Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1887)
- Date
- 1887-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 72 — Daten, zunächst ans Büchern und Zeitschriften geschöpft, sind mit Vorsicht aufzunehmen. Wichtige Notizen, besonders die Juden in Deutschland betreffend, fehlen. In Frankfurt a. M. koniiut 1 Jude auf 13.6 Nichtjuden und in Bremen 1 Jude auf 492 Nichtjnde». Von Frankreich berichtet Herr Nossig S. 15: Darnistetter, Weil, Frank vertreten ein auf die Lehre Moses und Jesaias gegründetes geläutertes und lebensfähiges Judentum als Religion, welche init Fortschritt und Wissenschaft im Einklänge verbleibt. Von den deutschen Juden entwirft Nossig folgende Charakteristik: „Der deutsche Jude weist als eigentlichen Zug großen Fleiß aber wenig Originalität, Ausdauer, Selbstgefühl, oft Arroganz auf; ist nach außen hin barmherzig, besitzt aber wenig Herzensgüte." Wir halten es für unwissenschaftlich solche allgemeine hingeworfene Aeußerungen, die jeder Begründung entbehre», in einem statistischen Werke zum Besten zu geben. Daß durch die Sitte des Frühheiratens in Galizien die Moral gefördert wird, ist grundfalsch. In keinem Landegiebt es wie dort so viel Ehescheidungen, soviel in Folge dieses Uebelstandes eingetretenes materielles Elend, das gewöhnlich moralische Verkommenheit nach sich zieht. — Von dem Werke: Zusammenhang der alttestainentlichen Zeitrechnung mit der Profangeschichte von Dr. D. iletcler (Münster, Theissing'sche Buchhandlung) ist das dritte Heft: Der Zeitraum vom Auszuge aus Egypten bis zum Salomonischen Tempelbau erschienen. (Preis der 3 Hefte 3 Mk.) Der Verfasser sucht die durch die Assyrologie gebotenen chronologischen Quellen, durch welche die biblischen Mitteilungen oft in Bezug auf die Zeit, in der sie sich zutrugen, aus den Fugen zu gehen schienen, so zu behandeln, daß durch den Anschluß der assyrischen wie der alttestainentlichen Geschichte an die gesammte Profangeschichte die scheinbaren Differenzen aufgelöst und beseitigt werden. Für die alttestamentliche Geschichte bieten diese drei Hefte sehr wertvolles mit Umsicht und Einsicht behandeltes Material und werden diese Forschungen besonders für die Festsetzung der oft äußerst schwierigen Daten in den Büchern der Könige sich als sehr wertvoll erweisen. — Das hebräische Jahrbuch „Haasif" von A üoltoloiu (928 Seiten) nebst einer Beigabe unter dem Titel „Hameasef", zeichnet sich durch große Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit aus. Wir finden in demselben statistisches Material über die Juden, eine Uebersicht der wichtigsten Ereignisse im abgelaufenen Jahre, systematisch geordnet, Berichte über den Stand der jüdischen Kolonien in Palästina. Von litterarischen Arbeiten heben wir hervor „die Volkssprichwörter" die D. Cahana auf Grund der Studien von L. Dukes, L. Zunz und Dr. N. Brüll zujammengestellt und vermehrt hat, I. H. Weiß: über den Gaon Hai. Dr. Güdemann: über die Karäer. Sehr schätzenswert ist die Biographie Naftali Hirz Wesels (S. 404—417) und die Lebensbensbeschreibung hervorragender lichtfreundlicher Gelehrten in Rußland, deren Bilder beigegeben sind. Es folgen dann Erzählungen Gedichte, Miscellen, Recensionen, Uebersetzungen (so z. B. die Resignation von Schiller), sieben und zwanzig Capitel Sprüche und Berichte über Erfindungen auf dem Gebiete der Medizin und anderer Wissenschaften. Eine dankenswerte Beigabe sind die Abbildungen von denkwürdigen StättenPalüstina's und voll Prager jüdischen Altertümern._ I »halt: Die Einheit Israels. — Was will und jott der Mendelssohn-Verein? Bortrag gehalten am 4. Januar int Mendelssohnverein zu Frankfurt a. M. von Referendar I. Blau. — Güthe und Spinoza. — Ueder die Juden in Persien und Malabar. — Tie Sprüche der Väter und ihre historischen Beziehungen. Von Rabbiner Dr. S. Friedmanu in Lublinitz. — Monatsschau. — Mitteilungen. Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber De. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Äusfarth: Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Beeiden stein), sämtlich in Frankfurt am Main.