Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Von S... mit erhobener Stimme zu den GeriLtsdienern gewendet fort, die ohne ihn zu beachten, ibre Arbeit fortgesetzt hatten. ״Ich wiederhole Ihnen nochmals, entfernen Sie sich. Kennen Sie mich nicht? Ich bin der Doktor N. Rabbiner und Prediger der israelitischen Gemeinde dahier, und ich erk.äre Ihnen hiermit, daß, wenn der Herr dieses Hauses insolvent sein sollte, ich für ihn zahlen würde, aber Gottlob noch ist er selbst es im Stande." ״Sie sind im Jrtthum — Herr Doktor, ich bin zahlungsunfähig." ״Gut, so hat man sich an mich zu halten; aber nun entfernen Sie sich meine Herren, Sie werden befriedigt werden." Die Gerichtsdiener entfernten sich endlich, und wie erschöpft sank nun der Geistliche in ein Fauteuil, das geröthete Antlitz mit dem Tuche trocknend. ״Ach, das sind Blutegel, wahre Blutegel, wenn man nicht Salz auf den Schweif ihnen streut, so lasten sie nicht los. Doch nun zu Ihnen, mein werthgeschätzter Freund." Er ergriff die Hand des Hausherrn, der vor Verwunderung keines Wortes fäh g war. ״Sie si! d erstaunt, verehrter Herr, — bin ich es doch nicht minder und preise die Wege der Vorsehung, die mich noch im rechten Moment hierher geführt. Doch nun vor Allem muß ich Jbnen Vorwürfe machen, wie, Sie sind in Verlegenhe.t und Sie wenden sich nicht an mich? wäre ich auch vielleicht allein nicht im Stande, Ihnen zu helfen, so habe ich doch Credit, habe viele Freunde und durch^meine Fürsprache hätte sich die Sache gar leicht arrangiren lassen." ״Ach, Herr Doktor, wie hätte ich daran denken können, wie—" ״Sie haben mich verkannt, ja, ja, das we,ß ich schon seit lange.^Doch davon laffen Sie uns schweigen; ich hoffe, Sie haben es jetzt erkannt, daß Sie keinen wärmern, keinen treuer» Freund besitzen können, als Ihren ergebenen Diener — Aber sieh doch, diese traurige Angelegenheit hat mich so ergriffen, daß ich beinahe an die vergessen hätte, um derentwillen ich hergekommen — Sehen Sie, mein werther^Herr Meier, da habe ich gestern ein Schreiben aus Newyork erhalten von dem Rev. Dr. N. Rabbiner daselbst, das mich, ich muß es gestehen, eben so überrascht als hocherfreut hat.