuen sich nicht der notwendigen Aufmerksamkeit und Teilnahme. Es ist bis jetzt noch keinem der hiesigen zahlreichen Finauzkapazitäten ernstlich in den Sinn gekommen, den Ban eines Tempels anzuregen oder eine Schule zu errichten. Selbst nichtjüdische Notabilitäten der Stadt versuchten schon mehrere mal eine Anregung nach dieser Seite zu geben und gelegentlich der Neujahrsbegrüßung des hiesigen Vorstandes beim Obergespan Baron Banfi hob derselbe in seiner Antwort besonders hervor, man möge eine bessere Gestaltung der jüdischen Institutionen in Angriff nehmen. Am Geburtstage des Königs oder bei einer anderen nationalen Feierlichkeit ist es nicht gut möglich, einen geregelten zeitgemäßen Gottesdienst abzuhalten, und daß auf solche äußere Formen von Seiten der nichtjüdischen Mitbrüder viel Gewicht gelegt wird, das wissen die hiesigen Juden sehr gut. Denn die maßgebenden reichen und intelligenten Juden hier hören sehr deutlich das Rauschen des Zeitgeistes. Doch was für das Gemeinwesen bis jetzt geschehen, ist eitel Flickwerk. Es ist höchste Zeit, an den Bau eines Tempels zu schreiten, zumal die Gemeinde einen dafür geeigneten Platz besitzt. — In Mcufoljl wurde ein christliches Dienstmädchen gräßlich ermordet, das bei einer Jüdin, Frau Charlotte Zoffs»), bedienstet war. Der „Fügetlenseg" schrieb, Herr Cantor Sonnenschein hätte das Mädchen zu rituellen Zwecken abgeschlachtet. Die gerichtliche Kominission hat den Thatbestand klar gestellt und dadurch ein Tisza-Eszlar in zweiter Auflage der Welt erspart. Auch in Schrimm trat das alte Blutmärchen unverschämt auf. — Aus Prag schreibt inan uns: Im hiesigen Verein Asike Aehuda hielt jüngst Herr vr. Mathan Grün einen Vortrag über „die biblischen Schrifterklärungen eines Kaisers