Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969722--1146-2971594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 209 — Haynau's vom 6. August 1849, die den Juden von Szegedin und Maria-Theresiopel wegen ihrer patriotischen Haltung eine Straf-Nequisition von 50,000 Paar deutschen Schuhen auferlegte; ein von Klauzal, Szemere und Pulszky unterzeichnetes Zirkular vom 3. April 1848 gegen die Judenkrawatte. Das nächste Heft der „M. Zs. Szemle“ erscheint am 1. September. — Erwähnenswert ist, daß, wie aus Ungarn berichtet wird, Herr Oberrabbiner Joachim Rah in Deutsch-Kreutz, einer der ältesten und würdigsten Vertreter der Orthodoxie in diesem Lande, anläßlich der Anwesenheit des österreichischen Kaisers in Oedenburg der jüdischen Deputation die Auffart am Sabbate gestattete mit der Begründung: „Wenn es gilt den Monarchen zu ehren, wird selbst das strenge Verbot des Fahrens ani Sabbate außer Krait gesetzt." Dagegen will man in Kobersdorf einem Vereine zur Verbreitung von Thora, der pekuniär schlecht steht, damit aufhelfen, daß man ein Geschäft für koscheres Weizenmehl zu Mazzoth etablirt, das unter der Aussicht des Gaous Eliejer Alt, Rabbiner daselbst, steht. — Neben den 19 Antisemiten wurden in den ungarischen Reichstag auch 7 jüdische Abgeordnete gewählt. — An der Dorpaler Universität sind an 100 jüdische Studenten mit Genehmigung der Russischen Negierung zur Bildung eines Vereines zusammengetreten, mit dem Zwecke die jüdische Literatur zu pflegen und zu fördern. — Am 25. Mai wurde die Synagoge der spanisch-israelitischen Gemeinde in Msoko (Bosnien) eingeweiht. An der Feier nahmen der katholische und mnhamedanische Geistliche und die Spitzen der Regierungsbehörden auch aus Kerajewo Teil. Der Rabbiner dieser Stadt, Herr Fron Imst, leitete die Feier und hielt eine Rede in spanischer Sprache. — Am 23. Juni wurde ein israelitisches Hospital in Gleichenberg eingeweiht, dessen Zustandekommen zum größten Teile als ein Werk eines hervorragenden Mitgliedes der Wiener isr. Kultusgemeinde, des Herrn Moritz Iteiner, anznseben ist. Herr Oskar Gf. Wilkenburg eröffnete die Feier als Präsident des Gleichenberger Kurvereins und Herr Prediger Di-. Adolf IelUnek aus Wien hielt die Festrede. Herr Rabbiner Dr. Mühsam ans Graz sprach zum Schlüsse ein weihevolles Gebet. Herr Gf. Wickenburg spendete aus diesem Anlasse für das neue Hospital 100 fl. und gab gleichzeitig einen an das neue Gebäude angrenzenden Platz zur eventuellen Erweiterung desselben, der vorläufig mit Bäumen bepflanzt wird, gratis an die Verwaltung ab. Solche edle Thaten, von so hervorragender Seite geübt, werden den künftigen Zeiten Kunde davon geben, daß in den Tagen konfessionellen Streites und Haders auch edle Menschen gelebt haben, die unbeirrt den Weg des Guten gewandelt sind. — Am 15. Juni fand in Breslau zum Zwecke der Begründung einer Loge des U. G. A. K. eine Versammlung statt, bei der Delegirte verschiedener auswärtiger Logen zugegen waren. — Herr Oberrabbiner Dr. Adler in London hat ein Zirkular erlassen, worin er aufforderte, einen Fond zu gründen zur Unterstützung der kleinen Gemeinden, die nicht im Staude sind, aus eigenen Mitteln fick) einen Lehrer oder Prediger zu nehmen. Diese für das Judentum so äußerst wichtige Anregung findet in England Anklang. Wann wird man sich endlich auch in Deutschland einmal zu einer solchen That aufraffen? An Anregungen hiezu hat es wahrlich auch hier nicht gefehlt. — In allen Synagogen des britischen Reiches wird auf Anordnung des Herrn Oberrabbiners Dr. Adler am 7. Marcheswan, Sonntag den 26. Oktober, an welchem Tage Air Moses Montesiore sein 100. Lebensjahr vollendet, ein besonderer Dankgottesdienst stattfinden. — Herr Prof. Lazarus aus Berlin hielt sich vor Kurzem zu dem Zwecke in London auf, um die Gemüter für die vielbesprochene „Jüdische Ethik" zu erwärmen und Geldbeiträge aufzubringen. Welche Ver-