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Jeschurun · 1884-12-18 · Heft 51 (18.12.1884) · p. 815

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 51 (18.12.1884)
Article
Nihilismus und Judenthum
Date
1884-12-18
Page
815 (sequence 1)
Language
German
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815 Whitismns und Iudenthum. Bon Friedrich N ott. (,Me :Halite voi velialtc». «Fortsetzung.) ״So dars man nicht reden!" schrie sie ans, ״und wenn die Erde sich öffnet und vor Ihren Augen verschlingt alles, was Ihnen lieb und thcncr ist — wenn das HauS über Ihnen zusannnenstürzt und Sie und Ihr ganzes LebenSglück unter den Trümmern begräbt —" ״Liebste Irene, sagen Sie uns, was ist Ihnen widerfahren," bat Tolza, indem Sic den Arm um die Weinende schlang. Die beiden jungen Leute hatten sich diskret entfernt. Iran LewinSki und ihre Tochter bemühten sich jedoch lange vergebens, die heftig Erregte auch nur in so weit zu beschwichtigen, daß sie im Stande war, die Ursache ihrer Berzweiflung mitzutheilen. Endlich fuhr sic sich mit dem gestickten Battisttuch über die Augen und sprang auf. ״Nein, ich will nicht länger weinen! ich will nicht! ich will handeln! handeln!" ״Und Sie wollen uns noch immer nicht sagen, waö Sic betrfsen hat?" ״Habe ich'S Ihnen denn noch nicht gesagt? — habe ich mich doch nur deshalb zu Ihnen geflüchtet, um an Ihrem treuen theilnehinenden Herzen mich anSznweinen. — O, meine liebste Tolza! — ich bin so unglücklich! so unglücklich! — Denken Sie sich! — Meine Eltern haben meinem Geliebten das HanS verboten! — O! — o! — das überlebe ich nicht!" — Und von Neuem brach sie in ein wildes, konvulsivisches Schluchzen ans. ״Herr 1)1׳. Lilienthal ist Ihr Verlobter?" fragte Frau LewinSki. Irene schüttelte das Haupt. ״Oesfentlich verlobt sind wir noch nicht. Aber daö ist ja ganz einerlei, vor Gatt sind wir verlobt, haben Schwüre gewechselt. Und meine Eltern wissen das auch recht gut; Sie selbst haben uns doch schon ans der Promenade getroffen, haben gesehen, wie Alfons in Mama'S Gegenwart mir den Arm gereicht." ״Allerdings habe ich das gesehen und habe Sie deshalb auch für Verlobte gehalten." ״Wir sind auch Verlobte," rief Irene, sich kraftvoll anfrichtend, ״und werden es bleiben, bis der Priester uns am Altäre vereint." ״Ihre Eltern werden sich hoffentlich erbitten lassen." ״Und wenn sie sich nicht erbitten.lassen!" — heraussordernd warf sie die Locken zurück, ich bleibe AlsonS treu, ich bin seine Braut und werde sein Weib." ״Hoffentlich mit Zustimmung Ihrer Eltern, beste Irene." Irene zuckte die Achseln. ״Mit oder ohne Zustimmung meiner Eltern. — Nein, scheu Sie mich nicht so vorwurfsvoll an, Tolza, Sie können meine Verhältnisse nicht nach den Ihren beurtheilcn. Sic haben gut reden, Ihre Eltern wollen nur Ihr Glück." ״Und die Ihren haben sicher auch nur Ihr Bestes im Auge." ״Das ist nicht wahr!" rief das junge Mädchen mit neu anSbrccheudcr Wildheit. ״Meine Eltern wollen meinen Tod, denn ich kann nicht leben ohne meinen Alfons! — nein, ich kann's nicht!" — und abermals brach sic in Thräncn aus. Frau LewinSki trat kopfschüttelnd znm Tisch, entkorkte eine Flasche Sodawasser, füllte eö in ein GlaS und bot cS der Weinenden. ״Trinken Sic, liebes Fräulein, cs wird Ihnen wohl thlin, Sie sind zu sehr erregt. Sobald Sie ein wenig ruhiger geworden, thcilcn Sic uns Alles mit, ich meine hauptsächlich, aus welchem Grunde Ihre Eltern Ihrem Freunde das HanS verboten haben; und dann wollen wir gemeinsam berathen, wie Ihre Eltern zu bewegen sein werden, das Verbot zurück zu nehmen." Irene schüttelte zwar abwehrend daö schöne Haupt, doch nahm sie daS dargebotene Glas, leerte cs so rasch eS die in zahllosen Bläschen anfstcigcnde Kohlensäure zulicß und athmete sichtlich erleichtert auf. ״Ich danke Ihnen, liebste Frau LewinSki, Sie sind so gut, o so gut! —wie glücklich ist meine thcnre Tolza, daß sic Ihre Tochter ist — ach, wenn ich auch eine solche Mutter hätte! —" ״Kind, Kind, so dürfen Sie nicht reden. Sagen Sic uns lieber, warum Ihre Eltern —" ״Ja, ja, das wollte ich ja, aber mein armer Kops —", sie drückte ihr duftendes Taschentuch an die Stirn. ״Deshalb bin ich ja zu Ihnen geflüchtet, liebste Frau LewinSki, zu Ihnen und zu meiner guten Tolza, daß Sic mich trösten, mir rathcn, mir Helsen! —" ״O wie gerne möchten wir Ihnen helfen," sagte Tolza, indem sie den Händedruck der Andern herzlichst erwiderte, aber vor Allem müssen Sie nnS doch mitt hei len —" ״Ja, ja, jetzt werde ich'S auch leichter können, Ihre liebevolle Thcilnahme hat mir unendlich wohl gcthan und neuer Mnth erfüllt man Herz. Also vernehmen Sic — doch ich werde weiter auSholen müssen, damit Sie besser im Stande sind, die Sachlage zn erwägen. (Fortsetzung folgt.)

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