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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-04-01 · Heft 4 (1.4.1882) · p. Seite 96

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 96 (sequence 24)
Language
German
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96 Frankfurt a. M. Gelegenbeit gehabt das jüdische Leben zu beobachten, er hat sie belauscht, die Juden in Freud und Leid und hat uns durch seinen Pinsel ein Stuck Leben farbenreich erhalten, das alle Darstellung in Wort und Schrift nicht wiederzugeben iin Stande wäre. Auch als Porträt- und Historienmaler hat Oppenheim Bedeutendes geleistet. Wir heben hier sein Porträt Börnes hervor, Lavater und Lessing bei Moses Mendelssohn. Wer Gelegenheit hatte, Oppenheim näher zu treten, mußte au ihm seine anspruchslose Bescheidenheit und leutselige Freundlichkeit bewundern. Oppenheim schilderte auch in Worten gerne das altjüdische Leben und hat er aus seiner Jugendzeit auch noch charakteristische Sätze aus der talmudischen Literatur zur Hand. Bezeichnend in dieser Richtung ist ein Brief des Malers an den Redakteur Philipp in Haniburg, den wir hier folgen lassen: „Geehrter Herr! Kleine Reisen und sonstige Abhaltungen sind Ursache, daß ich so spät komme, Ihnen meinen besten Dank für die gütige Benrtheilnng niemer altjüdischen Bilder auszusprechen. Es fallen mir dabei zwei altjüdische Sprichwörter ein, nämlich erstens: 1<"I hamausef gorea (zu Deutsch: Wer zu viel thut, thut zu wenig». Sie stellen mich so hoch, daß es mir schwindelt — und zweitens: Naaliaw« veliassinna eil-, etc. (Die Fortsetzung dieses Satzes heißt: mekalkelin es haschurah, — zu Deutsch: Die Liebe und der Haß verrücken die Ordnung). Gewiß, nur Ihre Liebe zu dem Dargestellten hat Ihr Urtheil über die Darstellungsweisc befangen gemacht und zu liebevvll nur das Gute und keine Schwäche darin gesehen. Jedenfalls danke ich Ihnen herzlich für diese Sympathie und empfeyle mich Ihrem Wohlwollen mit freundlichen Grüßen, Ihr ergebener Professor M. Oppenheim." Dienstag den 28. Februar 9 Uhr Morgens fand unter ungewöhnlich großer Beteiligung sein Leichenbegängnis statt. Au seinem Sarge widmete ihm Herr Rabbiner I)V. R. Brüll tiefempfundene Worte des Abschieds und Namens der Künstlergesellschaft sprach Herr Eornill warme Worte des Nachrufs und spendete den? dahingeschiedenen Künstler den wohlverdienten Lorbeerkranz. Oppenheim gehört zu den verdienstvollen Juden dieses Jahrhunderts und wird darum stets als ein trefflicher Mensch in Ehren genannt werden. Literarische Witteitungen. Leit dem 1 .Januar 1882 erscheint zu Belovar in Kroatien von unserem geschätzten Mitarbeiter Herrn Rabbiner Dr. M. G r ü n wald alle 14 Tage ein Blatt unter dem Titel „Das jüdische Eentralblatt". Wir wünschen diesem Ünternehmen den besten Erfolg. — Herr Rabbinatsassesor Dr. P. Frankel in Berlin ist in dir Redaktion der Frankel'schen Monatsschrift, fortgesetzt herausgegeben von Prof. Gr ätz, eingetreten. Inhalt: Wacht in der Nacht. Bon Rabbiner Dr. Brüll. -- Die Judenverfolgung in Rußland im Jahre 1881. (Schluß». — Das Judentum und die Nationalitätsidee Boi: l)r A. Rosenberg. (Fortsetzung) — Die Leichenfeier Berthold Anerbachs. — Referate: Dr. Rülf. Drei Tage in Jüdisch Rußland. — Personalien: Prof. Moritz Oppenheim. Literarische Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur ltub Herausgeber: I)r. Adols Vrü l l: Verlag von Frau,; B e n j n m i n A u f s a r t h; Druck von H.' L. Vrönner's Druckerei (F W. B r e i d e n st ein, säinmtlich in Frankfurt am Main.

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