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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1885-12-01 · Heft 12 (1.12.1885) · p. Seite 277

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 12 (1.12.1885)
Date
1885-12-01
Page
Seite 277 (sequence 13)
Language
German
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277 Sie sagen: „Bete um des Reiches Frieden; denn wenn man die Obrigkeit nicht fürchtet, verschlingen die Menschen einander lebendig." „Wir sollen für König, Fürsten und allerlei Obrigkeit beten, denn wenn die Obrigkeit nicht gefürchtet wird,' so ist überall Raub und Mord und nirgends Sicherheit." Dieser Spruch stimmt hübsch überein mit dem was der Prophet Jeremias im 29. Kapitel schreibt: „Befördert den Frieden der Stadt, in die ich euch habe ziehen lassen, betet für sie zu Gott; denn ihr Friede ist euer Friede." „Barmherzigkeit und Wahrheit sind des Königs Wächter und Trabanten, Gewißheit und Billigkeit sind die Stützen seines Thrones." (Prov. 20) „Des Königs Herz ist in Gottes Hand, er lenkt es nach seinem Willen." Wir sehen daß durch Auflauf, Aufruhr und Bürgerkrieg alle ehrliche Uebung, Zucht und Ehre zu Grunde gehen, die guten Sitten werden verderbt u. s. w. Sie sagen: „Das Schwert kommt in die Welt wegen Umstoßung der Gerechtigkeit und wegen boshafter Verkündigung des Rechtes." Sie sagen: „Dessen Weisheit größer als seine guten Werke, pichet einem Baum von vielen Aesten und von winziger Wurzel, der beim geringsten Windstoß zu Boden stürzt; dessen Werke größer sind als die Weisheit, gleichet einem Baume von wenigen Zweigen, aber von gediegener reicher Wurzel, der allen Stürmen der Welt Trotz bietet! „Die Weisheit ist standhaft und heilsam, die einen guten Wandel führt." „Es ist nicht genug, daß du den Willen Gottes weißt, so du nicht dein Leben danach richtest." Ein weiser Mann sagt: „Ich bin all mein Leben lang unter Weisen erzogen worden und ich habe nichts Nützlicheres erlernt als schweigen; nicht die Rede ist der Grund, sondern der Wandel, und eine Fülle der Worte zieht die Sünde nach sich." „Gewöhne dich zu sagen: Ich weiß nicht." Ein weiser Mann, als er auf dem Wasser eine Hirnschale schwimmen gesehen, sagte: „Darum, daß du andere zum Verderben gebracht, bist du selbst verdorben, und diejenigen, so dich zum Verderben gebracht haben, werden nicht minder verderben und umkommen." Sie sagen: „Eine jegliche Liebe, die von gemeinen Ursachen geknüpft, zergeht mit diesen Ursachen, nur die Liebe, die in sich selbst ihren Grund hat, kann ewigen Bestand haben." Sie sagen: „Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht darüber, und wenn er strauchelt, so frohlocke nicht im Herzen." Eben diesen Spruch hat auch Salomo (Prov. Kap. 24). Und im Cap. 25 heißt es: „Wenn dein Feind hungert, so gieb ihm Ärod, so er dürstet, gieb ihm zu trinken." Sie sagen: „Dein Haus soll gegen die Gasse offen stehen, und die armen Leute sollen Kinder sein in deinem Hause." Sie sagen: „Du sollst deines Nächsten Wolergehen so fleißig befördern, als deinen eigenen Nutzen." „Befleißige dich, daß du Jedermann den Friedensgruß entgegenbringst." Sie sagen: „Neid, Begierde und Ehrgeiz treiben den Menschen aus der Welt." Sie sagen: „Rede wenig und thue viel, und empfange Jedermann mit einem freundlichen Gesicht." Sie sagen: „Du sollst keinen Menschen verachten und keine Sache ganz gering schätzen; es ist kein Mensch, dem nicht sein Stündlein einmal kömmt, und kein Ding, das nicht einen Ort findet."

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