Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1884)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1884-12-25
- Page
- 830 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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830 bei* nicht vorhandenen Viehseuche sollten die Inden } auflgeräuetKrt werden! Natürlich unter Hohngclächtcr! des Pöbels. *Nach Jom Kippur fand eine große Unter-; snchnng der Juden Häuser statt; man hing die Fenster! und Thürcn aus und rcquirirtc jetzt 84- Juden zum : Graden Alle Waa reu vor rät he der Juden wurden vcrsiegelt, nichts durfte verlaust werden. Am Snckoth war; kein l^ottcsdienst, die Juden waren sämmtlich beim! Graden. So dauerten diese Quälereien fort, bis endlich! höheren Orts bekannt wurde, daß erstens keine Bich-; seuchc in dem Städtchen grassirtc und zweitens die eine : der zwei gefallenen Kühe einem christlichen Einwohner | gehört habe. —־ — Ein Jude hatte das Verbrechen! begmigcn, Jcinandem Waarc anzubicten, die vor Erlaß j des vausirgcsctzcs erworben war. Er wurde dabei bc^! troffen und zu 100 Frcs. Buße oder 20 Tage Ge- | fängniß vernrtheilt. Der Acrinstc, welcher über keine 20 Kranken verfügt, wurde durch die Aussicht auf die Gefangenschaft mit dem elendesten Gesindel zur Bcrzwcislnng brachte, wagte nicht mehr, in seiner Be- Hausung zu übernachten, aus Furcht, dort arrctirt und ins Gcsänguniß geschleppt zu werden -- kürzlich fand man ihn entseelt auf der Straße liegen.-— WlMsmus und Iudenthum. Bon Friedrich Roll. 0 .')U’lillC l'Dll'l’lullU'll. i Fortsetzung?! Am jüngsten Weihnachtsabend sind es zwei Jahre geworden, seit wir einander kennen gelernt, mein!()eurer Al so ns und ich. Und seit wir einander zuerst gesehen, lieben wir uns auch, unsere Herzen sind einander, ich möchte fast sagen, zngeflogcn, als wären sic von Anbeginn für einander beftimmt. Seit jenem Weihnachtsabend, der unsere Liebe geweiht, trafen wir einander fast täglich, ans jedem Ball, in jeder Gesellschaft war Alfons an meiner Seite, und als der Fasching zn Ende, und Bälle und Gesellschaften seltellcr wurden, kaut er tagtäglich in unser Haus. — Schon in den ersten Wochen hatte er mir jetue Liebe gcstanden und um Gegenliebe gefleht; wir tauschten Schwüre aus, und AlfonS hielt bei Papa um meine Hand an. Papa war auch gar nicht ungehalten darüber, sagte zwar, er könne noch keine bindende Zusage geben, weil ich noch gar zn jung, ich war damals erst siebzehn Jahre alt, und überdies, bevor meine ältere Schwester Natalie nicht verhcirathct wäre, dürste ich mich nicht verloben. Aber Papa und Mama wußten recht gut, daß wir einander Treue geschworen, und hatten gar nichts dagegen, daß Alfons tagtäglich unser Hans besuchte, und als er vor ungefähr vier Monaten eines Erbschastsprozesscs halber nach New Jork reisen mußte, ward cS als selbstverständlich betrachtet, daß ich tagtäglich Briese von ihm empfing und ihm tagtäglich schrieb. Sagen Sic selbst, liebe Frau Lewinski, war ich da nicht vollauf berechtigt, in die Zustimmung meiner Eltern keinen Zweifel zu setzen?" ״Dem kann ich allerdings nicht widersprechen. Aber ich begreife um so weniger —" .,Weshalb ich nun auf einmal mit Alfons brechen soll? — Ja, das ist auch kaum zn begreifen, denn wie Eltern ein Kind auf Kosten des andern, opfern können. — Aber ich muß Ihnen das ausführlich erzählen: Bor drei Monaten hat sich meine Schwester Natalie mit dem Baron Wilkcnfcls verhcirathct. Es war dieses durchaus keine Neigungsparthic, am Vcrlobungstage haben sic sich zum ersten Mal gesehen,, und vierzehn Tage darauf war Hochzeit. Die Sache verhält sich nämlich so. Der Baron ist ein sehr nobler Kavalier, vom äUestcn Adel, einer seiner Ahnen soll schon unter Attila gekämpft haben, aber er war total verarmt, hatte nichts als Schulden. Nun, Papa braucht Gottlob nicht ans Geld za sehen, er fühlt sich sehr geschmeichelt, einen Schwiegersohn von altem Adel und eine Baronin als Tochter zn haben, und darum hat er die schönen aber verschuldeten Güter des BaronS mit seinem noch schöneren Gelde cingclöst. Mein Schwager müßte sich ihm in Wirklichkeit von ganzem Herzen׳ verpflichtet fühlen; statt dessen will er die ganze Familie dominircn. — Ich weiß selbst nicht, wie cs gekommen ist, ob cs ihm absichtlich verschwiegen worden oder nur zufällig, weil Alfons verreist war, nicht erwähnt worden ist, daß wir mit einander versprochen sind. Er muß cs erber erst jetzt erfahren haben, denn erst gestern Abend erhielt Papa einen geradezu wüthcnden Brief von ihm. Nie und nimmer würde er sich einen jüdischen Advokaten als Schwager gefallen lassen, und wenn man ihm einen solchen aufoktroircn würde, so würde er ihn niedcrschießcn wie einen rendigcn Hund. Papa und Mama waren zuerst auch arrßcr sich über diese Arroganz. Papa bezahlt seine Schulden, er lebt von seinem Geld und znm Dank will er ihm Vorschriften machen. — Aber heute Morgen, weiß der Himmel, woher dieser plötzliche Umschwung, höre ich wie Papa zn nnsercrn Jean sagt: .Wenn Herr Dr. Lilicnthal kommt, so sind wir nicht zn Hanse, das Fräulein auch nicht? -- Ich stürze in Papa's Zimmer, um ihn zur Rede zu stellen, aber er koinmt mir zuvor, nimmt niich bei der Hand und hält mir da eine lange Nedc von der Ehre, die unserer Familie durch die Verbindung mit der altbcrühmtcn Familie .Wilkenscls widerfahren ist und von der Wahrheit 1)eö Sprichwortes noblesse oblige, daß wir uns der Ehre, mit den Wilkcnfcls verschwägert zu sein, würdig zeigen