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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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194 Zur Würdigung der gegenwärtigen Reformbestrebungen. Publikums, und die Mode, die fatale Mode, wechselt gar zu oft. Heute ist Dieses en vogue, morgen Jenes, was heute angejubelt und applaudirt wird, dem wird morgen mit dem Gähnen der ermüdetsten Langweile begegnet. Wie begeisterte sich nicht das Publikum der ersten vierziger Jahre dieses Jahrhunderts für die Idee der Rabiner-Versammlungen; mit welchem Enthustasmus schauten nicht alle diejenigen, welche religionslos so gerne religiös sein mochten, welche verwurfstos dasselbe Leben fortsetzen wollten, in welchem sie sich bislang nicht ohne Gewissensbisse bewegten, welche das Prädikat ״gute Juden" sehnsüchtig erlangen wollten, ohne das jüdische Gesetz, das schwere jüdische Gesetz, zu erfüllen, auf diese Rabbiner-Versammlungen an der Oker, dem Maine und der Oder hin! Erwarteten sie doch von ihnen nichts weniger als eine neue bequeme moderne Religion, welche dem Bekenner so gar keine Gene auferlegt, welche wie jenes ״Tischlein deck Dich", nach dem Wunsche und dem Geschmacks eines Jeden, der dazu die Formel kennt, dasjenige und nur dasjenige dem Gläubigen versetzt, woran er gerade sein Gefallen hat! O .das waren schöne Zeilen! Ein jedes Predigerlein und Doctorchen würde als jüdischer Luther angeschaut, und als nun alle diese feinen gelehrten modernen Herren als Concilium zusammentraten und schöne glatte Phrasen zu Hunderten zum Besten gaben und die feindlichste Gesinnung gegen das alte Judenthum bethätigten und in Achtung vor dem Talmud sogar den hochverehrten Doktor Eisenmenger und den zeitgenössischen Hartmsnu überboten — da war des Applaus vqu Seiten aller Modernen, Aufgeklärten und auf der Höhe der Zeit Stehenden kein Ende. Ader unverständig war doch dieses Beifall klatschende gebildete Publikum. Mutzte es nicht wißen, daß der Acteur nicht allein vor dem Parquet spielt, daß er auch Rücksicht auf das Publikum der Gallerie nehmen muß? Und ist dieses nicht numerisch das größere? So subtile feine Darstellungen, wie: Judenthum ohne Thora, Religionslose Religion, konnte man diesem doch nicht zumuthen; und es bezahlte doch auch und zwar zusammen mehr als die Herren in Glacä-Haudschrchen des Parquets! Wovon soll der Acteur leben, wenn dieses ihn nicht meA bezahlt? Diesen vernünftigen Erwägungen gab sich das auserlesene Publikum nicht hin, entzog vielmehr den talentvollen

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