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Jeschurun · 1884-12-25 · Heft 52 (25.12.1884) · p. 820

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 52 (25.12.1884)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1884-12-25
Page
820 (sequence 2)
Language
German
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820 Ein Herrscher, der ans der Viigc Von hin hört, j Dessen Diener werden alle gesetzlos. (29,1 j Will ein gfivft sich und sein Volk durch seine; Umgebung segnen, so muß ein Wort der Wahrheit und , der Vernunft mit Freimnth von seinen Dienern gesprachen, nicht sein Wohlwollen zu verscherzen fürchten müssen, ein Wort schmeichelnder und heuchelnder Um■ Wahrheit aber seinen ganzen Zorn zn fürchten haben. Ein Fürst, der nicht die sachliche Wahrheit, sondern nur das ihm persönlich Zusagende Horen will, in dessen Umgebung werden redliche Männer nicht bleiben können und nur Gesetzlose nahen seiner Person und seinem Qhr. * Durch Recht festigt ein König des Randes Stand, Ein Erhcbungsmann risse ihn nieder. (29, 4.) '31111• ein cinsichtsärmer Fürst ist auch an Bedrückungen reich. Ist er gewinnsüchtigem Lorthcil feind, verlängert er seiner Herrschaft Tage. (2tt, 1 <>.) Recht ist ja die allererste, unveräußerliche Basis, ans welcher ein jedes, das größte wie das kleinste Gemeinwcscn, somit auch das Gemeinwesen eines ganzen Landes zn beruhen hat. Und wenn auch der König nicht selbst das Recht handhabt, so kann er doch dahin wirken, daß das Recht in seinem Rande gehandhabt werde, und daß die Handhabcr des Rechts selber gerechte Männer sind. Dazu gehört aber in aller erster Vinic, daß der Fürst selbst im dichte nnanznzwcifelnder Gerechtigkeit leuchte, er wie in allen Tugenden, so auch durch die Tugend der Uneigennützigkcit und des Abschens vor jedem gewinnsüchtigen Vorthcil als der Höchstgeadelte dastehc. Ein einsichtsvoller Herrscher findet seine Größe nicht in schweren Belastungen seiner Völker, will ihnen nicht als איש תרומות, als ״Stenern-Erheber" gelten, er weiß, wie mit jeder Bcrzichtlcistnng zur Erleichternng seiner Völker er nur in deren Brust der Dauer seiner Dynastie Ewigkeit verleiht. (Fonseyung folgt.) Ketnulchulkkn!ihre fow llcljg'ms - llntfrridjt. '13011 einem emeritirtcit Schnlineisicr. (Schluß.) Ich leistete auch im Gegensatz zu manchen Kollegen Verzicht ans eine eingehendere Kenntnis; der nachbiblischen Geschichte, auf ein Einüben der sogenannten Bibclknnde, ans Memoriren einzelner Bibekstücke, auf Fertigkeit in eleganten Schriflzügcn 11. dergl. m. Deine beschränkte Unterrichtszeit sei Dir thcucr, geize mit derselben, vergeudc keine Minute mit .zur Roth Entbehrlichem oder zur Zeit nicht unbedingt Nothwendigem, so sagte ich mir fortwährend. Ein vulgäres Lprichlvort meint, daß das Hemd Einem näher ist als der Mantel, und ich verschmähte cs, meine Schüler mit einem in unechtem Schurncke glänzenden Mantel zu umgeben,!velchcr die ׳nackte oder höchst mangelhafte Blöße bekleiden sollte. Mit anderen Worten, ich habe es für einen großen Fehler gehalten, daß man aus Gegenstände, welche immerhin erst in zweiter l'mic kommen, einen verhälrnißmäßig zu großen Theil der in der That kostbaren Zeit der wenigen dem Religionsnnterricht gewidnreten Minuten verwendet und darüber das Nothwendigste vernachlässigt. Man betrügt dadurch sich, die Kinder und die Eltern, weil man sich leicht beredet, etwas Bedeutelides geleistet zu haben, wenn die Schüler mit gewissen Kenntnissen brilliren, die an und für sich recht schätzenswerth, aber für das mir vorschwebende Ziel meines Unterrichts minderwerthig erscheinen müssen, so lange ich für die Förderung des Verständnisses der heiligen Schrift und der Liturgie noch zu wenig Zeit zur Verfügung habe. Ich verkannte ivahrlich nicht beit Werth der eben genannten Unterrichtsfächer, aber ich mußte mir dennoch sagen, begnüge dich mit einem ganz kurzen Ueberbticke der nachbiblischcn Geschichte u. s. w., das nähere Eingehen daraus kannst Du viel eher dem späteren Selbststndinm Deiner Schüler überlassen, als die Untern'c'isnng in dem Pentateuch, den Propheten und Hagiographen. Statt Deinen Schülern eine Nomenklatur der einzelnen Thcilc der Bibel nebst einer höchst dürftigen Inhaltsübersicht einzntrichtcrn, ist cs viel vernünftiger, die hierfür ansgcsetzte Zeit zur Vermittelung eines innigeren Verständnisses mit irgend einem Theile der Bibel zu benutzen; statt viel Zeit ans das Unswendiglernen einzelner Stücke zn verwenden, ist cs angemessener, Deinen Schülern einen tieferen Einblick in irgend eine Gcsetzesvorschrift zu gewähren; statt sie an dem knnstgerechten Nachmalcn von Schristzeichcn zn üben, lasse Dir ein Genüge sein, wenn sic einigcrntaßcn die gewohnliche jüdische Kurrentschrift handhaben können und lehre sic dafür lieber einzelne Theile unserer poetanischcn Btnrgie verstehen. Ich konnte mit meinen Schülern weniger paradiren, als manche Kollegen, deren Schüler bei den öffentlichen Prüfungen eine erstaunliche Kenntnis; in der jüdischen Geschichte entwickelten, eine anscheinende Vertrautheit mit allen vierundzwauzig heiligen Büchern an den Tag legten, von denen die herrlichsten kalligraphischen Proben der Quadrat- und Kurrentschrist prodnzirt wurden n. s. w. Aber ich hatte die Genugthnnng, zu wissen, daß ich meine Schüler weiter als manche meiner Kollegen in das wirkliche Heiligthnm eingeführt hatte, daß sic ein besseres Verständniß für den Geist des Indenthums und seiner Satzungen ge- Wonnen und viel mehr bcsähigt waren, selbstständig an

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