Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1883)
- Date
- 1883-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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33 doch übersetzt und so allgemein verständlich gemacht worden, wie Nenan's Rede, welche in der, allen Gebildeten verständlichen, französischen Sprache gehalten werden ist. Das Denkmal, welches man Spinoza errichtet hat, ist eine aus Erz gegossene, auf einem Piedestal von dunkel - rothem schwedischen Granit ruhende Statue. Sie ist von Hexamer, einem jungen Künstler deutscher Abkunft aus Paris gefertigt und stellt Spinoza, in alt-holländischer Tracht und mit einem Mantel umgethan, sitzend dar, in Nachdenken versunken, wie wenn er im Begriffe wäre, niederzuschreiven, was er forschend gesucht und gefunden hat. — Das Denkmal trägt die einfache Inschrift „Spinoza"; beredter für den Ruhm des Mannes, als wenn es der Worte viele wären. Mehr, als den Namen trägt auch das Grabdenkmal Moses Mendelssohn's, des später» jüdischen Denkers, nicht. Es ist genug für Alle, die große Männer kennen wollen und kennen sollen. Für Andere ist ein Mehreres doch nicht genügend. Ein Mann aus dem Volke, welcher einen Bekannten seines Gleichen nach der Bedeutung der Inschrift frug, erhielt die Antwort: Dieser war Erfinder der Brillen. Er hatte wohl von seiner Beschäftigung mit Brillenschleifen gehört; mehr wußte er nicht und konnte ihm auch der Stein nicht sagen. Die Republik der Gelehrten und Gebildeten ist klein, zwar über die ganze Erde verbreitet, aber weder reich an Menge, noch an Geld. So hat es drei Jahre gewährt, bis die Beiträge vollständig gesammelt waren, aber sie kamen aus allen Teilen der Erde zusammen; Ost und West, Nord und Süd haben beigesteuert, keine der gebildeten Nationen ist zurückgeblieben. Indes haben wirklich auch nur die Gebildeten der Völker Anteil an diesem Zeichen der Verehrung des großen Mannes, der für die ganze Welt gedacht und nach der Allen heiligen Wahrheit geforscht hat. Das Volk vom Haag nahm keinen Anteil an der Enthüllungsfeier, nicht einmal die nächste Umgebung des Denkmalplatzes hatte geflaggt; auch das schon längst mit einer Gedenktafel gezierte Wohnhaus Spinoza's war nicht einmal geschmückt worden Es mag wohl nur Bewußtlosigkeit und Gleichgiltigkeit gewesen sein, daß dies unterblieb; an einen noch nachhaltenden Fanatismus gegen den Freidenker ist wohl nicht zu glauben. Der Festredner wies vielmehr mit Recht auf den Umschwung der Zeiten hin. Bei Spinoza's Tod mutete ein Geistlicher dem Volke zu, „auf dessen Grab zu spucken"; jetzt ist er von den Besten aller Nationen hoch geachtet. Eine vornehme Gesellschaft umgab auch bei der Enthüllnngsfeierlichkeit sein Denkmal. Außer dem Bürgermeister der Stadt, dem das Denkmal übergeben wurde, fehlte selbst der Minister und Vertreter des Königs nicht; aus Deutschland, England und Frankreich waren Ehrengäste zugegen. Materialisten und Spiritualisten, Dichter und Denker, Staatsmänner und Theologen aller Länder haben ihre Teilnahme kundgegeben. Der Geisteskampf, welcher gegen Spinoza im Leben geführt worden war, dauerte noch lange nach seinem Tode fort. Es ergieng dem riesenhaften Denker wie den riesenhaften Bergen, welche in der Nähe von kleinen Hügeln verdeckt werden können. Je weiter aber man sich entfernt, desto deutlicher wird die Größe des Berges und die Kleinheit der Hügel erkannt. Der 14. September, der Tag der Enthüllung des Spinoza-Denkmals, war der Vorabend des jüdischen Versöhnungstages, aber bedeutungsvoll für alle Welt. Möge er Alle mit dem Geiste oder doch den Manen Spinoza's versöhnt haben. Spinoza suchte die Wahrheit, und wer von den Anderen kann mit Gewißheit von sich sagen, daß er sie gefunden habe?