Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1884-12-25
- Page
- 826 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Produkt flcfjört bcr neuesten Gegenwart an. Wie werden durch solche antisemitische Weihnachtsgeschenke nicht die frommen Lehren und humanen Gefühle des Antisemitismus der lieben Jugend ^eingcimpft. Wer sein deutsches Barerland liebt, wer Sitte und Frön! migkeit fördern loill, der säume nicht, sich in den Besitz dieser famosen antisemitischen Weihnachtsgeschenke zu bringen. M. Schulze heißt der Biedermann, der solche zum Nutz und Frommen der lieben kleinen herstellt, zu Berlin wohnt er, Spittelmarkt <'>. Der Edle handelt überhaupt nur mit antisemitischer Literatur. Berdient derselbe nicht die Bürgcrkronc? S. Frankfurt a. M , )4. Dezember. Ihr geehrter XV. Korrespondent in der aufgelauchten Franksurler Fi auen-Ehewra-Fragc bemerkt unter Andern!: ״Eine Berslärtnng der Mitgliederzahl thnt's nicht allein. Denn in den letzten Jahren, während dessen eine solche srattgefundcn, ist wahrhaftig keine Besserung der Uebelstäudc herbcigcführt worden, eher das Gegentijcil.“ Dieser Ausspruch beruht sicherlich ans Unkenutniß der jetzigen Umstände. Würden nicht in den letzten Jahren einige Frauen beigcUctc!; sein, und sic sind sehr eifrige Mitglieder, die keine,! Fall, sobald sie KemUniß davon haben, versäumen, eS würde nicht gut um dieses Institut stehen. Nur dadurch kann der Verein weiter bestehen, wenn geeignete neue Kruste hinznkommcn. damit bei vorkommenden Nachtwachen entsprechende Ablösung geboten ist. Vorige Woche waren gerade zwei von den seit kurzer Zeit erst beigetretenen Frauen, die wieder von Abends 9 Uhr bis Morgens 7 Uhr ununterbrochen bei einer Sterbenden bis zum erfolgten Tode waren. Was sollen denn die neuen Statuten, nützen? Ich kann mir darunter nur solche Statuten denken, die in Bezug ans die zu bcobachlenden rituellen Vorschriften sich erstrecken. Andere haben in solchen Vereinen keinen Zweck und sind völlig wcrlhlos, da irgend ein Zwang hier anSznnbcn nicht möglich ist, was im Allgemeinen Statuten bezwecken. Jede dabei betheiligte Frau übernimmt לשם מצרה dieses Amt. Wenn Ich nun von einem bezahlten Wächteriunen-System abgchehalte ich aber daran fest, daß nur eine vermehrte Mitgliedcrzahl. unter Beibehaltnng der hergebrachten Vorschriften, in ritueller Hinsicht, das Bestehen des Vereins sichern kann. (Nachbemerknug der Redaktion: Wir bedauern sehr, daß die sicherlich wohlgemeinten. Bemerkungen unseres geehrten XV.-Korrespondenten zu Mißdeutungen Anlaß gaben, wie nuS solches von verschiedenen Seiten versichert wird. Je mehr wir die Macht dcS Wortes der Presse zu würdige!! wissen, desto!!!ehr müssen wir daraus halten, daß solches nicht nur bona fiile, sondern auch in vorsichtiger Erwägung benutzt wird. Die Mahnnng הזהרו בדבריכם gilt auch für die Presse.) . Sa. Wiirzbrrrg, 12. Dezember. Herr Oberrabbiner Kunst ad t zu Nadautz (Bukowina) stellt in der jüngsten Nummer des ״Jeschurnn" die Frage, wie cS die orthodoxen Rabbiner Deutschlands, die mit Ertheilnng dcS Religionsunterrichts an Staatsschulen betraut sind, in betreff der Kopfbedeckung halten. In Bayern ist cS ganz den Lehrern überlassen, den Religionsnntcrricht mit oder ohne Kopfbedeckung zu ertheilen. Dessenungeachtet sind uns Städte in Bayern bekannt, in denen die Schüler beim Religionsunterrichte ohne Kopfbedeckung vor ihrem Religionslehrer sitzen, der sie die zehn Gebote im Urtexte übertragen läßt, was ihn jedoch nicht hindert, am Samstag als Geistlicher von der Kanzel herab )einer Gemeinde von der Heiligkeit und Ehrfurcht des göttlichen Namens zu predigen. Daß da Hirt und Heerde der Neologie huldigcn, bedarf kann! der Erwähnung. Anders jedoch verhält cS sich hier bei uns in Würzburg. An den königlichen Staatsschulen, welche von israelitischen Schülern stark frequentirt werden, wird der Religionsunterricht von zwei streng orthodoxen Lehrern ertheilt, selbstredend mit Kopfbedeckung. Unseres Erachtens kommt eS größtentheils auf den Lehrer selbst an, ob eS ihm mit der Religion Ernst ist; ist dies der Fall, dann sindct er auch bei der betreffenden Schulbehörde die gehörige Unterstützung und hat von dieser Seite keine Schwierigkeiten zu befürchten. m. Leipzig, Dezember. Es ist selbstverständlich, daß uns die Erzählungen der heiligen Schrift über! allen! Zweifel erhaben als unumstößliche Wahrheit gelten, j Nichts desto weniger erlaube ich mir, auf eine AnSj lasjung in dem Zarncke'schen literarischen Ccntralblat, ׳ Nr. 48 d. I., welche (4. E. (Georg Ebers?) gezeichnet! ist, das jüdische Publikum aufmerksam zu machen. ES i heißt da bei Gelegenheit einer Besprechung der Gei schichte des AltcrthumS von Ed. Meyer folgenderj!näßen: ״Zwar sind auch wir überzeugt, daß es gegenl über den biblischen Büchern kein anderes Mittel giebt,; um Wahrheit und Jrrthum wissenschaftlich zu sondern als eine scharfe und besonnene Kritik, und daß ganz dieselben kritischen Maßstäbe an die historischen Berichte der heiligen Schrift gelegt werden müssen, wie an jede andere historische Quelle; aber wir verlangen gleiches Recht für beide; dies gleiche Recht wird aber unseres Erachtens in jüngster Zeit von mancher Seite und auch durch den Verfasser geschädigt; denn versenken wir uns in den biblischen Bericht über den Aufenthalt der Juden in Aegypten, in den Exodus und die spätere Tradition von der Knechtschaft des Volkes Israel in Gosen und überschauen wir die Gesammtheit dessen, was die ägyptischen Denkmäler über Gosen und den Aufenthalt semitischer Stämme daselbst lehren, so zwingt uns eine scharfe und billige Kritik, an die Historizität