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Jeschurun · 1884-12-25 · Heft 52 (25.12.1884) · p. 827

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 52 (25.12.1884)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1884-12-25
Page
827 (sequence 2)
Language
German
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827 des Aufenthaltes der Juden in Aegypten und ihres Auszuges durch die Sinaihalbinsel zu glauben. Mag die legende diese einfachen historischen Begebenheiten noch so sehr ausgeschmückt und tendenziös gemodelt haben, so bleibt das geschichtliche Faktum doch stehen. Wie fest wurzelt irn Bolksbewußtsein der Israeliten die Thatsachc, daß der Herr sie aus Aegypten herausgeführt hat! Sollte man denn ganz umsonst den Namen Gosens und die im Exodus erwähnten Städte Pithom und Ramscs wieder anfgefnnden haben'? Ist cs so ganz ohne Interesse, daß Navillc zu Pithom riesige nur von oben her zugängliche Kornspeicher fand? Soll man ganz übersehen, daß ein Apuriu genannter Stamm, der kaum etwas anderes sein kann als die Hebräer, in derjenigen Zeit, in der man den Exodus setzen muß, auf dem Gebiete Gosens hauste und dort, wie die Papyrus Lehren, Zwangsarbeiten zu verrichten hatte für Pharao? Zeigen uns die Denkmäler vergebenS Fröhncr mit unverkennbar jüdischen Zügen Zwangsarbeiten verrichten? Muß cs unberücksichtigt bleiben, daß gerade der Pharao, welchen man für den der Bedrückung Hallen muß, RamscS II'. mir Vorliebe in demselben Zoan residierte, wo nach dem Psalmistcn der Pharao mit Mose verkehrt haben soll? Hat der Nachweis, daß das östliche Delta, daß Gosen gerade in derjenigen Zeit, welche einzig und allein dem Ansenthalte der Hebräer zugcwiescn werden kann, voll war von semitischen Elementen, gar keine beweisende Kraft? Und wenn eine parteiische Kritik alle diese von den Denkmälern ertheiltcn Winke von der Hand weisen will, warum soll S. 339 die Frage nach Pharao 1111b Datum des Exodus müßig sein? Schon Stade hat die Historizität der Wanderung der Inden durch die Siuaihalbinsel angczwcifelt und das Bemühen des Referenten, dem Wege, welchen die Hebräer genommen, nachzugchcn, belächelt und es für völlig gleichgültig erklärt, welcher Richtung sie gefolgt seien. Aber, so fragen wir ihn und den Verfasser, würde cs sie nicht gefreut haben, wenn cs mit Hülfe neuer Quellen ge-!uugcn wäre, den Weg, welchen Hannibal über die Alpen genommen, fcftzuslcllen, oder wenn eine neue Inschrift sichere Kunde über die Zeit und die Umstände gebracht hätte, unter denen die erste phönizischc Kolonie nach Karthago aufgebrochen war? Warum soll das, was für die profane Geschichte Wichtigkeit besitzt, für die biblische ohne Bedeutung sein? Oder ist der Auszug der Juden und der Aufenthalt an! Sinai von geringerem Einflüsse auf das £cbcu der Menschheit gewesen als Hannibal'S kühner Kriegszug? Hier ist cs, um ja nicht schwach zu erscheinen, üblich geworden, das kritische Messer gewaltsamer zu führen als billig, und dadurch wird die Erkennlniß der Wahrheit unseres Erachtens nicht weniger leicht geschädigt, als durch ein schwächliches sich Beugen vor der Autorität." Ich glaube, was hier über die Kritiker im Atlgeiueincn gesagt wird, paßt auch sehr wohl für viele jüdische Bibclkritikcr und Geschichtsforscher iin Speziellen. — D■c st ct v c i ch 11 •-־־ n gar u. * Wien, 11. Dezember. Gestern faitb an der hiesigen Universitär ein aulisem it!scher schlim in er Exzeß statt. Jüdische Studenten wurden von ihren antisemitischen Kounnilitoneu thätlich iiifultivt. Der Exzeß soll ausgcbrochen sein, weil ein Antisemit bei einer Vereiuswahl durchfiel. — Hiesige Blätter berief)•־ ten darüber folgendermaßen: ״In den Räumen der neuen Universität kau! cs gestern Abends nach einer Wahlversammlung des Medizinischen llnlerstützungs- Vereins zu wüsten Szenen, die in regelrechte stampfe äuSartctcn. Die Bersammlnngcn dieses Vereins pflegen sich schon seit längerer Zeit sehr stürmisch zu gestalten, weil die vergeblichen Bemühungen der antisemitischen Partei, die Majorität zu gewinnen, zu unausgesetzten Reibungen führten. Man sollte glauben, das; bet dem herrschenden Studentenclcnd jetzt in den UuivcrsitäLSvereinen wichtigere Dinge als lächerliche Rassenfragcn zu erörtern seien; wahrscheinlich erscheint aber die beschämende Thatsache, daß verhungernde Studenten an das öffentliche Mitleid appellircn müssen, weit geringfügiger, als die läppische Frage, ob blonde oder braungelockte Studenten im Vorstande eines Wohlthätigkeits- Vereins sitzen sollen." lieber die gestrigen Skandale berichtet das ״Fremden - Blatt" : ״Der Medizinische Unterstützungsvcrein wählt seine Fnnklionärc in der Weise, daß jeder Jahrgang der medizinischen Fakultät zwei Ausjchußmandate erhält. Am . gestrigen Abend sollte der zweite Jahrgang die Wahlen in den Ausschuß vornehmen, und es hatten sich zur Vornahinc des Wahlaktes insgcsammt 111 Mediziner eingcsunden. Vor den! betreffenden Hörsaale hatte sich eine nach Hunderten zählende Stndcnteninenge ausgepslanzt. Das Wahlrcsultat ergab eine Majorität von zwei Stimmen für die Kandidaten der uichtauiiscmitischm Partei und wurde von der Minorität mit nicht endeuwollcndeu Pereats und mit den Rufen: ״)Lieder mit den Inden!" ausgenommen. Die jüdischen Studenten schickten sich nunmehr an, den Saat zu verlassen; als nur mehr zwei Dutzend zurückgeblieben waren, drangen die sogenannten ״Germanen" aus diese Studenten mit den Stöcken ein und droschen aus die Wehrlosen aus Leibeskräftcn los. Das kleine Häuflein erzwang sich schließlich doch, den Ansgang; als sic im Arkadenhofe angelangt .waren, sielen draußen stehende Studenten über sie her, und nun kam eS zu einer Rauferei in großem Stile. Einzelne Studenten machten von den Messern Gebrauch, und es kamen im Handgemenge zahlreiche Verletzungen

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