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Jeschurun · 1884-12-18 · Heft 51 (18.12.1884) · p. 814

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 51 (18.12.1884)
Article
Holland : Amsterdam [Nachricht]
Date
1884-12-18
Page
814 (sequence 2)
Language
German
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in Ihrem geschätzten Blatte. Ich gehöre nicht zur ehrbaren Znnst der Journalisten, und würde denselben auch nicht ins Handwerk pfuschen, um Ihnen irgend eine Neuigkeit von hier zu berichten; Sic werden (111$ unserem Van de ja sehr gut bedient, und daun ist ja anch die Tcndcn; dcS ״Ieschlirnn" ivcniger, seinen Vesern Neuigkeiten zu bieten, wozu so oft die nichtssagendsten und für ein jüdisches Blatt ganz bedeutungslosen Borlommuisse hcrbeigcholt werden, als wirklich jüdischen (Steift und jüdisches Veben unter seinen Lesern;1! verbreiten. In diesem Sinne brachten Sie vor ungefähr Jahresfrist aus der Jeder eines Ihrer ständigen Herren Korrespondenten einen Artikel über die hiesigen jüdischen Verhältnisse, soweit solche mit dem Unterrichte ,11־ sammcnhängcn; und ich kann nur konstatiren, dag die betreffende Korrespondenz seiner Zeit Mauchen vielleicht nicht ganz angenehm berührt hat, weil eine wunde Stelle in unserem Gememdewejcn damit offen gelegt wurde, dag sie aber, und mit Recht, in maßgebenden Kreisen sich vielseitiger Zustimmung zu erfreuen hatte. Der ״Israel. Nicnwsbodc" begann damals in der angc־ regten Schulsragc eine Reihe von Artikeln, um auscincindcrznsetzen, daß die Bestrebung von Schulen für den vereinigten Unterricht des Jüdischen und Profanen gewiß sehr wünscheuSwcrlh, aber nach den hiesigen Ber׳ hältnisscu nicht durchführbar sei. Leider ist es aber bei dem Anfänge dieser Auseinandersetzungen geblieben, so gespannt man auch den Ausführungen des in dieser Sache gewiß berufenen Schreibers jener Artikel entgcgensah. Sicher waren cs zwingende Gründe, die den geschätzten Redakteur des genannten Blattes verhinderten, seine Arbeit zu Ende zu führen. Allein, der Gegenstand ist so wichtig, daß es wohl kaum einer Ent־ schnldigung meinerseits bedarf, daß ich deshalb auch einmal unter die Zeitnngsskribenteu gehe und mit diesen Zeilen die Schulsrage auf die Tagesordnung unserer Blätter setzen möchte. Bei wem cs in dieser Bezichuug noch einer Entschuldigung bedarf, bei dem erachte ich es für nnnöthig. mich deshalb zu entschuldigen. Wem cs aber nicht gleichgültig ist, wie unsere Jugend hcranwächst, welches Maß von jüdischem Wissen bei ihr vorhanden ist und bei den bestehenden Jnslilutioucu erstrebt werden kann, und ganz besonders, ob und wie sic mit bent (Seift unserer herrlichen Gottcslchrcn vcrtraut gemacht wird, mtd schließlich, in welchem Geiste unsere Kinder ihre gesummte Ausbildung erhalten, der wird mir beipflichtcu, 'daß dieses Thema zu wichtig ist, um nicht immer wieder und wieder besprochen zu werden, und zwar soll in dieser Sache nicht nur gesprochen, sondern anch gehandelt werden — לא היזדר* עיקר אלא המעשה! Rußland. . ..z. Petersburg, 9. Dezember. Noch immer schwebt das Damoklesschwert über dem Haupte der jüdischen Bevölkerung in Rußland. Noch immer nicht ist ihr Schicksal endgültig entschieden. Schon seit Jahr und Tag arbeitet angeblich die Indeukommission, und noch immer ist nichts DesinitiveS zu Tage getreten. Nur hie und da tauchen dunkle Gerüchte ans über die Thätigkcil dieser Kommission, die leider nichts Günstiges für nnS verheißen. So verlautet nunmehr in der ״St. Petersb. Ztg.", das; durch die Indeukommission eine systematische Zusammenstellung sämmtlichcr Gutachten über die Indenfragc, insbesondere der die nord- und südwestlichen Gouvernements betreffenden, erfolgt ist. Nach denselben sollen die selbstständigen jüdischen Kleinbürger- und Handwerkergcmeindeu in den kleinen Ortschaften aufgehoben werden. — Daneben geht das furchtbare Gerücht um, daß die Juden aus dem Donscheu Gebiete gänzlich vertrieben werden sollen, weil Dummheit und Böswilligkeit ihnen die Schuld der Thenerung und sonstiger Mißgeschicke zuschicbt. — Wir flehen jedenfalls vor einer trüben Ankunft. Die maßgebenden Organe scheinen weniger den Anforderungen einer weisen Politik und Gerechtigkeit bei ihren Entschließungen Raum geben zu wollen, als dem Vornrtheil. Jedem mit den einschlägigen Verhältnissen nur einigermaßen Vertrauten, im Anstande aber nur wenig bekannt, sind die Ursachen für das ökonomische Elend des russischen VandmannS vollkommen klar. Man frage nur in den Ministerien nach, man lese nur, was W. Grigorjcw, Iordriutzew, Iansson, Wassiltschikow - n. A. über diesen Gegenstand geschrieben und gesprochen.; Nicht der Jude drückt den Bauer, sondern die uner״; schwinglichen Abgaben und Leistungen und eine höchst! mangelhafte Agrargesetzgebung. Der Bauer kann weder > durch Pacht noch durch Kauf sein Besitzthnm arrondiren und rentabel gestalten. Industrie ist nicht vor- Händen. Statt für das Inland den durchaus nothwendigen Getrcidcbedars zu rcscrviren und nur den Ueberschnß zu exportircn, wird in unvernünftiger Werse der Bodenrcichthnm dem AnSlandc zu billigen Preisen zngcflchrt, und dem Russen fehlt das Brod und oft , das Saatkorn. Für das nach dem AuSlaude gehende j Getreide erhält der Bauer wenigstens baares Geld, im Inlandc ist kein zahlungsfähiger Käufer vorhanden.— Ich komme ans dieses Thema vielleicht demnächst noch zurück, für heute nur so viel: nicht das Vorhandensein des Inden ist ein nationales Unglück, sondern dessen! Nichtvorhandcnsein. Würde der Hebräer sich über ganz Rußland ausbrcilcn und ungehindert sich in Handel und Verkehr bewegen können, so wäre die russische Finanz- und soziale Frage zum größten Thcile glücklich gelöst und eine jüdisch-russische Frage überhaupt nicht mehr vorhanden.

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