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Jeschurun · 1884-12-18 · Heft 51 (18.12.1884) · p. 811

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 51 (18.12.1884)
Article
Deutschland : Hannover, 15. Dezember [Nachricht]
Date
1884-12-18
Page
811 (sequence 2)
Language
German
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811 Siegeln verschlossenes Buch geblieben. Er hat keine Ahnung von dein Inhalt des IndenthumS, dein er im Begriff steht, für sich und alle seine Nachkommen ans ewig Batet zn sagen. Er sicht nnd schildert nur die Lasten und Sorgen, die Bersnchnngen und Entvehrnngen, die den Inden in allen Lagen des Lebens, in jeder gcsellschastlichcn .Stellung begleiten. Aber von der Seligkeit, den! Glücke, den erhebenden Gedanken, die das Iudenthum in seiner praktischen Bethäügnng schasst, davon weiß er nichts. Zn ihm spricht nicht die herrliche Liturgie, ihn lassen die Feste und die großen jüdischen Institutionen kalt. Unb weil er meint, daß das Iudenthum sich nur im Schatten ocS ChristenthuniS oder des Islam bergen kann, darum zweifelt er an der von dem Iudenthum zu lösenden Welt- Mission, als deren Träger ihm jetzt das Christcnthum dastcht. Er sicht nicht den Irrthum, in welchem er sich bewegt, sicht nicht, daß diese beiden Bekenntnisse nichts anderes bedeuten, als den Sieg des IndenthumS über die heidnische Welt, daß alles dasjenige, was ihm im Christcnthumc bcwundcrungSwerth erscheint, im Grunde dem Indenthnme entstammt. Er nimmt den neuen Glauben an uub spricht es ans, daß er einen wesentlichen Thcil desselben, das Dogma der Trinität, nicht anerkenne. Er beschwichtigt seine Skrupel mit der Erwägung, daß aud) viele in der Kirche Geborenen sich hiervon nicht überzeugt halten. Er erhofft von der neuen Glaubensgemeinschaft, in die er somit doch nur thcilweisc eintritt, eine Befriedigung und ein ideales Streben und gewahrt nicht, daß er schon jetzt darauf verzichten!nutz. Ein gläubiger Bekenner der rcformirten Kirche ist er nicht geworden, daS Indenthum hat er nie erfaßt. WaS gewinnt er bei dem Tausche? — Wir sind der Ansicht, daß Manche sich in dem ähnlichen Falle befinden wie der Verfasser, nnd daß die ganze nnd halbe Reform innerhalb dcS IndenthumS fortwährend ähnliche Erscheinungen erzeugen wird. Nur wenige Generationen noch, davon sind wir fest überzeugt, so find die Enkel der heutigen entweder ganz aus bciu Indenthnme geschieden, oder gewissenhafte, nberzcngnngStreue Inden. Nur der ganze Jude erhält sich und die Scinigen bei dem glorreichen Banner des alten HeiligthnmS der Menschheit. — Hannover, 17. Dezember. Der Kinderverein מלביש עמבדס gewährt auch in diesem Jahre armen Schulkindern; 110 an der Zahl, vollständige Bekleidung. Die Knaben erhalten je ein Paar Stiefel, zwei Paar Strümpfe, zwei Hemden, einen Nock, ein Beinkleid, eine Weste; die Mädchen je ein Paar Schuhe, zwei Paar Strümpfe, zwei Hemden, einen Flanellrock, ein Kleid. Die Kleidungsstücke liegen Sonnabend in dem Saale der NeligionSschnle zur allgemeinen Besichtigung aus. Herzliche Anerkennung den wackeren Kindern unserer Gemeinde, die ihre Sparpfennige den bedürftigen Altersgenossen freudig weihen, aber auch Dank den warmherzigen Eltern, welche ihre Söhne und Töchter frühzeitig zum Wohlthnn ansporuen nnd den Pfennigen derselben gern die Martstücke hinznsügen, um daS Licbeswerk zu fördern und \\1 der Bedeutung zu bringen, daß cS schon jetzt seit neun Jahren möglich ist, die gesummte bedürftige israelitische Schuljugend mit Winterkleidung regelmäßig zu versehen. -a- Berlin, 11. Dezember. Der deutsche Antiscnlitcnbnnd hat in seiner in der Viktoria-Brauerei abgchaltenen Versammlung eine Resolution augeuommen, der zufolge der Vorstand beauftragt wird, in Ausführung der Beschlüsse des zweiten antisemitischen Kongresses in Ehcmnitz sofort eine der bekannten Försterscheu Pctiliou an Inhalt gleiche Eingabe all den Bundesrath, den Reichstag und das Abgeordnetenhaus zu richten nnd hierüber einer demnächst zu bcvufenbcu Volksversammlung Kcnntniß zu geben bczw. diesen Antrag ans die Tagesordnung der nächsten Verstimmlnng zu setzen. Vorher hatte Stadtverordneter Picken״ dach einen Vortrag über das Iudenthum und die Sozialdemokratie gehalten. Leider war eS mir nicht möglich, ein 91eferat über diesen Vortrag zu bekommen. Ich hätte gern etwas daraus zur Erhcitcrling der geschätzten Leser dieses Blattes angeführt. Doch Sic kennen ja Herrn Pickcnbach nnd wissen, was eö heißt: Herr Pickenbach hält eine Rede und noch dazu über jenes Thema. Allerdings Hütten Sic wahrscheinlich so viel Neues und Kluges zu hören bekommen, daß eS Ihnen grün und gelb vor den Augen geworden wäre. Ich bitte Sic, Herr Pickeubach, sage, Herr Pickcnbach redet -über Iudenthum und Sozialdemokratie, — ua, Schwamm drüber! Verzeihen Sic ciueu für dieses Blatt nicht prssendcn Ausdruck, aber eö ist wirklich besser für uns nnd noch mehr für ihn, wenn über alle seine Mieden einmal der Schwamm käme. g. Breslau, 14. Dezember. Daß der BildnugStrieb bei der israelitischen Bevölkerung nicht gering ist, bedarf wohl kaum heute noch der Erwähnung. Intereffant ist es aber, daß daS hiesige Elisabeth-Gymnasium 308 evangelische, 308 jüdische unb 28 katholische Schüler zählt, sowie daß die höhere Töchterschule an der Tüschenstraße, die vorzüglichste hiesige städtische Anstatt für die weibliche Jugend, von 212 evangelischcn, 216 jüdischen und ^katholischen Schülerinnen besucht wird. * Frankfurt a. M., Dezember. Anläßlich der Jahresversammlung des Vereins für das historische Museum in verflossener Woche hielt Herr Cornill einen Vortrag über die Entwickelung der Judengasse und deren Aussehen in früherer Zeit. Die EntslchnngSzeit dieses merkwürdigen Stückes Alt-

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