Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Angela. Der Abend brach heran, keiner der beiden Gatten, die im Zimmer sich befanden, dachte daran, es zu erhellen. Tiefes Schweigen herrsä Le. nur unterbrechen von dem halb unterdrückten. S chluchzen der jungen Frau, die dort im Divan lehnte und den schweren, Seufzer gleichen Alhemzügcn des Mannes. ״Zürnst Du mir, Caroline?" fragte er endlich, indem er ihre Hand, mit der sie die Augen bedeckte, in leine nahm, ״bereuest Du es, Tein Geschick mit meinem verknüpft zu -haben?" Sie lehnte ibr Haupt an seine Brust und blickte ibm voll in's Angesicht. ״Jakob," flüsterte sie, indem es ihr endlich gelang, ibie Thränen zurückzuhalten, ״wüßte ich, daß dic''e Frage Dir Ernst isi> sie würde mich mehr schmerzen. unendlich mehr, als all'das Unglück, dem wir entgegen gehen." Er drückte sie lest an sich und seine Lippen auf ihre Stirn. ״Für miägiebr es nur ein wirkliches Unglück, und das ist, Dich le den Zusehen. Alles wollte ich mit Freuden ertragen, wenn ick nur Dir es ersparen könnte." ״Du verkennst mich, Jakob, weine ich denn um meinetwillen, vielleickt weil ick diese oder jene Bequemlichkeit jeyt misten werde? — Gott weiß es in der kleinsten Hütte würde ick frob und glücklick sein an Deiner Seite — wenn ich aber daran denke, was Tein stolzes Herz empfinden muß, wenn morgen'—" ״Caroline!" rief er und preßte krampfhaft ibre Hand. ״Es in Gottes Wille," fuhr' er nach kurzer Pause gelassener fort, ״ich bin keines Fehlers mir bewußt. Nicht in tollkühnen Spekulationen habe ich mein Vermögen vergeudet und meinen ehrlichen Namen auf's Spiel gesetzt, die Fallimente dreier Häuser ziehen meines nach sich. Mag kommen, was da will, es kommt von Ihm." wenn Du so denkst, dann will ick auch nicht mehr weinen" und während ibre Augen noch feucht von den eben vcrgestenen Thranen, erhellte schon ein Lackeln ihr liebliches Gesicht. ״Aber, iuhr sie nach einer Weile fort, ״ist denn gar keine Rettung möglich?" ״Keine," erwiedertc er tonlos, ״bade ich dock schon seit Wochen gekämpft und gerungen und alles Mögliche versucht umsonst." ״Und Dein Bruder?" fragte sie schüchtern. - »Möge meine Zunge verdorren, ehe sie ihn um Hilfe bittet!"