Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969091-2969092-2969093--083-2969186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 Sie schreiben mir ferner: daß die „Versuche" die ich Ihnen geschickt habe, in dein kleinen Kreis Ihrer Freunde wohl aufgenommen find, und Freude und Erbauung erweckt haben. Dieses bewegt mich gegenwärtiges Schreiben, und vielleicht mehrere folgende, über das Studium der heiligen Schriften Jh. nen und Ihren Genossen vorzukarn. Beifall und Lobspruch kann ich ohne Unbescheidenheit annehmen, da ich Ihnen unbefangen erklärt habe, daß das Schätzens- Wertheste in meinen Uebersetzungen, das heißt, die Ge> fichtspunkte aus welchen die heilige Schrift betrachtet werden, nicht selbsterworbenes Eigenthum ist. Es ist das Licht, das ich an den hellleuchtenden Fackeln der berühmten Gelehrten Deutschlands angezündet habe, und unter diesen Hab' ich Ihnen bereits Herder, vorzüglich aber den ehrwürdigen Eichhorn genannt, dem die Literatur überhaupt so viel und so vieles verdankt. -- Wie freue ich mich Ihres Vereins! Es ist an der Aeit dergleichen Vereine zu befördern, und dazu aufzumm.tern. — Die bürgerliche Verfassung unsrer Mitbrüder hat sich weit und breit Vortheilhaft verändert. Mehrere Scheidewände sind gefallen, und es liegt in der Natur der Dinge, daß immer mehr fal; len werden. Eine Reform des Judcnthums wird tagtäglich dringender. Dieses bedarf eben so wenig eines Beweises, als daß diese Reform einzig und allein aus unsrer Mitte hervorgehen müsse. Jede noch so menschenfreundliche Hand, die unmittelbar von außen uns zu Hülfe käme, kann uns nicht dienen, kann dem Juden thum, so nämlich wie die Bessern unter uns, und selbst die Weisen andrer Religionen es wünschen,