Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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156 Die Verdienste Herders um die Juden r«. stets aufrecht zu erhalten und sein hohes Volks- und Gottesbewußt, sein immer auf's Neue zu heben und zu kräftigen. Das Judenthum mußte ja aus diesem Kampfe siegreich Hervorzehen, denn seine hehre Mission: die Wahrheit und Gotteserkenntniß so zu verbreiten, daß ״die Erde voll werde der Erkenntniß Gottes, wie Wasser den Meeresgrund bedeckt" (Jes. 11, 9) ist noch keineswegs zu Ende; vielmehr wird sich seine welthistorische Bedeutung ganz besonders in unseren Tagen bekunden, wo'sein hartnäckigster und zähester Gegner: der in fast allen Schichten des socialen wie intellektuellen Lebens herrschende Materialismus ihm den Krieg gekündigt, in welchem das Judenthum — die Geschichte wird es bezeugen — unter der Fahne der lautern monotheistischen Idee, mit der De, vise ״יי נסי״ seinen glorreichsten Sieg erringen wird. Uns nun ״dem neuen Geschlecht", die wir uns schon — wenigstens dem größern Theile nach — im Vollgenusie der religiösen wie bürgerlichen Freiheit, der Humanität, kurz der Menschenrechte besinden; und die wir nur noch hie und da einzelne Spuren defrüheren Fanatismus und Judenhasies wahrnehmcn: uns muß es als die heiligste Pflicht erscheinen, jene großen Geister, die für unsere Rechte so tapfer gekämpft, zu würdigen, und jenen Heroen der Aufklärung — im edelsten Sinne des Wortes — und der weltbezwingenden Humanität die ihnen gebührende Krone aufzusetzen. Es bietet uns zugleich ein herrliches Schauspiel, wenn wir sehen, auf welche Weise jene über ihrer Zeit stehenden Ingenien den uralten Schutt der Vorurtheile wegzuräumen suchten; welche Mittel sie anwandten, um der menschlichen Gesittung und Veredlung neue Bahnen zu brechen und ^wie sie solchergestalt — wenn ich so sagen darf — mitgearbeitet an der Schöpfungsgeschichte des Menschengeschlechts. Solche Kämpen der Humanität, die auch für das Indenthum eine Lanze gebrochen hätten, suchen wir vergebens im Mittelalter und der sogenannten Resormationszcii. Die Geschichte der Juden im Mittelalter erscheint uns vielmehr als eine mit den blutigsten Scenen ausgestattete Schaudertragödie, worin ein unerbittliches Fatum unanfhörlich den Knoten zum Verderben des Judenthums schürzt Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sing man an sich mit der sogenannten Frage der Judenemancipation zu be«